Chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD wie Herzinfarkt ernst nehmen

COPD

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Pneumologen fordern, dass schwere chronisch obstruktive Lungenerkrankungen – COPD – genauso ernst genommen werden müssen wie ein Herzinfarkt.

Die chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen – COPD, Lungenemphysem und chronisch obstruktive Bronchitis – kosten weltweit jährlich mehr als fünf Millionen Menschen das Leben. Nach Herzinfarkt und Schlaganfall ist COPD die dritthäufigste Todesursache weltweit und ihre Häufigkeit ist derzeit im Ansteigen begriffen.

Unter dem Strich sind akute Verschlechterungen beziehungsweise Exazerbationen der Copd in ihrer Lebensbedrohlichkeit einem akuten Herzinfarkt gleichzusetzten. Dementsprechend muss man sie ernst nehmen und häufig auch intensivmedizinisch behandeln. In Österreich allerdings kommen lebensnotwendige diagnostische Verfahren, wie die Blutgasanalyse, und therapeutische Interventionen, wie die nicht-invasive Beatmung, nicht in allen Krankenhäusern im notwendigen Ausmaß zur Anwendung.

 

COPD – eine zerstörerische Erkrankung

COPD ist eine chronische Krankheit, die zur Zerstörung der Bronchien, der Lungenbläschen und der Lungengefäße führt. Ausgelöst und verstärkt wird COPD durch Aktiv- und Passivrauchen, Schadstoffeinwirkung wie Feinstaub und Abgase sowie gehäufte Infekte.

Auch wenn COPD nicht heilbar ist, gibt es dennoch therapeutische Möglichkeiten, um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Wer an COPD erkrankt ist, muss damit rechnen, dass seine Lebenserwartung um bis zu zehn Jahre verkürzt ist. Die Krankheit ist unter anderem deshalb so heimtückisch, da sie sich meist sehr langsam über einige Jahrzehnte hinweg entwickelt.

Symptome wie chronischer Husten mit Auswurf und Atemnot werden von Patienten oft nicht richtig wahr- und ernstgenommen. Und somit teilen sie es auch nicht dem Arzt mit. Dabei gilt: Je früher ein Arzt die Erkrankung diagnostiziert und behandelt, desto besser kann man ein Fortschreiten aufhalten. Zudem kann man dem schleichenden Verlust der Lungenfunktion besser entgegenwirken. Schließlich erhöht das auch die Lebenserwartung und die Lebensqualität der Patienten..

Doch welche Bedeutung das Auftreten der Symptome hat, wird leider oft „verschlafen“. In 90% der Fälle kommt es erst dann zur Diagnose COPD, wenn bereits Atemnot – und diese auch meist bereits bei geringer Anstrengung – vorliegt. Zu diesem Zeitpunkt aber sind in der Regel bereits 50% der Lungenstruktur angegriffen oder unwiederbringlich zerstört. Dabei würde bereits ein einfacher Lungenfunktionstest Aufschluss geben können. COPD wird – nach dem Ergebnis des Lungenfunktionstests – in vier Stadien eingeteilt. Von Stadium I (leicht) bis Stadium IV (sehr schwer).

 

Lebensbedrohliche Exazerbation bei COPD ist mit Situation bei akutem Herzinfarkt gleichzusetzen

Besonders gefürchtet sind die akuten Verschlechterungen dieser chronischen Erkrankung, die auch als Exazerbation bezeichnet werden. Exazerbationen gehen mit einem besonders starken Verlust an Lungenfunktion und weitreichenden Einschränkungen der Lebensqualität einher. Schwere COPD-Exazerbationen, also jene die einer Krankenhausbehandlung bedürfen, sind mit einer Sterblichkeit verbunden, die jener bei akutem Herzinfarkt entspricht.

Während jedoch bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort alle alarmiert sind und eine genau definierte diagnostische und therapeutische Kaskade abläuft, ist bei einer COPD-Exazerbation dieses für das Überleben der Patienten so wichtige klar strukturierte Vorgehen mitunter nicht gegeben, kritisieren Experten.

 

COPD führt zu CO2-Vergiftung

Atemversagen ist eine der häufigsten Todesursachen bei schwerer COPD. Dem akuten Atemversagen geht eine schleichende chronische Verschlechterung der Atemleistung voran, die zu einer chronischen CO2-Vergiftung im Blut führt. Der Grund dafür: Die Patienten können bei stark eingeschränkter Lungenfunktion das im Körper als Stoffwechselprodukt anfallende CO2 nicht mehr abatmen und sterben an der daraus resultierenden CO2-Vergiftung, wenn sie nicht rechtzeitig auf eine Intensivstation gebracht und dort beatmet werden.

