Chronisches Handekzem – häufig durch den Beruf verursacht

Chronisches Handekzem (Hyperkeratotisch-rhagadiformes Handekzem) © Haendels / CC BY-SA 3.0 / wikimedia

Chronisches Handekzem (Hyperkeratotisch-rhagadiformes Handekzem) © Haendels / CC BY-SA 3.0 / wikimedia

Ein Chronisches Handekzem ist eine häufige, Beruf assoziierte Hauterkrankung, Ekzeme führen oft zur Arbeitsunfähigkeit und zu vielen anderen Problemen.

Ein chronisches Handekzem beeinträchtigt viele Menschen, bis zu 10 Prozent der Bevölkerung zählen zu den Betroffenen. Somit gilt das chronische Handekzem einerseits als eine der häufigsten Hauterkrankungen und andererseits ist es vor allem die häufigste berufliche Hauterkrankungen. Und zwar in 9 von 10 Fällen. Unangenehme und oft schmerzhafte chronische Ekzeme können nicht nur die Lebensqualität einschränken, sondern mitunter auch Probleme am Arbeitsplatz mit sich bringen und zur Arbeitsunfähigkeit führen.

 

Ekzeme

Unter dem Strich sind Ekzeme (atopische Dermatitis) die häufigste Form der Dermatitis. Vermutlich spielen sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle bei der Krankheitsentstehung. Wobei Ekzeme am häufigsten bei Kindern auftreten. Sie können aber auch bei Erwachsenen entstehen, eben beispielsweise durch spezielle Berufe.

Im Grunde genommen leiden Menschen mit Ekzemen häufig an trockener, juckender Haut. Zudem sind sie anfällig für Infektionen. umgangssprachlich sprechen die Menschen bei Ekzemen auch von Juckreiz, der Hautausschläge verursacht. Und zwar weil die Haut trocken ist und juckt und dann infolge von Kratzern oder Reiben zu Hautausschlägen führt. Die wichtigste Behandlung von Ekzemen ist das Erhalten der Hautfeuchtigkeit, gefolgt von topischen Steroiden bei Krankheitsschüben.

 

Ein chronisches Handekzem kann Betroffene desillusionieren

Die Hände sind zum einen ein wichtiges Kommunikationsorgan – zum Händeschütteln, Gestikulieren etc. Für die meisten Menschen sind die Hände aber auch wichtiges Arbeitswerkzeug. Deswegen klagen viele Betroffene nicht nur über eingeschränkte Lebensqualität und mitunter verletzenden Reaktionen im sozialen Umfeld, sondern auch über Probleme am Arbeitsplatz.

Die Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der Hände durch ein chronisches Handekzem kann auch zur Arbeitsunfähigkeit führen. Die anhaltenden Schmerzsymptome machen weiters die Ausübung von Alltagsaktivitäten wie Kochen, Putzen oder Abwaschen zum Problem.

Betroffene mit chronischem Handekzem leiden im Stillen und versuchen ihre Hände zu verbergen, teilweise sind erhebliche psychosoziale Störungen wie große Schüchternheit bis hin zum völligen Rückzug aus dem sozialen Leben vergesellschaftet.

Betroffene leiden dann im Stillen Kämmerchen, entwickeln manchmal Rituale, um mit der Erkrankung besser zurechtzukommen. Dazu gehört das Bad der Hände in kaltem Wasser oder sogar kurz ins Gefrierfach halten, um die Schmerzen zu lindern. Andere meiden Nahrungsmittel oder die Berührung mit bestimmten Gegenständen, die sie für ihr chronisches Handekzem verantwortlich machen.

 

Arbeitsunfähigkeit trotz Handekzem vermeiden

Das chronische Handekzem als häufigste Berufshautkrankheit tritt oft am Zenit der beruflichen Karrieres zwischen dem 20. und 49. Lebensjahr auf. Vor allem Berufe mit hautbelastenden Tätigkeiten vom chronischen Handekzem betroffen und können oft nicht mehr oder nur beeinträchtigt ausgeübt werden.

Besonders gefährdet sind Friseure, Reinigungspersonal, Metallarbeiter, Bauarbeiter, Maler, Floristen, Bäcker, Köche, Zahntechniker und medizinische Pflegekräfte in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Bei solchen Berufen kann das chronische Handekzem zur Arbeitsunfähigkeit und in Folge zum Verlust des Arbeitsplatzes führen – mit enormen ökonomischen Konsequenzen. Oft ist die drohende Arbeitsunfähigkeit aber vermeidbar.

