Ventile einsetzen: COPD und Lungenemphysem effektiv behandeln

COPD

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In die Bronchien Ventile einsetzen hilft dabei, wesentlich mehr COPD-Patienten mit Lungenemphysem effektiv zu behandeln, als bislang angenommen.

COPD-Patienten mit Lungenemphysem leiden häufig unter massiver Atemnot. Sie bekommen anfangs bei körperlicher Belastung und dann auch in Ruhe kaum mehr Luft. Seit einigen Jahren gibt es ein innovatives endoskopisches Verfahren, bei dem Spezialisten spezielle Ventile in die Lunge einsetzen und so den Patienten mit COPD (Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung) wieder eine bessere Atmung ermöglichen. Eine internationale Studie konnte hierzu unlängst zeigen, dass diese innovativen Ventile sogar deutlich mehr COPD-Patienten mit Lungenemphysem helfen können als bisher angenommen.

Heute ist die bronchoskopische Behandlung zur Reduzierung des Lungenvolumens mit Ventilen ist eine wirksame Behandlungsoption für Patienten mit schwerem Lungenemphysem. Nach der Behandlung können jedoch wichtige Komplikationen und Nebenwirkungen auftreten. Deswegen erfordert diese Therapie kontinuierliches Engagement und Fachwissen vom behandelnden. Vor allem um ein optimales Ergebnis zu erzielen und die verschiedenen Komplikationen angemessen zu behandeln.

 

Lungenemphysem bei COPD: zerstörte Lungenbläschen führen zu Überblähung der Lunge

Der Begriff Lungenemphysem bezeichnet eine irreversible Überblähung der Lungenbläschen. Es kann in Folge verschiedener Lungenerkrankungen auftreten. Allerdings tritt es vor allem als Folge einer COPD-Erkrankung auf. Dabei werden durch die ständige Entzündung der Lunge die Lungenbläschen zerstört.

Wenn sich die dünnen Wände der Lungenbläschen auflösen, sodass mehrere Bläschen zu einer größeren Blase verschmelzen, bilden sich aus vorher funktionstüchtigen Lungenbläschen große funktionslose »Emphysemblasen«, die typisch für das Lungenemphysem sind.

In diesen Teilen der Lunge funktioniert die Sauerstoffaufnahme nicht mehr, das betroffene Gewebe ist funktionsunfähig geworden. Das Problem ist, dass sich diese Hohlräume aber mit Luft füllen, die nicht mehr ausgeatmet werden kann. Dadurch überblähen sich die kranken Teile. Die Folge davon ist, dass jenen Teilen der Lunge, die noch funktionieren, der Platz zum Ausdehnen fehlt. Und dies verursacht beim COPD-Patienten Atemnot: Es kann weniger verbrauchte Luft ausgeatmet werden und weniger frische Luft einströmen.

Das Lungenemphysem als Form der COPD zählt zu den häufigsten Lungenerkrankungen. In Österreich gibt es mehr als 400.000 COPD-Patienten. Davon sind voraussichtlich mehr als 20.000 Patienten von einem ausgeprägten Lungenemphysem betroffen. Rund 80 Prozent der COPD-Patienten rauchen oder haben geraucht. Eine frühe Behandlung der COPD-Patienten durch Medikamente, Lebensstiländerung, Beatmungstechniken sowie Atemtraining spielt dabei eine große Rolle. Schließlich ist eine völlige Wiederherstellung der Atemfunktion aber nicht möglich.

 

Ventile helfen beim Atmen

Bei einem Emphysem gibt es eine Reihe von therapeutischen Ansätzen: Lebensstiländerung, Medikamente, Physiotherapie, Sauerstoff-Langzeittherapie, operative und minimalinvasive Eingriffe zur Reduktion des Lungenvolumen bis hin zur Lungentransplantation.

Zu den minimalinvasiven Eingriffen zählt das erfolgreiche Verfahren des Einsetzens von winzigen, sogenannten endobronchialen Ventilen. Dazu muss der Spezialiste mittels Endoskop direkt in die Bronchien im überblähten Bereich der Lunge die Ventile einsetzen.

In Folge verhindern sie einerseits das Eindringen der Luft in die erkrankte Region und ermöglichen andererseits das Entweichen von dort eingeschlossener Luft. Dadurch wird die Überblähung reduziert und dem Betroffenen Erleichterung und mehr Lungenfunktion verschafft.

Im Grunde genommen dauert der schonende, minimalinvasive Eingriff nur zwanzig Minuten. Danach können viele COPD-Patienten wieder freier atmen.

 

Deutlich mehr COPD-Patienten können profitieren

Eine besondere Rolle spielt die örtliche Verteilung des Lungenemphysems. Wenn sich die erkrankten Bereiche gleichmäßig über die gesamte Lunge verteilen, spricht man von einem homogenen Lungenemphysem. Wenn hingegen vor allem ein bestimmter Bereich betroffen ist, spricht man von einem heterogenen Lungenemphysem.

Bisher ging man davon aus, dass nur COPD-Patienten mit ungleichmäßigem, also heterogenem, Lungenemphysem von einer Reduzierung des Lungenvolumens mit Ventilen profitieren können. Aktuelle Studienergebnisse zeigen allerdings, dass die Verteilung des Emphysems nicht die entscheidende Rolle spielt. Deswegen kann die Behandlung mit Ventileinlage beiden Gruppen, also auch jener mit homogenem Emphysem, die Atemnot verringern.

Schließlich können heutzutage Ärzte vielen ihrer COPD-Patienten mit Lungenemphysem die Ventiltherapie anbieten. Sie können bei sorgfältiger Patientenauswahl sowohl Lungenfunktion als auch Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.


Literatur:

Koster TD, Klooster K, Ten Hacken NHT, van Dijk M, Slebos DJ. Endobronchial valve therapy for severe emphysema: an overview of valve-related complications and its management [published online ahead of print, 2020 Aug 26]. Expert Rev Respir Med. 2020;10.1080/17476348.2020.1813571. doi:10.1080/17476348.2020.1813571

Arschang Valipour, Dirk-Jan Slebos, Felix Herth, Kaid Darwiche, Manfred Wagner, Joachim H. Ficker, Christoph Petermann, Ralf-Harto Hubner, Franz Stanzel, Ralf Eberhardt. Endobronchial Valve Therapy in Patients with Homogeneous Emphysema: Results from the IMPACT Study. Am J Respir Crit Care Med. First published online 31 Aug 2016


Quelle: The Ludwig Boltzmann Institute for COPD and Pulmonary Epidemiology

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