Corona-Pandemie: Welche Rolle der Vitamin B-Komplex bei COVID-19 spielt

B Vitamine © shutterstock.com

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Der Vitamin B-Komplex steht auch in der Corona-Pandemie im Blicklicht der Wissenschaft, denn er spielt im Kampf gegen Covid 19 für Zellfunktion, Energiestoffwechsel und das Immunsystem eine wichtige Rolle.

Eine angemessene und ausgewogene Ernährung für eine ordnungsgemäße Körperfunktion und zur Stärkung des Immunsystems spielt in der Corona-Krise eine wichtige Rolle. Und zwar, um die Schlagkraft der eigenen Abwehrkräfte auf hohem Niveau zu halten. Hierzu scheint auch der Vitamin B-Komplex beziehungsweise Vitamin B-Mangel eine wichtige Rolle in der Corona-Pandemie und bei der Coronavirus-Erkrankung COVID-19 einzunehmen.

Der Vitamin B-Komplex – mit Thiamin (Vitaminen B1), Riboflavin (Vitamin B2), Nicotinamide und Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), Pyridoxin (Vitamin B6 – Pyridoxal 5′-phosphat), Folsäure (Vitamin B9) und Cobalamin (Vitamin B12) – hilft bei der Stärkung des Immunsystems. Und zwar indem es die ordnungsgemäße Aktivierung sowohl der angeborenen als auch der angepassten Immunantwort unterstützt. Zudem senkt es die entzündungsfördernden (proinflammatorischen) Zytokinspiegel und verbessert die Atmungsfunktion. Schließlich erhält es auch die endotheliale Integrität, verhindert die Hyperkoagulabilität und kann die Verweildauer im Krankenhaus verkürzen. Daher sollte man den Vitamin B-Komplex-Status bei COVID-19-Patienten eruieren und gegebenenfalls als orthomolekulare Zusatztherapie zu aktuellen Behandlungen einsetzen.

 

Natürliche Quellen von B-Vitaminen und ihre physiologische Rolle

Im Grunde genommen sind die B-Vitamine B 1 , B 2 , B 3 , B 5 , B 6 , B 7 , B 9 und B 12 eine Klasse wasserlöslicher Vitamine, die eine wichtige Rolle im Zellstoffwechsel spielen. Sie sind chemisch unterschiedliche Einheiten, können jedoch in denselben Lebensmitteln, einschließlich Fleisch und pflanzlichen Quellen, koexistieren. B12 kommt vorwiegend in Fleisch wie Pute, Thunfisch und Leber vor. Während Folsäure hauptsächlich in pflanzlichen Produkten wie Hülsenfrüchten (Erbsen oder Bohnen), Gemüse, Nüssen, Vollkornprodukten, Kartoffeln, Bananen, Chilischoten und Tempeh enthalten ist. B-Vitamine sind auch in geringen Mengen in unverarbeiteten Kohlenhydraten enthalten. Während verarbeitete Kohlenhydrate wie Zucker und Weißmehl niedrigere Vitamin B-Spiegel aufweisen. Nahrungsergänzungsmittel, die alle acht B-Vitamine enthalten, werden als Vitamin B-Komplex bezeichnet.

 

Mikronährstoffe und Covid-19

Mikronährstoffe wie Zink und Selen sowie Vitamin C und Vitamin D haben während der Corona-Pandemie aufgrund ihrer entzündungshemmenden und immununterstützenden Eigenschaften viel Aufmerksamkeit der Forschung erhalten. Niedrige Vitamin D- und Vitamin C-Spiegel führen zu einer Störung der Blutgerinnung (Koagulopathie) und unterdrücken das Immunsystem, was wiederum zu einen Mangel an Lymphozyten (Lymphozytopenie) führt. Es hat sich gezeigt, dass die Sterblichkeitsrate bei COVID-19-Patienten mit niedrigen Vitamin D-Konzentrationen höher ist. Darüber hinaus erhöht eine Vitamin C-Supplementierung den Oxygenierungsindex* bei COVID-19-infizierten Patienten. In ähnlicher Weise kann auch ein Vitamin B-Mangel die Funktion der Zellen und des Immunsystems erheblich beeinträchtigen und zu Entzündungen aufgrund von erhöhten Spiegeln von Homocystein (Hyperhomocysteinämie) führen.

 

Vitamin B 1 (Thiamin) und Vitamin B 2 (Riboflavin)

Vitamin B 1 ist in der Lage, die Funktion des Immunsystems zu verbessern. Frühere Studien konnten auch zeigen, dass es das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, altersbedingte Störungen, Nierenerkrankungen, Krebs, psychische Störungen und neurodegenerative Störungen verringern hilft. Thiaminmangel beeinflusst das Herz-Kreislauf-System, verursacht Neuroinflammation, erhöht die Entzündung und führt zu aberranten Antikörperreaktionen.

