Corona-Krise: COVID-19-Pandemie, Psyche und Sucht

Die Corona-Krise belastet auch unsere Psyche sehr, Sucht spielt eine enorme Rolle, neue Abhängigkeiten können entstehen, Süchtige sind besonders gefährdet.

Seine außergewöhnliche genetische Vielfalt, die hoch ansteckende, einfache Möglichkeit der Ausbreitung, nahezu unberührt von klimatischen Schwankungen: all das ermöglichte es dem neuen Coronavirus SARS-Cov-2 in sehr kurzer Zeit eine globale Pandemie mit der lebensbedrohlichen Lungenerkrankung COVID-19 auszulösen, die die Welt in Atem hält. Doch während die Institutionen des Gesundheitssystems sehr damit beschäftigt sind, die unzähligen Infektionen und Covid-19-Erkrankungen in den Griff zu bekommen, darf man während der Corona-Krise aber auch nicht die Psyche der Menschen sowie vulnerable Gruppen mit schwerem Sucht-Verhalten vergessen. Denn viele Suchteinrichtungen sind geschlossen, auf dem Schwarzmarkt gibt es nur mehr wenig Drogen zu kaufen, weil auch die Grenzen geschlossen sind.



 

Sucht und Psyche in der Corona-Krise

Die Coronavirus-Infektion und Covid-19 betreffen nicht nur die Lungen. Es gibt auch zahlreiche andere gesundheitliche Corona-Auswirkungen, auch für die Psyche einschließlich von Sucht-Erkrankungen. Experten erwarten, dass Millionen Menschen weltweit in der Corona-Krise mit verschiedenen psychischen Problemen konfrontiert sind, von Panik, Phobien, Ängste, Depressionen, Schlafstörungen und Sucht-Erkrankungen.

 

Belästigungen, Gewaltausbrüche

Die starke Belastung der Psyche durch die täglichen persönlichen Einschränkungen könnte in Kombination mit Sucht-Verhalten das Risiko für Gewaltausbrüche etc. erhöhen. Das betrifft bereits jetzt vor allem Frauen und Kinder. Zudem könnten sich neue Verhaltensabhängigkeiten speziell für Kinder und Jugendliche entwickeln.

 

Sucht und Psyche in der Corona-Krise: Pro- und Contra

Unter dem Strich können sich die Corona-Beschränkungen günstig auf so manche Sucht auswirken. Denn die Schulen, viele Büros und Geschäfte sind geschlossen, wie auch Restaurants, Cafes und verschiedene Lokale. Die Menschen sollen zu Hause bleiben und sich von der Gesellschaft isolieren. Diese allgemeinen Ausgangsbeschränkungen machen es Drogenkonsumenten schwerer, Drogen zu besorgen.

Das verringert somit schon das Risiko des Substanzkonsums. Man weiss weiter auch, dass gesellschaftliche Feiern, Ausgehen, Treffen und Veranstaltungen den Substanzmissbrauch stark fördern können. Dabei entsteht manchmal auch ein Gruppenzwang. Auch dagegen hilft das Social beziehungsweise Physical Distancing und verringert den Substanzmissbrauch.

Allerdings gibt es auch viele Drogensüchtige, die bei denen die Corona-Kontaktbeschränkungen keine günstigen Auswirkungen bringen. Sie sind keine Spass- oder Party-Drogenkonsumenten, sondern haben bereits eine starke psychische, manchmal auch physische, Abhängigkeit entwickelt. Und die leiden jetzt an Entzugssymptomen. Wobei schwere Entzugssymptome sogar lebensbedrohlich sein können.



Digitale Corona-Sucht: Fernsehen, Smartphone, Computer etc.

Viele Menschen verbringen jetzt eine beträchtliche Zeit damit, am Computer und Smartphone zu arbeiten oder kommunizieren, fern zu sehen. Wenn die Corona-Pandemie und vor allem die Ausgangsbeschränkungen lange anhalten, dann kann das zu Verhaltensabhängigkeit beziehungsweise führen. Gerade bei Jugendlichen, die jetzt nicht in die Schule gehen, ist die Gefahr sehr groß, dass sie den ganzen Tag mit Computerspielen und Video- und Social Media-Konsum vergeuden. Hier sind die Eltern sehr gefordert, mit klaren Plänen ihre jüngeren aber auch älteren, jugendlichen Kinder eine Struktur und einen vernünftigen Tagesablauf vorzugeben.

 

Opioidabhängigkeit

Eine problematische Zielgruppe sind auch Patienten mit Opioidabhängigkeit. Das Fehlen einer Dosis zum Zeitpunkt des Shutdowns kann fatale Folgen haben. Allgemein gelten Patienten mit Substanzproblemen während der Zeit der Pandemie als gefährdete Bevölkerungsgruppen. Sowohl wegen des erhöhten Infektionsrisikos durch das individuell kritisches Verhalten. Als auch wegen der möglichen Komplikationen (O’Sullivan und Bourgoin, 2010).

Darüber hinaus könnten eben Drogenabhängige aufgrund der Ausgangsbeschränkungen Alternativen suchen. Beispielsweise können das hochprozentige alkoholische Getränke sein. Diese Spirituosen stellen ein hohes Risiko für eine Alkoholvergiftung dar.

 

Maßnahmen gegen Sucht-Problematiken durch die Corona-Pandemie

Es ist dringend erforderlich, die psychischen Probleme der Menschen während der Corona-Pandemie anzugehen. Die meisten Länder der Welt koordinieren ihre Lockdown-Maßnahmen, um die Ausbreitung der Infektion zu verringern. Die Gesundheitsdienste sind voll damit beschäftigt, mit dem täglichen Anstieg infizierter Fälle fertig zu werden.

Daher wird oft Drogenkonsumenten während dieser Pandemie wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Deswegen sind angemessene Maßnahmen und Unterstützung notwendig. Es sollten Dienste eingerichtet werden, die diesen gefährdeten Gruppen helfen. Es ist außerdem sehr wichtig, psychische Notfälle und schwere und komplizierte Entzugssymptome zu behandeln. Mildere Symptome können durch psychiatrische Online-Konsultationen behandelt werden.

Einen besonderen Fokus sollte man auch auf junge Menschen legen, um zu verhindern, dass diese nicht Verhaltensabhängigkeiten zu den digitalen Medien (Spielsucht) entwickeln.




Literatur:

Sujita Kumar Kar, S.M. Yasir Arafat, Pawan Sharma, Ayushi Dixit, Marthoenis Marthoenis, Russell Kabir. COVID-19 Pandemic and Addiction: Current Problems and Future Concerns. Asian Journal of Psychiatry. Volume 51, June 2020, 102064. https://doi.org/10.1016/j.ajp.2020.102064

O’Sullivan, Tracey & Bourgoin, Maxime. (2010). Vulnerability in an Influenza Pandemic: Looking Beyond Medical Risk.

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