 

Hausfrauen besonders oft betroffen

Hausfrauen sind eine der am häufigsten betroffenen Personengruppen. Die Arbeiten im Haushalt, im Garten oder auch in der Hobbywerkstatt können die Hände stark beanspruchen.

Hausfrauen haben ständig Kontakt mit diversen hautreizenden Stoffen, wie zum Beispiel säurehaltigen Flüssigkeiten, Reinigungssprays und Fettlösemitteln in Wasch- und Spülmitteln.

Durch den täglichen Kontakt mit den aggressiven Substanzen wird die schützende Fettschicht der Haut langfristig zerstört, es kommt zum Handekzem.

 

Diagnose chronisches Handekzem beim Hautarzt

Mit der Diagnose chronisches Handekzem ist man nicht zu lebenslangen Beschwerden verurteilt. Der Einsatz von Kortison-Präparaten in der Therapie des chronischen Handekzems ist aber oft unzureichend, was zu einer zusätzlichen Belastung für Patienten führt.

Eine alleinige Symptomlinderung belastet mitunter den Alltag des Patienten zusätzlich und kann obendrein lästig, umständlich und langwierig sein. Eine optimale Behandlung des chronischen Handekzems zielt daher auf die Ursachen der Erkrankung ab und nicht nur auf die Symptome.

 

Erhöhte Prävalenz des irritativen Handekzems bei Pflegepersonal aufgrund erhöhter Hygienemaßnahmen während der COVID-19-Pandemie

Die Maßnahmen zur Handhygiene in der Allgemeinbevölkerung sowie bei Beschäftigten im Gesundheitswesen haben seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie stark zugenommen. Eine rezente Studie untersuchte die Prävalenz und Symptomatik des Handekzems sowie der Hygiene-Maßnahmen und Pflegekonzepte bei deutschen Pflegekräften. Hierbei handelte es sich um eine Beobachtungsfragebogenstudie zur Untersuchung der Hygiene- und Hautpflegegewohnheiten sowie der Prävalenz und Symptome von Handekzemen bei 66 Pflegekräften und Ärzten für Dermatologie vor und während der SARS-CoV-2-Pandemie.

Es zeigte sich, dass Händewaschen und Maßnahmen zur Händedesinfektion während der COVID-19-Pandemie deutlich zugenommen haben. Ein selbstdiagnostiziertes Handekzem wurde von 33% der Teilnehmer mit einer medianen Dauer von 14 Tagen berichtet. Die meisten Mitarbeiter (82 %), die von einem Handekzem betroffen waren, hatten einen Monat zuvor keine Ekzeme. Weiter hatten sie ihre Hauterkrankung mit Weichmachern behandeln (77 %). Von Erythem, Schuppung, Brennen und Fissuren wurden von 66,1 % der Teilnehmer berichtet. Weiter entwickelten sich eher als vorherrschende Anzeichen einer toxisch-irritative Handdermatitis als einer Kontaktallergie.

Jedenfalls hat insgesamt die COVID-19-Pandemie trotz intensivierter Anwendung von Aufweichungsmittel als präventive Maßnahme zu einer deutlichen Zunahme der Inzidenz von Anzeichen eines irritativen Handekzems geführt. Das Bewusstsein für die Prävalenz des Handekzems sollte vor allem während der COVID-19-Pandemie geschärft und vorbeugende Maßnahmen intensiviert werden.

 

Behandlung beim chronischen Handekzem

Viele Betroffene leiden geraume Zeit an schmerzhaften Hautsymptomen, scheuen aber den Weg zum Hautarzt und behandeln in Selbstmedikation. Andere wiederum haben die Therapie abgebrochen.

Nach der richtigen Diagnose durch den Hautarzt, die teilweise schwierig zu stellen ist, da ein chronisches Handekzem anderen Hautkrankheiten ähnlich ist, kann aber mit modernen Wirkstoffen, der richtigen Basispflege und präventiven Maßnahmen (Auslöserkarenz) eine deutliche Minderung der Symptome erzielt werden.

Es stehen auch systemische Kortison freie Therapien zur Verfügung, die von innen wirken und beim schweren, therapieresistenten Handekzem nachweislich wirksam sind, wobei eine Symptomfreiheit bei etwa jedem zweiten Betroffenen möglich ist.

Basis der Behandlung ist eine nachhaltige Basispflege nebst Rückfettung der Haut mit Cremes und Salben, die frei von Duft- und Konservierungsstoffen sind. Je nach individueller Belastung der Hände schützt das Tragen von Baumwoll- oder allergenarmen Kunststoffhandschuhen. Die beschriebenen Maßnahmen wirken auch präventiv und man sollte sie deshalb auch nach Abheilung eines Handekzems weiterhin durchführen.