Da Antikörper und vor allem T-Zellen erforderlich sind, um das SARS-CoV-2-Virus zu eliminieren, kann ein Thiaminmangel möglicherweise zu unzureichenden Antikörperreaktionen und anschließend zu schwereren Symptomen führen. Daher ist es wahrscheinlich, dass ausreichende Thiaminspiegel die richtigen Immunantworten während einer SARS-CoV-2-Infektion unterstützen.

Möglicherweise könnten hohe Thiamin-Dosen, die man stationären Patienten in frühen Stadien von COVID-19 verabreicht, den Sauerstoffmangel in den Geweben (Hypoxie) begrenzen und den Krankenhausaufenthalt verringern. Allerdings sind weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, ob die Verabreichung hoher Thiamin-Dosen zur Behandlung von Patienten mit COVID-19 sinnvoll ist.

Das Riboflavin verursacht zusammen mit UV-Licht irreversible Schäden an Nukleinsäuren wie DNA und RNA, wodurch mikrobielle Pathogene wie Viren nicht mehr replizierbar sind. Beispielsweise konnte man zeigen, dass Riboflavin und UV-Licht gegen das MERS-CoV-Virus wirksam sind. Das deutet darauf hin, dass Riboflavin auch gegen SARS-CoV-2 hilfreich sein könnte. Tatsächlich senkte Riboflavin und UV-Licht den infektiösen Titer von SARS-CoV-2 unter die Nachweisgrenze in menschlichem Blut sowie in Plasma- und Thrombozytenprodukten. Dies könnte das Risiko einer Transfusionsübertragung von COVID-19 verringern und andere Krankheitserreger in Blutprodukten für kritisch kranke COVID-19-Patienten reduzieren.

 

Vitamin B 3 – Nikotinamid, Niacin – sowie Vitamin B 5, der Pantothensäure

Im Tiermodell verhinderten Niacin und Nikotinamid eine Schädigung des Lungengewebes. Darüber hinaus reduziert Nikotinamid die Virusreplikation beim Vaccinia-Virus, Human Immunodeficiency Virus, bei Enteroviren sowie beim Hepatitis B-Virus. Zudem stärkt Niacin die körpereigenen Abwehrmechanismen. Unter Berücksichtigung der lungenschützenden und Immunsystem stärkenden Rolle von Niacin könnte es als Zusatzbehandlung für COVID-19-Patienten eingesetzt werden. Jüngste Erkenntnisse lassen außerdem vermuten, dass die gezielte Behandlung von proinflammatorischen Zytokinen bei Patienten mit COVID-19 zur Kontrolle des Entzündungssturms (Zytokinsturms) beitragen könnte.

Pantothensäure spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Zellstoffwechsel hat eine Reihe von Funktionen cholesterin- und triglyceridsenkende Eigenschaften. Zudem verbessert das Vitamin B 5 die Wundheilung, verringert Entzündungen und verbessert die psychische Gesundheit. Allerdings gibt es kaum Studien zu den Auswirkungen von Pantothensäure auf das Immunsystem. Die Autoren der aktuellen Pub-Med-Publikation sehen in der Pantothensäure aber ein interessantes Vitamin für zukünftige Untersuchungen.

 

Vitamin B 6 (Pyridoxal-5′-phosphat, Pyridoxin) gegen drohenden Zytokinsturm bei COVID-19

Das Vitamin B 6 – Pyridoxal-5′-phosphat (PLP), eine aktive Form von Pyridoxin – ist ein essentieller Cofaktor in verschiedenen Entzündungswegen, wobei ein Mangel zu einer Dysregulation des Immunsystems führt. Einige Studienerkenntnisse deuten darauf hin, dass COVID-19-Patienten mit hoher Entzündung einen Vitamin B 6-Mangel haben könnten. Jedenfalls hat man niedrige PLP-Spiegel bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei älteren Menschen festgestellt. Und diese Patienten haben bekanntlich ein höheres Risiko für einen schwereren COVID-19-Verlauf.

Bei COVID-19-Patienten konnten Forscher zudem auch eine Dysregulation der Immunantworten und ein erhöhtes Risiko für eine Störung der Blutgerinnung feststellen. In einer kürzlich erschienenen Publikation haben Wissenschaftler vorgeschlagen, dass eine Vitamin B 6-Supplementierung die COVID-19-Symptome lindern hilft. Und zwar indem sie die Immunantworten reguliert, entzündungsfördernde Zytokine verringert, die Endothel-Integrität aufrechterhält und erhöhte Homocystein-Spiegel verhindert. COVID-19-Patienten reagieren häufig auf das Virus, indem sie eine übermäßige T-Zell-Reaktion und die Sekretion entzündungsfördernder Zytokine auslösen. Es kann sein, dass Vitamin B 6 dazu beitragen kann, den Zytokinsturm und die Entzündung einiger COVID-19-Patienten zu dämpfen.

