Patienten mit Depression und Diabetes erkennen

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Depression und Diabetes: die Identifizierung von Patienten, die aufgrund einer depressiven Störung schlechte Stoffwechselparameter aufweisen, ist sehr wichtig.

Der Zusammenhang von Depression und Diabetes ist sehr komplex. Jeder 4. bis 5. Patient soll betroffen sein – so die Schätzungen. Die depressive Störung wird je nach Vorliegen von Symptomen generell in leichte, mittelgradige oder schwere Depression unterteilt. Die Häufigkeit der Depression bei Typ 1 und Typ 2 Diabetes schwankt in kontrollierten Studien zwischen 6 und 27% – je nach Definition und verwendetem Diagnostik-Instrumentarium. Patienten mit Diabetes mellitus leiden etwa doppelt so häufig an Depressionen wie Menschen mit gesundem Stoffwechsel. Grund ist oft, dass Diabetes den gesamten tagesablauf der Betroffenen bestimmt.

In einer wichtigen Studie wurde die Häufigkeit der Depression bei diabetischen Patienten mit 24% und bei einer nicht-diabetischen Population mit 17% angegeben (Goldwyn et al., Diabetes Care 27:1066-1070, 2004). Jüngeres Alter, weibliches Geschlecht, schlechtere Bildung, unverheiratet sein, BMI>=30, Rauchen, höhere HbA1c-Spiegel, mehr Spätschäden und Insulintherapie waren unabhängige Faktoren, die mit Depression assoziiert waren. In einer weiteren Studie konnte ein Zusammenhang zwischen geringerem Einkommen und einer erhöhten Inzidenz von Depression beobachtet werden (Whitehall II study).

Depression ist eine bedeutende Begleiterkrankung bei Patienten mit Diabetes mellitus. Sie könnte für eine schlechtere Stoffwechsel-Einstellung und höherem Neuauftreten von akuten und chronischen Komplikationen verantwortlich sein. Ein Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und Depression wurde bereits öfters bestätigt und publiziert. So geht aus einer Publikation hervor, dass die Mortalität bei diabetischen Patienten mit minor Depression 1,67-fach und bei Patienten mit major Depression 2,3-fach gegenüber der nicht-depressiven diabetischen Population gesteigert ist (Katon WJ et al; Diabetes Care 2005).

Diagnose der Depression bei Diabetes-Patienten

Die Diagnose der Depression erfolgt über die Abfrage von Symptomen, wobei unterschiedliche diagnostische Instrumentarien zur Verfügung stehen. In validierten Fragebögen werden depressive Kernsymptome abgefragt und je nach Anzahl der positiven Symptome klassifiziert. Häufige positive Symptome bei Patienten mit Depression und Diabetes Typ 2 sind:

Depression-Diagnose: ICS-10

  1. Depressive Stimmung
  2. Verlust von Interessen und Freuden
  3. verminderte Energie (führt zu Müdigkeit und red. Aktivität)
  4. Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  5. Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  6. Schuldgefühle/Gefühle der Wertlosigkeit
  7. Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  8. Schlafstörungen, Früherwachen, Morgentief, Tagesschwankungen der Symptome
  9. Psychomotorische Hemmung oder Unruhe
  10. Appetitschwankungen
  11. Libidoverlust
  12. Mangelnde Reagibilität auf Erfreuliches
  13. Gedanken über Selbstverletzungen

Depression und Diabetes mittels 2-Fragen-Test diagnostizieren

Der simple 2-Fragen-Test kann die Diagnose Depression und Diabetes bestätigen.

1. Hatte der Patient in den letzten vier Wochen eine Periode, in der mehrere Tage lang über den ganzen Tag Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit auftraten?
2. Oder eine Periode, in der das Interesse an sonst beliebten Tätigkeiten verloren ging?

Wenn beide Fragen mit Ja beantwortet werden – und die Symptome mindestens zwei Wochen lang beobachtet wurden –, kann man von einer Depression ausgehen. Neben psychotherapeutischen Maßnahmen wird mit Antidepressiva behandelt.

 

Folgen einer Depression bei Diabetes

Das Problem der Therapie-Adhärenz ist bei Patienten mit Depression und Diabetes ein besonders gravierendes, da als Konsequenz der Therapie-Ablehnung bzw. -Ignoranz das Auftreten von Spätkomplikationen deutlich gesteigert sein kann. Bisher ist es nicht gelungen, typische Merkmale dieser »non-compliant« Patienten prospektiv zu identifizieren und dadurch eine sinnvolle Intervention zu ermöglichen. Hypothetisch wäre zu diskutieren, ob die depressive Stimmungslage zur Toleranz der schlechten Stoffwechsellage beiträgt und in­wieweit dadurch Interventionsstrategien nicht oder schlecht angenommen werden.

Bei Bluthochdruck-Patienten ist bekannt, dass eine depressive Grundstimmung die Einnahme der Medikamente reduziert und auch die Um­setzung von Empfehlungen zu Lifestyle-Veränderungen behindert. Nicht zu unterschätzen ist die ökonomische Seite: Diabetische Patienten mit Depression bewirkten in einer Studie eine 70%ige Kostensteigerung für das Gesundheitssystem im Vergleich zu diabetischen Patienten ohne Depression. Das Vorhandensein von diabetischen Spätschäden war in dieser Untersuchung der beste Prädiktor für die Kosten.

Quelle zu Depression und Diabetes:

http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/gefaehrliches-duo-diabetes-und-depression.php

http://care.diabetesjournals.org/content/28/11/2668.long

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15333477

Depression und Diabetes. OA Dr. Heidemarie Abrahamian, MEDMIX 11/2005.

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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