Menschen mit Demenz mittels Anamnesegespräch untersuchen

Das Anamnesegespräch kann sich bei Demenz kompliziert entwickeln. © VP Photo Studio / shutterstock.com

Bei Demenz gestaltet sich das Anamnesegespräch oft schwierig. ­Beachtet man einige Regeln, kann man von Demenzkranken aber wertvolle Informationen gewinnen.

Allgemein sind bei der Anamnese von älteren Patienten einige grundlegende Dinge zu beachten. Zu schnelles oder leises Sprechen kann schon im Vorfeld Missverständnisse aufkommen lassen und manche Symptome werden zu rasch als Alterserscheinung abgetan. Demenzkranke sind erfahrungsgemäß vormittags aufmerksamer. Weiter sollten Menschen mit Demenz zum Anamnesegespräch alle Behelfe wie Brille oder Hörgerät tragen und aufrecht sitzen.

 

Wie man Demenzkranke befragen sollte

Suggestivfragen können tückisch sein, da ältere Menschen gerne im Sinne des Befragenden antworten. Offene und insbesondere einzelne, klare Fragen sind besser als kombinierte, die verwirren oder solche, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können.

Weiters sind anschauliche Beschreibungen besser zu fassen als abstrakte Inhalte und ein Themenwechsel sollte in einer für den Patienten deutlichen Art erfolgen. Hat der Patient nicht verstanden, ist die simple Wiederholung der Frage dem Variieren der Formulierung vorzuziehen.

Zweifellos sollte man immer etwas mehr Zeit zur Verfügung haben, um jeden Punkt einzeln und konkret explorieren und etwaige Unklarheiten beheben zu können. Selbst geistig schwer zugängliche Patienten können mit intensiver Zuwendung Details ihrer Krankengeschichte offenbaren. Mitunter wirken andere, vordergründige Erkrankungen, Verletzungen oder eine Fremdanamnese (beispielsweise vom Sanitäter) ablenkend.

Unbedingt zu erfragen sind die Ernährungsanamnese mit Appetit und Gewicht sowie Anamnese zu Schlaf, Kontinenz, Medikamenten, Mobilität mit Bedacht auf Stürze und weiters geistiger Leistungsfähigkeit, Hör- und Sehsinn, Werte, Ziele und der Versorgungssituation. Ergibt das Anamnesegespräch nur wenige, ungenaue Angaben ist trotzdem ein allgemeiner Eindruck zu Bewusstsein, Orientierung und Gedächtnis möglich geworden.

 

Demenzkranke befragen und Angehörige miteinbeziehen

Gerade bei Hirnleistungsstörungen besteht die Gefahr, sich primär oder ausschließlich an die Angehörigen zu wenden, deren Wahrnehmung eher einseitig ist. Grundsätzlich sollte zuerst ein Gespräch mit dem Patienten ohne Beisein der Angehörigen stattfinden.

Nehmen sie dem Patienten nötigenfalls die Entscheidung über das Beisein der Angehörigen ab, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen. Trotzdem ist auch auf eine gesonderte Fremdanamnese Wert zu legen, denn so können Demenzkranke Defizite gegenüber Fremden gut verbergen.

 

Anamnesegespräch bei Demenz mehrfach und kurz durchführen

Der Patient kann natürlich aufgrund der Fülle an verschiedenen Fragen verwirrt und ermüdet werden – insbesondere ein Drängen auf genauere Angaben kann überfordern. Dann kann ein Anamnesegespräch im Rahmen mehrerer, kürzerer Befragungen vorteilhaft sein. Manchmal ist es auch nötig, sich innerhalb eines Gespräches mehrmals vorzustellen.


Quelle: https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/dementia.html

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