Entscheidend für den Behandlungserfolg ist es, dass Auslösefaktoren des chronischen Handekzems gemieden werden. Dazu gehören hautreizende Schädigungen, Feuchtarbeit, übermäßiger Wasserkontakt und Kontakt mit nachgewiesenen allergieauslösenden Substanzen.

 

Therapiemaßnahmen

Die topische Therapie hängt vom Erscheinungsbild der Haut ab. Bei bläschenbildenden oder nässenden Krankheitsbildern können austrocknende Maßnahmen wie Handbäder mit synthetischen Gerbstoffen oder fettfeuchte Umschläge den Juckreiz lindern. Wenn eine Verhornungsstörung mit Rissbildung vorliegt, so müssen Maßnahmen gesetzt werden, die die Haut wieder weicher und geschmeidiger machen. Hier kommen Harnstoff- oder Salicylsäure-haltige Präparate zum Einsatz.

 

Kortisonhaltige Cremes und Salben als Mittel der Wahl

Zur Linderung der Entzündung werden zur topischen Handekzem-Therapie nach wie vor kortisonhaltige Cremes und Salben als Mittel der Wahl angewendet. Teilweise sind die Wirkstoffe gut wirksam und gehen in der Regel bei richtiger Anwendung nicht mit bedenklichen unerwünschten Wirkungen einher. Da jedoch gerade schwere und chronische Krankheitsbilder häufig nicht so gut auf kortisonhaltige Präparate ansprechen, sind oft lang andauernde Behandlungszeiträume notwendig.

Dies erhöht allerdings das Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen wie zum Beispiel dem berüchtigten Dünner-werden der Haut. Das ermöglicht hautirritierende oder allergieauslösende Stoffe leichter in die Haut einzudringen und die Entzündungsreaktion zu fördern.

Im Einzelfall wird der Hautarzt entscheiden, ob besser kortisonfreie, antientzündliche Cremes oder Salben, die als Wirkstoff sogenannte Calcineurininhibitorer enthalten, eingesetzt werden. Dies ist insbesondere bei der Behandlung atopischer Handekzeme eine Therapieoption.

 

Lichttherapie

Eine Lichttherapie kann für die Behandlung des chronischen Handekzems sehr wirksam sein. Dermatologen empfehlen dabei am häufigsten die sogenannte PUVA-Therapie. Dabei werden die Hände mit einer speziellen Creme, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht, vorbehandelt und anschließend mit ultraviolettem Licht A (UV-A) bestrahlt. Nach jedem zweiten Behandlungstag muss ein Pausentag folgen, damit sich die Haut erholen kann.

Insgesamt sollten über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen wöchentlich drei bis vier Bestrahlungssitzungen erfolgen. Für eine Langzeitanwendung ist eine Lichtbehandlung aufgrund möglicher Risiken wie vorzeitige Hautalterung oder chronische Lichtschädigung der Haut nicht geeignet.

 

Systemische Behandlung

Bei einer systemischen – also innerlichen – Behandlung können als mögliche Nebenwirkungen vorübergehend Kopfschmerzen auftreten. Weiters droht ein Anstieg von Blutfett- und Cholesterinwerten, was unter der systemischen Therapie regelmäßige Blutkontrollen sinnvoll macht.

Vor allem ein Handekzem, das schwer und chronisch verlauft, muss man mit besonderer Aufmerksamkeit behandeln. Dann benötigen die Patienten zusätzlich zur Hautpflege und zum Hautschutz häufig auch eine systemische Therapie.


Literatur:

Reinholz M, Kendziora B, Frey S, Oppel EM, Ruëff F, Clanner-Engelshofen BM, Heppt MV, French LE, Wollenberg A. Increased prevalence of irritant hand eczema in health care workers in a dermatological clinic due to increased hygiene measures during the SARS-CoV-2 pandemic. Eur J Dermatol. 2021 Jun 1;31(3):392-395. doi: 10.1684/ejd.2021.4046. PMID: 34309523.

Valerie Nemeth; Justin Evans. Eczema. StatPearls [Internet]. Last Update: November 20, 2020.

Agner T, Aalto-Korte K, Andersen KE, Foti C, Gimenéz-Arnau A, Goncalo M, Goossens A, Le Coz C, Diepgen TL. European Environmental and Contact Dermatitis Research Group. Classification of hand eczema. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2015 Dec;29(12):2417-22. doi: 10.1111/jdv.13308. Epub 2015 Sep 15.

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