Chronischer Schlafmangel beeinträchtigt das Gehirn

Chronischer Schlafmangel stellt ein großes Gesundheitsrisiko dar. © sayu / shutterstock.com

Chronischer Schlafmangel stellt ein großes Gesundheitsrisiko dar. © sayu / shutterstock.com

Chronischer Schlafmangel ist nicht nur sehr schlecht für das Gehirn, sondern erhöht auch das Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes.

Im Grunde genommen hat chronischer Schlafmangel nicht nur negative Auswirkungen auf das Gehirn, sondern auch auf die körperliche Gesundheit. Die untersuchen Forscher derzeit intensiv in verschiedenen Studien. Jedenfalls vermindert zu wenig Schlaf unsere kognitiven Fähigkeiten und wirkt sich negativ auf die physische Gesundheit aus. Leider wird dieses wichtige Thema im gesamten Gesundheitswesen immer noch zu oft unterschätzt.

 

Chronischer Schlafmangel beeinträchtigt Gehirn und Gedächtnis

Im Grunde genommen schlafen heute im Schnitt die Amerikaner 6,5 und die Europäer rund sieben Stunden pro Nacht. Das ist um eineinhalb Stunden weniger als die Großeltern geschlafen haben. Schließlich bedeutet dass, dass alle diese Menschen an chronischem Schlafmangel leiden.

Wobei sich chronischer Schlafmangel sich nicht zuletzt auf die Informationsverarbeitung im Gehirn auswirkt. Er beeinträchtigt vor allem die Fähigkeit, neue Informationen im Gedächtnis zu behalten.

Man kann die Informationen zwar aufnehmen, aber sie werden nicht dauerhaft im Gehirn abgespeichert sondern gehen langfristig wieder verloren. Es scheint so zu sein, dass die nach jeder neuen Information angelegten Gedächtnisspuren fragil bleiben. Und zwar bis sie im Schlaf verfestigt und so ins Langzeitgedächtnis eingebaut werden.

 

Chronischer Schlafmangel fördert Übergewicht und Herzerkrankungen

Chronischer Schlafmangel steigert aber nicht nur den Appetit. Hingegen verändert er auch die Essgewohnheiten. Das Craving nach ungesundem Essen mit viel Zucker und Fett treiben den BMI dann schnell nach oben.

Noch kennt man nicht alle Langzeitfolgen. Allerdings weiss die Wissenschaft mittlerweile, dass zu wenig Schlaf Übergewicht fördert und einen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen darstellt. Zudem leiden Menschen mit Übergewicht vermehrt an Schlafapnoe. Deswegen können sie dann noch weniger durchschlafen. Und damit handeln sie sich ein zusätzlich erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten ein.

 

Chronischer Schlafmangel erhöht das Risiko für Diabetiker

Aber auch der Stoffwechsel wird durch zu wenig Schlaf gestört. Bei den Studienteilnehmern sank die Empfindlichkeit gegenüber Insulin schon nach einer einzigen Nacht mit nur vier Stunden Schlaf um beinahe ein Viertel. Dieser Effekt stellte sich sowohl bei Patienten mit Diabetes Typ 1 als auch bei gesunden Teilnehmern ein. Bisher ist erst wenig über die dahinter liegenden Mechanismen bekannt. Aber eine durch Schlafmangel hervorgerufene Veränderung in der Aktivität des autonomen Nervensystems könnte eine Rolle spielen.

Für Patienten mit Diabetes kann das bedeuten, dass sie trotz Spritzen von Insulin einen erhöhten Blutzuckerspiegel und damit ein höheres Risiko für Herzkrankheiten, Nierenfunktionsstörungen sowie andere Folgeerkrankungen haben.

Unter dem Strich brauchen Patienten mit Diabetes nach einer Nacht ohne ausreichenden Schlaf, eine Extradosis Insulin nach den Mahlzeiten. Regelmäßig zu wenig zu schlafen, ist für niemanden ratsam. Aber für diese Patientengruppe gilt das in besonderem Maße.

 

Auch Schlaf zur falschen Zeit ist schädlich

Chronischer Schlafmangel schwächt neben Gehirn und Körper auch das Immunsystem. Dementsprechend macht er den Organismus empfänglicher für Infektionen und Virenerkrankungen. Noch gravierender könnten allerdings die Langzeitfolgen sein. Es gibt kleine Studien, die zeigen, dass es ein geringfügig erhöhtes Krebsrisiko für Schichtarbeiter gibt. Aber für verlässliche Beweise braucht die Forschung in der Zukunft noch mehr Daten.

Aber nicht nur chronischer Schlafmangel verursacht gesundheitliche Risiken. Auch die dauerhafte Störung des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus hat fatale Auswirkungen.

In einer Versuchsanordnung mussten junge und völlig gesunde Probanden 42 Stunden lang wach bleiben und sich dabei verschiedenen kognitiven Aufgaben stellen. Dabei wurden ihre Gehirnaktivitäten mit  einer funktionellen Magnetresonanztomographie aufgezeichnet. Am Ende stand die völlig unerwartete Erkenntnis. Es gibt nicht nur eine innere Uhr sondern gleich mehrere.

Zur Überraschung von Wissenschaftler hat sich gezeigt, dass es zwischen verschiedenen Regionen der Großhirnrinde Unterschiede im zirkadianen Rhythmus gibt. Jede dieser inneren Uhren scheint auf den Schlafmangel an sich zu reagieren. Das bedeutet dass die Informationsverarbeitung nur dann optimal funktioniert, wenn wir zur richtigen Zeit schlafen.

 

Mehr Aufmerksamkeit auf die Schlafqualität

Ärzte und Patienten müssen jedenfalls der Schlafqualität deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken. Wenngleich viele Menschen die Auswirkungen von Schlafmangel und Störungen des Tagesrhythmus noch unterschätzen. Man sollte hierzu verstärkt anerkennen, dass der Schlaf entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit und den Verlauf vieler neurologischer Erkrankungen hat.

Schon einfache Fragen wie: Schlafen sie gut?, Schnarchen Sie? oder Leiden sie unter Tagesmüdigkeit oder Schlaflosigkeit? können sehr hilfreich sein. Für die Patienten und den Verlauf ihrer Therapie sein.


Literatur:

Muto V, Jaspar M, Meyer C, Kussé C, Chellappa SL, Degueldre C, Balteau E, Shaffii-Le Bourdiec A, Luxen A, Middleton B, Archer SN, Phillips C, Collette F, Vandewalle G, Dijk DJ, Maquet P. Local modulation of human brain responses by circadian rhythmicity and sleep debt. Science. 2016 Aug 12;353(6300):687-90. doi: 10.1126/science.aad2993. Erratum in: Science. 2016 Dec 23;354(6319):null. PMID: 27516598.

van den Berg R, Mook-Kanamori DO, Donga E, van Dijk M, van Dijk JG, Lammers GJ, van Kralingen KW, Prehn C, Adamski J, Romijn JA, van Dijk KW, Corssmit EP, Rensen PC, Biermasz NR. A single night of sleep curtailment increases plasma acylcarnitines. Novel insights in the relationship between sleep and insulin resistance. Arch Biochem Biophys. 2016 Jan 1;589:145-51. doi: 10.1016/j.abb.2015.09.017. Epub 2015 Sep 21. PMID: 26393786.


Quellen:

Prof. Pierre Maquet, Universität Lüttich

Leiden University Medical Center (LUMC)

Kongress der European Academy of Neurology (EAN)

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