Samstag, April 20, 2024

Chronische Schmerzen mit lebenslangen Auswirkungen auf die Lebensqualität

Schmerzen muss man früh genug effektiv behandeln, um chronische Schmerzen zu vermeiden, die den Patienten dauerhaft die Lebensqualität beeinträchtigen.

Ob Wehen, Geburt, Zahnen oder Krankheiten: Schmerzen gehören zum Leben. Denn sie begleiten jeden Menschen in jedem Lebensalter. Bei akutem Auftreten warnt Schmerz und verweist auf die beeinträchtigte, erkrankte beziehungsweise verletzte Körperpartie. Deswegen könnten wir ohne Schmerz und seine Begleitung von Beginn des Lebens an gar nicht überleben. Wenn aber chronische Schmerzen auftreten, so beeinträchtigt das die Lebensqualität sehr. Und viele Betroffene suchen dann Rat bei einem spezialisierten Arzt oder Psychotherapeuten. Dabei treten chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen ebenso auf wie bei Erwachsenen. Vorbeugende Maßnahmen und die Behandlung muss der Arzt individuell und altersgerecht abstimmen. Dabei haben Lebensalter, Risikofaktoren sowie psychische Aspekte große Bedeutung.



 

Auch Kinder können chronische Schmerzen haben

Für die Behandlung von chronischen Schmerzen ist das Alter des Schmerzpatienten wichtig. Entgegen früherer Annahmen, das Nervensystem sei noch nicht ausgereift genug, um Schmerz verarbeiten zu können, weiss man heute, dass bereits „Frühchen“ und Neugeborene sehr wohl Schmerz empfinden.

Kinder können sich zwar schlecht mitteilen. Das Schmerzempfinden ist dennoch vollständig entwickelt und bereit, auf körperliche Schädigungen zu reagieren. Die Folgen wiederholter schmerzhafter Eingriffe in dieser Lebensphase sind bis in das Erwachsenenalter nachweisbar.

Typische Erwachsenenschmerzen wie Rücken- und Kopfschmerzen bagatellisiert man bei Kindern oftmals. Unter dem Strich leiden aber bereits Schulkinder überraschend häufig unter Kopfschmerzen. Außerdem vor allem auch unter Bauchschmerzen. Das kann dazu führen, dass sie häufiger im Unterricht fehlten und Probleme in der Schule bekommen.



 

Funktionsstörungen verursachen häufig die Ursache chronische Schmerzen

Die häufigsten Schmerzformen wie Migräne und Spannungskopfschmerz können nicht durch krankhafte Veränderungen erklärt werden. Dadurch kann man nicht die Ursachen, sondern nur die Symptome behandeln.

Ähnlich verhält es sich bei Rückenschmerzen. Über 80 Prozent aller Menschen leiden irgendwann im Leben unter ausgeprägten Rückenschmerzen.

Bei weniger als 20 Prozent spielten dabei ernsthafte körperliche Veränderungen eine Rolle. Ursache für die Mehrzahl der „unspezifischen“, also normalen Rückenschmerzen, sind sogenannte Funktionsstörungen. Dabei ist meistens das Zusammenspiel zwischen Muskeln, Bändern, Gelenken und Sehnen gestört.

 

Rücken- und Kopfschmerzen nehmen im Alter sogar ab

In der Bevölkerung ist die Vorstellung verbreitet, dass mit dem Alter jede Form von Schmerzen zunimmt. Dementsprechend sollen Schmerzen zum Altern dazu gehören und damit auch eine schlechtere Lebensqualität und eingeschränkte Mobilität.

Doch tatsächlich ist zu beobachten, dass die wichtigsten Schmerzformen wie Kopf-, Gesichts- und Rückenschmerzen mit dem höheren Lebensalter abnehmen. So haben Menschen über 80 weniger Rückenschmerzen als 50 oder 60-jährige, sogar weniger als die Menschen unter 40. Die 80-Jährigen haben die wenigsten Rückenschmerzen aller Altersgruppen.

Psychische Belastungen wie Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, Stress in der Schule, belastende Lebensumstände, Schonung, fehlende Aktivitäten und mangelnde Entspannungsfähigkeit sind Risikofaktoren für chronische Schmerzen.

Prävention und Behandlung von Schmerz beginnen im Alltag. Wenn die Risikofaktoren erkannt und berücksichtigt werden, können umfassende Therapieansätze entwickelt werden, die das Alter und die Lebensumstände des Schmerzpatienten berücksichtigen.




Literatur:

Sechi C, Vismara L, Brennstuhl MJ, Tarquinio C, Lucarelli L. Adult attachment styles, self-esteem, and quality of life in women with fibromyalgia. Health Psychol Open. 2020;7(2):2055102920947921. Published 2020 Aug 13. doi:10.1177/2055102920947921


Quelle: Dipl. Psych. Dr. Paul Nilges, Deutscher Schmerzkongress 2015

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