Defibrillatorweste beim Autofahren mit zwei verschiedenen Elektroautos sicher

Defibrillatorweste © afcom.at

Das Tragen einer Defibrillatorweste war beim Autofahren mit 2 verschiedenen Elektroautos sicher. Wissenschaftler fordern aber Tests mit allen Fahrzeugtypen.

Elektromotoren und Akkumulatoren sind wesentliche Bestandteile heutiger Elektroautos. Der Schutz von Fahrern und Insassen von Elektroautos gegen elektromagnetische Interferenzen (EMI), welche mit dieser innovativen Technologie einhergehen können, stellt eine wesentliche Bedingung dar. Können Insassen von Elektroautos, die zudem eine Defibrillatorweste (Wearable Cardioverter-Defibrillator = WCD) tragen, ohne Bedenken mit diesen Autofahren?



Der Defibrillatorweste findet Anwendung bei Patienten, die einer erhöhten Gefahr eines plötzlichen Herztodes durch lebensbedrohlich schnelle ventrikuläre Herzrhythmusstörungen ausgesetzt sind, die aber (noch) keine Kandidaten für einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator sind.

Wesentliche Bestandteile des WCD sind eine Weste mit EKG-Elektroden zur Detektion von Herzrhythmusstörungen und Defibrillationselektroden mit einer Monitor-Einheit zur Therapie-Abgabe.

Analog zu den implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren kann auch der WCD für EMI anfällig sein. EMI können von dem WCD fälschlicherweise als lebensbedrohlich schnelle Herzrhythmusstörungen klassifiziert werden. Dadurch kann es im schlimmsten Fall zu unnötigen, schmerzhaften Therapie-Abgaben durch den WCD kommen.

Somit ist auch vorstellbar, dass die Fahrt mit einem Elektroauto bei Patienten mit einem WCD z.B. inadäquate Schock-Abgaben hervorrufen könnte. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, mögliche Interaktionen von Elektroautos und dem WCD zu untersuchen.

Untersuchungen im Tesla Modell S und im BMW i3

Zur monozentrische Untersuchung musste die Testperson (Erstautor) eine Defibrillatorweste anlegen (Modell LifeVest 4000, ZOLL Medical Corporation, Pittsburgh, PA, USA) und diese aktivieren. Die Forscher führten die Versuche dann mit zwei verschiedenen Elektroautos durch. Modell 1 war das Modell S, der Tesla Inc., USA (Abb. 1A). Modell 2 war der BMW i3, BMW, Deutschland  (Abb. 1B)).



Das erste Testprotokoll sah ein Szenario vor, das den Alltagsbedingungen am nächsten kommt. Dabei saß die Testperson auf dem Beifahrersitz, während der Fahrer die Elektroautos durch die Stadt München bei flüssigem und dichtem Verkehr lenkte. Das zweite Testprotokoll sah zusätzlich zum ersten Protokoll rasches Beschleunigen und Abbremsen der Elektroautos vor, um EMI zu provozieren.

Bei den Versuchsansätzen wurde davon ausgegangen, dass der WCD EMI fälschlicherweise als lebensbedrohlich schnelle Herzrhythmus-störungen klassifizieren könnte. Und es dadurch zum Auftreten eines akustischen und Vibrations-Alarms mit automatischer EKG-Aufzeichnung durch den WCD kommen würde.

Zusätzlich wurden durch die Testperson regelmäßig manuell EKG-Aufzeichnungen über den WCD veranlasst. Die EKGs wurden anschließend über den Server des Herstellers des WCD aufgerufen und auf mögliche Artefakte durch EMI untersucht.

 

Keine Störungen durch elektromagnetische Interferenzen festgestellt

Der Erstautor (männlich, 41 Jahre alt, BMI 21 kg/m2) unterzog sich den unterschiedlichen Testprotokollen. Während der Untersuchungen traten keine akustischen oder Vibrations-Alarme auf. Automatische EKG-Aufzeichnungen wurden nicht verzeichnet. Auch die manuell von der Testperson veranlassten EKGs wiesen keine Artefakte auf.

In der vorliegenden Arbeit konnten die Wissenschaftler zeigen, dass man eine Defibrillatorweste sicher beim Autofahren mit Elektroautos tragen kann. Auch wenn keine Artefakte oder inadäquaten Schock-Abgaben bei dem WCD-Träger auftraten, sollten die Untersuchungen mit der Defibrillatorweste bei weiteren Elektroautos wiederholt werden. Und zwar bevor man die Ergebnisse auf alle Elektroautos verallgemeinert.




Quelle:

» Interagieren Elektroautos mit der Defibrillatorweste? « Dr. Sebastian Reif, Herzzentrum München-Bogenhausen. DGK Herztage 2019, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.

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