Chronischer Schmerz kann in die Isolation führen

Rezeptfreie Schmerzmittel werden auch bei chronischen Schmerzen oft eingesetzt. © Africa Studio / shutterstock.com

Rezeptfreie Schmerzmittel werden auch bei chronischen Schmerzen oft eingesetzt. © Africa Studio / shutterstock.com

Chronischer Schmerz kann schwerwiegende, einschränkende Auswirkungen auf die Lebensqualität haben, verbunden mit der ernsthaften Gefahr der sozialen Isolation.

Chronischer Schmerz kann sehr beeinträchtigende Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben und das Leben zur Qual machen. Denn Schmerzen können brennen und klopfen, dumpf und spitz sowie schrill und stechend sein. Oft treten sie auch krampfartig auf. Im Grunde genommen muss chronischer Schmerz immer ernst genommen und adäquat behandelt werden. Interessant sind neueste innovative Entwicklungen die darauf hinweisen, dass Interventionen mittels Internet und Smartphone auch positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten mit chronischen Schmerzen, beispielsweise Rückenschmerzen, haben können. Vor allem auch wen gleichzeitig eine Depression besteht, was häufig der Fall ist. Denn Schmerzen können auch ein Warnsignal für eine Verletzung sowie Symptom für körperliche und psychische  Erkrankungen sein. Weiter können Abnützungserscheinungen vorliegen.

 

Chronischer Schmerz als eigenständige Erkrankung

Chronischer Schmerz kann sich aber auch verselbstständigen und stellt letztendlich oft eine eigenständige Erkrankung dar. Um eine erfolgreiche Schmerztherapie einleiten zu können, müssen behandelnde Ärzte vor allem ein ausführliches Erstgespräch stattfinden.

Denn da Chronischer Schmerz nicht wie Blutdruck oder Herzfrequenz messbar ist, muss der Arzt vor allem die Beschreibung der individuelle Sinneswahrnehmung der Schmerzpatienten in den Fokus rücken. Denn je genauer Schmerzpatienten ihre Schmerzen artikulieren, desto eher können Ärzte diese auch richtig zuordnen.

Schmerzexperten müssen den Betroffenen zuhören, sie ermuntern, den Schmerz genau zu beschreiben und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Sie müssen die Schmerzpatienten sehr ernst nehmen. Und sie müssen die Betroffenen auch motivieren, aktiv am sozialen Leben teilzunehmen. Den jedermann muss klar sein, dass chronischer Schmerz auch eine soziale Isolation verursachen kann.

 

Wenn Chronischer Schmerz sehr negative Auswirkungen auf die Lebensqualität verursacht vor allem hinsichtlich sozialer Isolation

Chronischer Schmerz tritt oft gemeinsam mit depressiven Verstimmungen einher. In Folge ziehen sich Patienten mit chronischen Schmerzen sehr oft aus der Gesellschaft zurück, wobei schließlich gerade die soziale Isolation sehr negative Auswirkungen auf die Lebensqualität mitbringt. Angesichts der Tatsache, dass bekanntermaßen viele chronische Schmerzpatienten nach einer gewissen Zeit resignieren und nur in seltensten Fällen einen Arzt aufsuchen, sind hier alle im Einzelfall Beteiligten gefordert. Sie sollten Symptomen sozialer Isolation gegenüber aufmerksam sein und den Betroffenen aktiv Hilfe anbieten.

 

Chronischer Schmerz und rezeptfreie Schmerzmittel

Viele chronische Schmerzpatienten setzen die unterschiedlichsten nicht verschreibungspflichtigen Schmerzmittel ein, um ihre Beschwerden auf eigene Faust in den Griff zu bekommen. Allerdings ist das ein gefährlicher Weg. Denn beispielsweise können Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen selbst wieder Kopfschmerzen verursachen. Dementsprechend bezeichnet die Medizin solche Beschwerden als medikamenteninduzierte Kopfschmerzen.

Weiters besteht neben der Gefahr einer Medikamentenabhängigkeit auch die Problematik der Nebenwirkungen. Denn sehr oft verursachen rezepftfreie Schmerzmittel schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, allen voran im Magen-Darm-Trakt.

 

Enttäuschte Patienten beim Doctor Shopping

Chronischer Schmerzen bringt enttäuschte Patienten oft dazu, ein sogenanntes Doctor Shopping zu betreiben. Sie wenden sich hilfesuchend an einen Arzt nach dem anderen. Mit diesem Doctor Shopping versuchen Schmerzpatienten aus dem Teufelskreis auszubrechen, damit ihr chronischer Schmerz endlich verschwindet.

Schließlich ist das oft der Fall, wenn beispielsweise die Ursache für den Schmerz nicht gleich auf der Hand liegt. Oder wenn eine psychische Ursache besteht, die nicht erkannt wird.

Ärzte aber auch Personen im allgemeinen Umfeld stempeln solche »Doctor Shopping-Schmerzpatienten« leider oft als wehleidig ab. Manchmal bezeichnen sie Schmerzpatienten sogar als Simulanten. Dadurch wird die Gefahr einer sozialen Isolation noch größer.

Im Grunde genommen haben viele Schmerzpatienten meistens einen langen Leidensweg mit Doctor Shopping hinter sich, bevor sie endlich eine Schmerzambulanz aufsuchen.

Dort besteht im Grunde genommen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, denn neben der Linderung der Beschwerden ist es ebenso wichtig, dass Fachleute auch die Psyche fokussieren und einer sozialen Isolation entgegenwirken.


Literatur:

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