 

Vitamin B 9, Folsäure, soll das Andocken des SARS-Cov-2-Virus an die Körperzellen verhindern

Folat ist ein essentielles Vitamin für die DNA- und Proteinsynthese sowie für die adaptive Immunantwort. Kürzlich konnten Forscher feststellen, dass Folsäure die Bindung durch das SARS-CoV-2-Spike-Protein sowie Zelleintritt und Virusvermehrung verhindert. Daher wurde vermutet, dass Folsäure im Frühstadium für die Behandlung von COVID-19-assoziierten Atemwegserkrankungen von Vorteil sein könnte. Ein kürzlich veröffentlichte Untersuchung besagt, dass Folsäure und ihre Derivate durch strukturbasiertes molekulares Andocken starke und stabile Bindungsaffinitäten gegen SARS-CoV-2 aufweisen. Daher kann auch Folsäure als therapeutischer Ansatz für die zusätzliche Behandlung von COVID-19 sinnvoll.

 

Vitamin B 12 (Cobalamin)

Im Grunde genommen hat das Vitamin B 12 verschiedene gesunde Wirkungen. Cobalamin ist wichtig für die Synthese roter Blutkörperchen, für die Gesundheit des Nervensystems, für die Myelin-Synthese, das Zellwachstum sowie die schnelle Synthese von DNA.

Vitamin B 12 wirkt als Modulator der Darmmikrobiota, und niedrige B 12 -Spiegel erhöhen Methylmalonsäure und Homocystein, was zu einer erhöhten Entzündung, reaktiven Sauerstoffspezies und oxidativem Stress führt.

SARS-CoV-2 könnte jedoch den Vitamin B 12 -Stoffwechsel stören und so die Proliferation von Darmmikroben beeinträchtigen. Angesichts dessen ist es plausibel, dass Symptome eines Vitamin B 12 -Mangels nahe an einer COVID-19-Infektion liegen.

Darüber hinaus kann ein B 12 -Mangel zu Störungen der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts und des Zentralnervensystems führen. Überraschenderweise hat eine kürzlich durchgeführte Studie gezeigt, dass Cobalamin-Präparate das Potenzial haben, COVID-19-bedingte Organschäden und -symptome zu reduzieren. Eine in Singapur durchgeführte klinische Studie zeigte, dass COVID-19-Patienten, denen Vitamin B 12-Präparate (500 μg), Vitamin D (1000 IE) und Magnesium verabreicht wurden, leichtere COVID-19-Symptome hatten. Zudem verringerte sich der Bedarf an Sauerstoff und Intensivpflege signifikant.

 

Fazit

Ein schlechter Ernährungszustand macht Menschen jedenfalls anfälliger für Infektionen. Daher ist eine ausgewogene Ernährung für die Immunkompetenz erforderlich. Es besteht Bedarf an sicheren und kostengünstigen zusätzlichen Behandlungen, um eine aberrante Immunaktivierung, die zu einem Zytokinsturm führen kann, zu unterdrücken und als Antithrombotika zu wirken. Eine ausreichende Vitaminaufnahme ist für eine ordnungsgemäße Körperfunktion und die Stärkung des Immunsystems erforderlich. Unter dem Strich hilft der Vitamin B-Komplex nicht nur beim Aufbau und Erhalt eines gesunden Immunsystems, sondern kann möglicherweise auch helfen, COVID-19-Symptome zu verhindern oder zumindest zu reduzieren. Außerdem ist Vitamin B eine nützliche Zusatzbehandlung eine SARS-CoV-2-Infektion.  Insbesondere moduliert Vitamin B die Immunantwort, indem es entzündungsfördernde Zytokine und Entzündungen herunterreguliert, Atembeschwerden und Magen-Darm-Probleme verringert, Hyperkoagulabilität verhindert, potenziell die das Krankheitsgeschehen verbessert und die Verweildauer im Krankenhaus für COVID-19-Patienten verkürzt.


* Der Oxygenierungsindex nach Horovitz, der Horovitz-Quotient – durch eine Blutgasanalyse ermittelbar, ist ein Parameter, den man hauptsächlich in der Intensivmedizin für die Lungenfunktion verwendet und der das Ausmaß beschreibt, wie sehr die Lunge geschädigt ist.


Literatur:

Shakoor H, Feehan J, Mikkelsen K, Al Dhaheri AS, Ali HI, Platat C, Ismail LC, Stojanovska L, Apostolopoulos V. Be well: A potential role for vitamin B in COVID-19. Maturitas. 2021 Feb;144:108-111. doi: 10.1016/j.maturitas.2020.08.007. Epub 2020 Aug 15. PMID: 32829981; PMCID: PMC7428453.

Jovic TH, Ali SR, Ibrahim N, Jessop ZM, Tarassoli SP, Dobbs TD, Holford P, Thornton CA, Whitaker IS. Could Vitamins Help in the Fight Against COVID-19? Nutrients. 2020 Aug 23;12(9):2550. doi: 10.3390/nu12092550. PMID: 32842513; PMCID: PMC7551685.

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