Unter dem Strich sollten die Patienten bereits bei geringer chronischer CO2-Erhöhung im Blut eine Atemunterstützung erhalten. Denn mit einer nicht-invasive Beatmung mittels Atemmaske kann man die CO2-Werte normalisieren. Schließlich führt diese Therapie nicht nur zu einer deutlichen Milderung der Atemnot, sondern auch die Sterberate sinkt drastisch.

 

»Schach dem COPD-Lungentod« – Management der COPD muss verbessert werden

Voraussetzung für ein besseres Management der COPD und den geeigneten Notmaßnahmen wie ein rechtzeitiger Einsatz einer Atemmaske ist aber, dass man die Patienten mit schwerer COPD regelmäßig auf eine eingeschränkte CO2-Abatmung mittels Blutgasmessung untersucht. Und zwar ab dem Zeitpunkt von schwerer Atemnot und Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit.

In vielen Ländern gibt es diesbezüglich aber noch Defizite. Das gilt auch für die Behandlung der Patienten im Krankenhaus nach einer akuten Verschlechterung von COPD. Beispielsweise wird in der Notaufnahme nicht einmal bei jedem fünften Patienten eine Messung der Blutgase durchgeführt. Und nicht einmal die Hälfte der Patienten mit akuter CO2-Erhöhung erhalten in Krankenhäusern eine Maskenbeatmung.

Österreichische Experten fordern deswegen eine durchgehende Behandlungsstrategie. Um die Qualität der Behandlung zu erhöhen, müsse man ein einheitliches Therapiemanagement für die chronische schwere COPD etablieren.

Die heute verfügbaren inhalativen medikamentösen Therapien zielen neben einer Verbesserung der Lungenfunktion, Abnahme der Atemnot und Verbesserung der Belastungstoleranz insbesondere auch auf eine Reduktion der gefürchteten Exazerbationen. Weitere Optimierungen im Management der Erkrankung sind insbesondere durch eine Verbesserung bei der Behandlung akuter schwerer Exazerbationen im Krankenhaus zu erwarten. Denn hier stehen für die Behandlung von COPD, bei vergleichbarem Risiko, nicht dieselben Ressourcen zur Verfügung wie dies für Herzinfarkte oder Schlaganfälle der Fall ist.

 

Rehabilitation – nach Herzinfarkt außer Frage, bei COPD noch erheblicher Verbesserungsbedarf

Ärzte sollten ihre betroffenen Patienten bezüglich der Erstsymptome sensibilisieren. Denn das fördert eine möglichst frühe Stellung der Diagnose COPD und damit auch ein frühzeitige Einleitung adäquater therapeutischer Interventionen.

Zudem hilft das natürlich bei der Vermeidung von Risikofaktoren. Hier steht an erster Stelle das Vermeiden von Zigarettenrauch. Aber auch vorbeugende Maßnahmen wie Impfungen gegen Influenza- beziehungsweise Grippe-Viren sowie gegen die Erreger der Lungenentzündung, Pneumokokken, sind wichtige Punkte im Kampf gegen die COPD.

Weiter muss man die Therapietreue der Patienten stärken. Dazu zählt, dass man nicht nur die optimale inhalative Therapie für den individuellen Patienten findet. Sondern dass dieser auch die richtige Anwendung adäquat übt. Auch die Handhabung der Therapie mit Langzeitsauerstoff oder der nicht-invasiven Beatmung müssen Patienten auch über den Krankenhausaufenthalt hinaus erlernen und trainieren.

Wichtig für die Rehabilitation ist die Motivation der Patienten einerseits zur regelmäßigen körperlichen Bewegung, im Bereich des Möglichen. Andererseits zur angepassten gesunden Ernährung. Denn viele COPD-Patienten leiden an Untergewicht. All das kann man am besten im Zuge eines Rehabilitationsaufenthalts dem Patienten näher bringen.

Doch während diese Maßnahmen in einem Reha-Aufenthalt nach einem Herzinfarkt als selbstverständlich gelten, muss das Bewusstsein dafür bei COPD in den Köpfen der Patienten, Ärzte und Sozialversicherungsträger noch besser verankert werden. Nur ein umfassendes Paket – von möglichst frühzeitiger Diagnostik, über die dem COPD-Stadium entsprechenden Therapie, über eine klar definierte Interventionskaskade bei akuter Exazerbation der COPD bis hin zur Rehabilitation kann – analog zum Herzinfarkt – auch bei COPD die Sterblichkeit senken und die Lebensqualität der Patienten erhöhen.


Quelle: Österreichische Gesellschaft für Pneumologie

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