Neue Corona-Studien zur antviralen Wirkung von Famotidin bei Covid-19

Hoffnung in der Corona-Pandemie bei der Suche nach effektiven Medikamenten: Vielversprechende Ergebnisse zur Wirkung von Famotidin bei Covid-19. © AFCOM.com (Montage); Harbin / wikimedia; BW Folsom / Biod /shutterstock.com

Aktuelle Corona-Studien zu H2-Blockern: Ambulante Coronavirus-Patienten mit leichten bis mittleren Covid-19-Symptomen profitierten vom Sodbrennen-Medikament Famotidin.

Bei leicht bis mittel erkrankten Corona-Patienten, die keine stationäre Behandlung im Krankenhaus brachen, scheint das bewährte Sodbrennen Medikament Famotidin hochdosiert gegen die Coronavirus-Erkrankung Covid-19 eine sehr gute Wirkung zu bringen, wie nun eine rezente Studie vermuten lässt. Eine aktuelle Studie, die im Fachmagazin »Gut«, das zum British Journal of Magazine gehört, veröffentlicht wurde, beschrieb mehrere Fallbeispiele, in denen die Erkrankten von der Famotidin-Behandlung bereits nach ein bis zwei Tagen sehr profitierten. Auch Donald Trump erhielt neben anderen Medikamenten unter anderem Famotidin gegen seine Covid-19-Erkrankung.

 

Hoffnung in der Corona-Pandemie: der altbewährte rezeptfreie Histamin-H2-Rezeptor-Antagonist Famotidin zeigt bei der Coronavirus-Erkrankung Covid-19 gute Wirkung

Ab April 2020, früh in der Corona-Pandemie, wurden Berichte veröffentlicht, wonach Famotidin bei der Behandlung der neuartigen Coronavirus-Krankheit Covid 19 helfen könnte. Die klinische Forschung zur potenziellen Wirkung von H2 -Rezeptor-Antagonisten bei der Behandlung von COVID-19-Entzündungen begann mit einer einfachen Beobachtung zu Famotidin.

Der bekannte Wirkstoff gegen Sodbrennen, Famotidin, zählt zur Wirkstoffgruppe der H2-Rezeptor-Antagonisten, auch als H2-Blocker, H2-Rezeptorantagonisten oder H2-Antihistaminika und hemmt die Säuresekretion des Magens. Wichtige Anwendungsgebiete sind die Behandlung von Magen- und Darmgeschwüren und des Zollinger-Ellison-Syndroms.

Famotidin kann in Dosen von 20 bis 160 mg bis zu viermal täglich zur Behandlung von saurem Reflux und Sodbrennen eingenommen werden. Vor allem bei leichtem bis mittlerem Krankheitsgeschehen könnten auch Corona-Patienten die Einnahme von Famotidin gegen Covid-19 versuchen.

Die eingangs zitierte publizierte Arbeit zu mehreren Fallbeispielen beschrieb als erste die gute Wirkung von hochdosiertem oralen Famotidin gegen die Covid-19-Symptome bei leicht und mittel schwer erkrankten, nicht hospitalisierten Patienten. Aktuell analysieren mehrere Forscherteams die Wirkung von Histamin-H2-Rezeptor-Antagonisten gegen Covid 19 in multizentrischen klinischen Studien.

 

Wirkung bereits nach ein bis zwei Tagen

Die US-amerikanische, britische und deutsche Forscherteam berichtete über 10 Personen, sechs Männer und vier Frauen, die eine COVID-19-Infektion entwickelten, die alle während ihrer Krankheit eben Famotidin eingenommen hatten. Sieben der Patienten wurden mit einem Tupfertest positiv auf COVID-19 getestet. Zwei hatten Antikörper gegen die Infektion. Und ein Patient wurde nicht getestet, sondern von einem Arzt mit der SARS-Cov-2-Infektion diagnostiziert.

Das Alter der Patienten lag zwischen 23 und 71 Jahren. Zudem hatten sie unterschiedliche ethnische Hintergründe und bekannte Risikofaktoren für COVID-19 wie Bluthochdruck und Fettleibigkeit. Unter dem Strich war Famotidin, am häufigsten 80 mg dreimal täglich eingesetzt, bereits innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Einnahme wirksam.

In ihrer Studie analysierten die Forscher die Schwere wichtigsten Covid-19-Symptome. Und zwar Husten, Atemnot beziehungsweise Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen sowie Geschmacks- / Geruchsverlust sowie allgemeines Unwohlsein. Dazu verwendeten sie eine 4-Punkte-Skala, die normalerweise zur Beurteilung der Schwere von Krebssymptome (ECOG PS) angewendet wird.

