Chronischer Schmerz beeinträchtigt Lebenserwartung

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Immer mehr Untersuchungen zeigen, dass starker chronischer Schmerz die Lebenserwartung des betroffenen Patienten beeinträchtigt.

Etwa jeder fünfte Mensch in der EU – über 80 Millionen Menschen – leidet an chronischen Schmerzen, die schon drei Monate oder länger regelmäßig auftreten. Chronischer Schmerz macht neun Prozent der Europäer täglich das Leben zur Qual. Am häufigsten kommen Rückenschmerzen vor, an denen 63 Prozent der Schmerzpatienten leiden, gefolgt von Gelenkschmerzen und rheumatischen Beschwerden. Chronischer Schmerz verursacht sogar Gesamtkosten von geschätzten 1,5 bis drei Prozent der gesamten europäischen Wirtschaftsleistung von etwa 16.000 Milliarden Euro. Die sozioökonomischen Dimensionen und die offensichtlichen Versorgungsdefizite sind große Herausforderungen der Gesundheitspolitik.

Chronischer Schmerz wirkt sich sehr negativ auf die Lebensqualität aus und / oder hat Begleiterkrankungen zur Folge. Chronischer Schmerz verkürzt aber offenbar auch die Lebensdauer, wie neuere Forschungsergebnisse vermuten lassen.

 

Chronischer Schmerz, Lebensqualität und Lebenserwartung

Chronischer Schmerz kann dazu führen, dass betroffene Schmerzpatienten um Jahre früher sterben. Die Zahl dementsprechender Studien, die belegen, dass starken chronischer Schmerz auf die Lebenserwartung sehr reduziert, wird immer größer. Chronischer Schmerz muss nicht zuletzt deswegen verhindert werden, wobei die Versorgungssituation für die Schmerzpatienten in Österreich verbessert werden muss, betont die ÖSG anlässlich der 17. Österreichischen Schmerzwochen.

 

Finnische Studie zu schweren chronischen, nicht-malignen Schmerzen

Experten der österreichischen Schmerzgesellschaft präsentierten anlässlich ihrer 17. Österreichischen Schmerzwochen eine aktuelle finnische Studie zu diesem Thema. Untersucht wurden die Mortalität und Todesursachen bei über 1.500 Schmerzpatienten, die unter schweren chronischen, nicht-malignen Schmerzen litten und zwischen 2004 und 2012 an einem multidisziplinären Schmerzprogramms teilgenommen hatten, und anschließend an einer Folgestudie zu ihrer Lebensqualität. Während des Studienzeitraums starben knapp 16 Prozent der Studien-Teilnehmer. Sie erreichten ein Alter, das im Schnitt 14 Jahre unter der Lebenserwartung von Männern und Frauen in der Durchschnittsbevölkerung lag. Die Studienergebnisse zeigten aber auch, dass die früher verstorbenen Schmerzpatienten unter einem deutlich höheren Schmerzlevel zu leiden hatten als jene Studienteilnehmer, die noch am Leben waren.

„Immer mehr Daten belegen, dass chronische Schmerzen eine wesentliche Rolle für eine erhöhte Mortalität spielen. Auch wenn die Wissenschaft die konkreten Ursachen dafür noch identifizieren muss, ist es doch ein Grund mehr, alles zu tun, um Chronifizierung zu vermeiden bzw. chronisches Schmerzgeschehen bestmöglich beherrschbar zu machen“, sagt OÄ Dr. Gabriele Grögl-Aringer, Präsidentin der Österreichischen Schmerzgesellschaft. „Die Gesundheitspolitik ist gefordert, die Versorgungssituation für Schmerzbetroffene in Österreich rasch und nachhaltig zu verbessern.“


Quelle:

Österreichische Schmerzgesellschaft ÖAG

P. Vartiainen et al: Mortality of chronic pain patients. EFIC 2017 eP77 Abstract

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