Corona-Pandemie: Biologika-Therapie angesichts der Gefahr Covid 19

Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque Psoriasis profitieren in den letzten Jahren sehr von der Biologika-Entwicklung. © 2Ban / shutterstock.com

Bei Hauterkrankungen mit überreagierenden Immunsystem wie Psoriasis, Neurodermitis, Urtikaria sollte man in der Corona-Pamdemie Medikamente wie Biologika individuell einsetzen.

Schwere Hauterkrankungen werden heutzutage erfolgreich mit systemmodulierenden oder systemsuppressiven Medikamenten behandelt. Mit Beginn der Corona-Pandemie stellten sich Dermatologinnen und Dermatologen die Frage, wie mit der Therapie systemisch wirkender Medikamente zu verfahren sei. Wie wirkt sich eine therapiebedingte Aktivierung des Immunsystems aus, wenn eine Patientin/ein Patient sich mit dem Coronavirus infiziert? Beeinflusst der Einsatz von Biologika (Antikörpern) einen COVID-19-Verlauf günstig oder eher ungünstig? Kann man eine solche Biologika-Therapie in Zeiten der Corona-Pandemie beginnen? Oder sollte eine bestehende pausieren?

 

Corona-Pandemie: Biologika und Covid 19

Patientinnen und Patienten, die an Neurodermitis, Psoriasis (Schuppenflechte) oder Urtikaria (Nesselsucht) erkrankt sind, leiden an schwerem Juckreiz und Ekzemen mit starker Schuppung oder Quaddeln. Vom Entzündungsmuster und von der Behandlung her betrachtet sind es unterschiedliche Erkrankungen. Sie verbindet, dass zu ihrer Behandlung seit einigen Jahren erfolgreich sogenannte Biologika eingesetzt werden. Diese biotechnologisch hergestellten Antikörper werden zur Behandlung von Hauterkrankungen eingesetzt, die auf Störungen im Immunsystem zurückgehen. Viele Patientinnen und Patienten profitieren von diesen neuen systemisch wirkenden Therapeutika, die das überreagierende Immunsystem bremsen.

Unter dem Strich spielt bei Infektionen mit dem Coronavirus die Aktivierung des Immunsystems eine Rolle. Allerdings kann man nicht pauschal sagen, ob ein Mehr oder Weniger einer Immunreaktion gut ist. Zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 stellte sich die Frage, ob man Systemtherapien mit Biologika beginnen, pausieren oder weiterführen sollte. Zugleich mussten die Behandelnden davon ausgehen, dass unbehandelte Patientinnen und Patienten mit Psoriasis und Psoriasis-Arthritis, Neurodermitis oder Nesselsucht sehr wahrscheinlich ein etwas höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben. Die Vermutung lag aber nahe, dass eine erfolgreich behandelte Hauterkrankung dann womöglich das Risiko für eine schwere Coronainfektion senken könne.

 

Biologika-Behandlung in der Corona-Pandemie weiterführen

Die Antwort, die Therapie weiterzuführen, um gegebenfalls Menschen mit Hauterkrankungen vor schweren Verläufen zu schützen, greift laut Experten jedoch zu kurz. Bei Neurodermitis sind beispielsweise nicht alle Therapien gleich zu bewerten. Medikamente, die gezielt die fehlgesteuerte sogenannte Typ-2-Immunreaktion reduzieren, haben einen positiven Effekt gegen die Virusinfektion.

Im Gegensatz dazu zeigen die bei schweren Hauterkrankungen eingesetzten, eine Immunantwort umfänglicher inhibierenden Medikamente wie Glukokortikoide, Cyclosporin, Azathioprin oder Methotrexat Nachteile. Bei diesen Patienten muss eine individuelle Entscheidung getroffen werden, ob die Therapie beibehalten, umgestellt oder angepasst werden sollte. Jegliche Veränderung ist dabei immer vor dem Hintergrund einer möglichen Verschlechterung der Grunderkrankung und damit einer Gefährdung der Patienten abzuwägen. Das Beibehalten einer wirksamen Therapie hat aber immer Priorität.

Innerhalb eines Jahres zeigte sich, dass die meisten in der Dermatologie eingesetzten Biologika ohne wesentliche Probleme während der Corona-Pandemie verabreicht werden konnten. Bei einigen Biologika könne man sogar von Unbedenklichkeit sprechen.

 

Fazit

Nach einem Jahr Corona-Pandemie und den vorliegenden Erfahrungen und Studien sind sich die Dermatologen sicher: Für die allermeisten Patienten hat sich keine oder nur eine geringfügige Beeinflussung der Immunantwort gegenüber dem Virus ergeben. Professor Dr. med. Peter Elsner, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der DDG ergänzt: „Eine wirksame und indizierte Therapie einer Grunderkrankung sollte nicht leichtfertig abgesetzt oder pausiert werden und kann in den meisten Fällen auch ohne größere Bedenken beibehalten werden“.


Literatur:

Schön MP, Berking C, Biedermann T, Buhl T, Erpenbeck L, Eyerich K, Eyerich S, Ghoreschi K, Goebeler M, Ludwig RJ, Schäkel K, Schilling B, Schlapbach C, Stary G, von Stebut E, Steinbrink K. COVID‐19 und Immunregulation – von grundlegenden und translationalen Aspekten zu klinischen Implikationen. J Dtsch Dermatol Ges. 2020 Aug;18(8):795-809. German. doi: 10.1111/ddg.14169_g. PMID: 32881300; PMCID: PMC7461193.


Quelle:

Deutsche Dermatologische Gesellschaft: https://derma.de

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