 

Krankheitsverlauf

Alle Corona-Patienten begannen mit der Einnahme von Famotidin, als sie sich durch die COVID-19-Erkrankung sehr schlecht fühlten. Sie litten zu diesem Zeitpunkt an den Symptomen unterschiedlich lang, von 2 bis 26 Tagen.

Die Patienten verwendeten dreimal täglich Famotidin in einem Dosisbereich von 20 mg bis 80 mg in der Selbstbehandlung. Wobei die durchschnittliche Behandlungsdauer 11 Tage betrug. Die Behandlungsdauer schwankte jedoch zwischen 5 und 21 Tagen. Alle 10 Patienten gaben an, dass sich die Symptome innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Beginn der Behandlung mit Famotidin schnell besserten und nach 14 Tagen größtenteils abgeklungen waren.

Eine Verbesserung war in allen untersuchten Symptomkategorien erkennbar. Aber die Atemwegsbeschwerden wie Husten und Atemnot verbesserten sich schneller als die systemischen Symptome wie Müdigkeit.

Sieben der Patienten hatten während der Einnahme von Famotidin keine Nebenwirkungen. Bei den drei anderen Patienten waren diese mild, und alle bis auf vorübergehende Vergesslichkeit waren bekannte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme des Arzneimittels.

Die Forscher sind zwar optimistisch aufgrund dieser vielversprechenden Ergebnisse. Sie weisen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse möglicherweise durch den Placebo-Effekte und durch die ärztliche telefonische Betreuung beeinflusst wurden. Zudem war auch die Anzahl der Studienteilnehmer sehr gering.

„Unsere Fallserie deutet auf einen Nutzen der Behandlung mit Famotidin bei ambulanten Patienten mit COVID-19 hin, belegt diesen jedoch nicht“, warnen die Ärzte. Und es ist nicht klar, wie Famotidin wirken könnte.

Eine ambulante Studie mit oralem Famotidin, in der man die Wirksamkeit bei der Symptomkontrolle, der Viruslast und dem Krankheitsverlauf untersucht und die Auswirkungen des von Famotidin auf die Langzeitimmunität bewertet werden, sollte begonnen werden. Damit könnte man feststellen, ob Famotidin bei der Kontrolle von COVID-19 bei einzelnen Corona-Patienten wirklich von großem Nutzen sein kann.

 

Chronologie der klinischen Studien mit Famotidin bei Covid 19

Die erste veröffentlichte Studie mit Famoditin gegen das Coronavirus SARS-Cov-2 war eine retrospektive Kohortenstudie an Patienten mit Covid 19 aus einer Einrichtung in den USA im Mai 2020. Insgesamt erfüllten 1620 Patienten die Einschlusskriterien. Darunter waren auch 84 Patienten (5,1%), die innerhalb von 24 Stunden nach der Krankenhauseinweisung Famotidin erhielten. Die Patienten, die Famotidin erhielten, hatte ein geringeres Risiko einer Verschlechterung der Covid-19-Symptomatik, die eine Intubation notwendig machte. Zudem war auch das Sterblichkeitsrisiko der Famotidin-Patienten geringer. Im Gegensatz dazu lieferten übrigens Protonenpumpenhemmer keine Vorteile.

Anfang Juni 2020 veröffentlichten dann Janowitz und Kollegen die oben beschriebene retrospektive Fallstudie mit 10 nicht hospitalisierten COVID-19-Patienten. Dabei wurde wie erwähnt Famotidin gut vertragen und innerhalb von 2 Tagen kam es zu einer Verbesserung der Symptome.

Eine weitere retrospektive US-Beobachtungsstudie analysierte die elektronischen Aufzeichnungen zu 878 hospitalisierten Patienten mit COVID-19, von denen 83 Famotidin erhielten. Bei allen Patienten betrug die stationäre Todesrate 21,8% und die Beatmungsrate 27,2%. Famotidin wurde mit 20 mg / Tag oder 40 mg / Tag verabreicht und führte zu einer stationären Todesrate von 14,5% und einer Intubationsrate von 21,7%. Trotz der Einschränkungen der Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass Famotidin ebenfalls mit verbesserten klinischen Ergebnissen verbunden war. Einschließlich einer niedrigeren Mortalität im Krankenhaus, einer geringeren Kombination von Tod und / oder Intubation sowie niedrigeren Serummarkern für schwere Erkrankungen.

Im Gegensatz dazu brachte aber eine landesweite retrospektive Kohortenstudie von COVID-19-Patienten aus Hongkong keinen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Famotidin und der Schwere der Covid-19-Erkrankung.

