Cortisol – welche Wirkung das Stresshormon verursachen kann

Ein hoher Cortisol-Spiegel im Haar von Jugendlichen zeigte in einer Studie eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Depression an. © Bela Zamsha / shutterstock.com

Das Stresshormon Cortisol wird bei Stress rasch ins Blut ausgeschüttet, regt den Stoffwechsel an, bietet entzündungshemmende Wirkung und sorgt für mehr Energie.

Das Stresshormon Cortisol – auch als Hydrocortison bekannt und zur Gruppe der Glucocorticoide zugehörig – aktiviert die Abbauvorgänge des Stoffwechsels. Dadurch kann es dem Körper wichtige Energie zur Verfügung stellen. Zudem beeinträchtigt der Cortisol-Spiegel auch das Immunsystem. Wobei hier Cortisol mit seiner entzündungshemmenden Wirkung überschießenden Entzündungsreaktionen entgegenwirken kann,. Das kann man schließlich auch medikamentös nutzen kann.

Genauer betrachtet wird das lebensnotwendige Hormon in akuten, auch durch Stress ausgelösten Belastungssituationen sehr schnell in die Blutbahn befördert. Cortisol regt als den Stoffwechsel an, wirkt entzündungshemmend und sorgt für einen höheren Glukosespiegel im Blut, was den Zellen mehr Energie bereitstellt.

 

Cortisol und Diabetes

Das Stresshormon gilt unter dem Strich auch als wichtiger Gegenspieler zu Insulin, der der Isulinwirkung in den Zellen entgegenwirkt. Bei einem Überschuss an Cortisol kann deswegen Insulinresistenz entstehen. Wobei ein Cortisolüberschuss auch durch die langfristige Einnahme von Medikamenten entstehen kann.

Wenn ein Patient beispielsweise wegen einer entzündlichen Autoimmun- oder Rheumaerkrankung Kortison in hohen Dosen einnehmen muss, kann das ebenfalls Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben.

Zu den Nebenwirkungen von Kortison gehört eine deutliche Verschlechterung der Blutzucker-Stoffwechsellage. Das kann sogar zum Auftreten von Diabetes führen. Wenn Kortison somit für die medikamentöse Behandlung unbedingt notwendig ist, dann sollte der Blutzuckeranstieg mit Antidiabetika oder Insulin reguliert werden.

Quelle: NEUROtiker / Wikimedia
Strukturformel von Cortisol. © NEUROtiker / Wikimedia

Stresshormon Cortisol und seine Wirkung auf die Psyche, das Herz und die Gefäße

Psychische Leiden und Herzkrankheiten hängen oft zusammen, wobei hier Cortisol als Stresshormon eine große Rolle spielt. Depressionen gehen bekanntlich mit einem erhöhte Risiko für koronare Herzkrankheiten einher, wobei diese bei depressiven Menschen zudem häufiger tödlich verlaufen. Cortisol erfüllt bei Stress eine wichtige, schützende Aufgabe im Körper: Es wirkt dämpfend auf Entzündungsvorgänge und Autoimmunprozesse.

Bekannt ist, dass psychosoziale Belastungsfaktoren das Risiko für eine koronare Herzkrankheit(KHK) ähnlich stark erhöhen wie Rauchen oder Störungen im Fettstoffwechsel. Im Vergleich zu den klassischen Risikofaktoren ist der Einfluss psychosozialer Faktoren lange Zeit unterschätzt worden.

 

Stress, Depressionen und Herzleiden

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Depressionen, beruflicher und privater Stress oder auch der kürzlich zurückliegende Verlust eines geliebten Menschen für etwa jeden dritten Herzinfarkt verantwortlich sind.

Vor allem Depressionen, die aufgrund von chronischem Stress auftreten können, erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Weiters haben Patienten, die bereits an einer koronaren Herzerkrankung leiden und eine Depression entwickeln, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, früher zu versterben als nicht-depressive Menschen mit Herzleiden.

 

Cortisol-Spiegel, Cortisol im Haar, Elterndasein und Partnerschaft

Sehr emotional ausgetragene Konflikte mit erhobener Stimme können in einer Partnerschaft auf eine baldige Trennung oder Scheidung hindeuten. Dies gilt jedenfalls für Frauen. Bei Männern ist ein erhöhter Cortisol-Spiegel des Ehestreits ein möglicher Hinweis auf ein bevorstehendes Scheitern der Beziehung.

Dies zeigte unlängst eine Langzeitstudie, in der Wissenschaftler untersuchten, inwieweit Parameter wie Stimmfrequenz, Blutdruck oder Cortisol-Spiegel Trennungen vorhersagen können.

Eine aktuelle Untersuchung zu Burnout (auch Job-Burnout) bei Eltern und Cortisol im Haar zeigten einen starken Zusammenhang. Die Menge an Cortisol im Haar von Eltern mit Burnout war doppelt so hoch wie das von Eltern in einer Kontrollgruppe. Der Cortisol-Spiegel im Haar kann deswegen ein potenzieller Biomarker für Burnout-Symptome bei Eltern sein.

Seit längerem zeigen Analysen auch mögliche Zusammenhänge zwischen der Konzentration des Stresshormons Cortisol im Haar und Depressions-Symptomen. Beispielsweise entsprach in einer Studie ein hoher Cortisolspiegel bei Jugendlichen einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Depression.


Literatur:

Brianda ME, Roskam I, Mikolajczak M. Hair cortisol concentration as a biomarker of parental burnout [published online ahead of print, 2020 Apr 20]. Psychoneuroendocrinology. 2020;117:104681. doi:10.1016/j.psyneuen.2020.104681

Waller et al. Blunted Cortisol Stress Response and Depression-induced Hypocortisolism is related to Inflammation in Patients with Coronary Artery Disease. JACC Vol 67 No. 9, Mar 2016

Hahlweg, K. et al. Predicting Long-term Risk for Relationship Dissolution Using Nonparametric Conditional Survival Trees. Journal of Family Psychology, 2015, Vol. 29 (6), S. 807-817, doi: 10.1037/fam0000134. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20053393

Hahlweg, K., Richter, D. Prevention of marital instability and distress. Results of an 11-year longitudinal follow-up study. Behavior Research and Therapy, 2010. 48 (5), S. 377-83. doi: 10.1016/j.brat.2009.12.010. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26192131

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