Schließlich war auch die Kombinationstherapie von Cetirizin und Famotidin in einer von Ärzten gesponserten stationären Kohortenstudie eine sichere und wirksame Methode zur Verringerung des Fortschreitens der Schwere der Covid-19-Symptome. Die Ärzte vermuten als Grund eine Minimierung des Histamin-vermittelten Zytokinsturms. Cetirizin kam in der Dosierung von zweimal täglich 10 mg zur Anwendung, Famotidin Studie von zweimal täglich 20 mg (40 mg täglich). Weitere klinische Studien zu COVID-19 sind für die zweckentfremdete Off-Label-Kombination zweier historisch sicherer Histamin-H2-Rezeptor-Antagonist gerechtfertigt.

 

Laufende Studien

Derzeit läuft eine interventionelle randomisierte Vergleichsstudie zur Standardbehandlung plus Famotidin 360 mg pro Tag versus Standardbehandlung plus Placebo. Die Untersuchung wollen die Forscher voraussichtlich im April 2021 abschließen.

Eine weitere klinische Corona-Studie mit Start im August 2020 untersucht die Wirkung von Famotidin bei Besserung der Symptome von leichten bis mittelschweren COVID-19-Patienten. Dazu hat man sowohl stationäre als auch ambulante Patienten rekrutiert, jedoch keine beatmungsbedürftigen Patienten. Die Studienteilnehmer erhalten alle 8 Stunden 40 bis 60 mg Famotidin in Tablettenform zusammen mit anderen Behandlungen.

Darüber hinaus werden in einer neu registrierten Phase-I-Studie ambulante Corona-Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion rekrutiert, um die Sicherheits- und Toxizitätsprofile sowie die mögliche Wirksamkeit verschiedener Dosierungen der Kombination von Famotidin und Acetylcystein zu bewerten.

 

Kombination mit anderen antiviralen Wirkstoffen empfohlen: Zweifel nach Computeranalyse über Wirkung von Famotidin als Monotherapie gegen SARS-Cov-2

Bereits in den 1990er Jahren versuchte man die antivirale Wirkungen von Famotidin gegen HIV und AIDS zu nutzen. In der aktuellen Corona-Pandemie kommen einige HIV-Proteaseinhibitoren gegen SARS-CoV2 zum Einsatz. Es ist jedoch nicht klar, ob Famotidin gegen SARS-CoV2 wirksam sein kann.

Mithilfe einer Computeranalyse haben US-Forscher deswegen untersucht, ob man die positiven Berichte zu Famotidin gegen die Coronavirus-Erkrankung Covid 19 analytisch nachvollziehen kann. Die Wissenschaftler wollten wissen, ob die antivirale Wirkung von Famotidin mit der Hemmung von Proteasen zusammenhängt, die an der Virusreplikation beteiligt sind.

Die Analyse der Forscher zeigte, dass Famotidin innerhalb der katalytischen Stelle der Proteasen, die mit der SARS-CoV2-Replikation zusammenhängen, interagieren kann. Die schwache Bindungsaffinität von Famotidin an diese Proteasen legt jedoch nahe, dass die Therapie mit Famotidin wahrscheinlich in Kombination mit anderen antiviralen Wirkstoffen erfolgreicher ist.

Schließlich zeigte die Analyse der Pharmakokinetik von Famotidin auch, dass man die beste Wirkung gegen eine SARS-CoV2-Infektion vermutlich mittels intravenöser Verabreichung erreichen kann. Die Corona-Studie von Ortega sollte das pharmakologisches Wissen über Famotidin als antivirales Mittel gegen SARS-CoV2 und die Coronavirus-Erkrankung Covid 19 vergrößern. Neuere Computerstudien haben allerdings im Gegensatz dazu sehr wohl eine direkte antivirale Wirkung von Famotidin auf SARS-CoV-2 erkannt.

 

Fazit

in einer jüngsten Veröffentlichung im renommierten Fachjournal Gastroenterology, eingereicht am 23. Dezember 2020, bestätigen die Forscher, dass der frühe Einsatz von Famotidin – noch zuhause im ambulanten Bereich – vermutlich positive Wirkungen auf den Krankheitsverlauf von Covid 19 bringt. Auch deuten ihre Studie und andere retrospektive Studien mit Famotidin darauf hin, dass möglicherweise ein Zusammenhang zwischen der Verwendung von Famotidin und einer Verbesserung bei hospitalisierten Patienten mit COVID-19 bessere Ergebnisse bringt. Dennoch sind weitere Studien auch bezüglich Dosisfindung gefordert. 


Literatur:

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Quelle: British Journal of Medicine, BMJ Publishing Group Ltd

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