Chronische Obstipation: Ursachen und Therapie bei chronischer Verstopfung

Chronische Obstipation – Verstopfung – ist keinesfalls nur eine banale Befindlichkeitsstörung ohne Krankheitswert. © Sebastian Kaulitzki / shutterstock.com

Chronische Obstipation – Verstopfung – ist keinesfalls nur eine banale Befindlichkeitsstörung ohne Krankheitswert. © Sebastian Kaulitzki / shutterstock.com

Für eine wirksame Therapie der chronischen Obstipation, einer chronischen Verstopfung, spielt das Erkennen der jeweiligen Ursachen die entscheidende Rolle.

Eine Verstopfung gehört zu den häufigen gesundheitlichen Beschwerden, die durch einen schwierigen und / oder einen seltenen Stuhlgang oder beides verursacht wird. Die Chronische Obstipation kommt bei 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung vor, was erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheitskosten und die Lebensqualität hat. Mit zunehmenden Alter tritt sie öfter auf, wobei Frauen viel häufiger betroffen sind. Eine chronische Verstopfung liegt vor, wenn der Stuhl über mehr als drei Monate regelmäßig vier Tage lang ausbleibt, starkes Pressen erforderlich ist und ein Gefühl der unvollständigen Darmentleerung bestehen bleibt. Die Diagnose, das Erkennen der Ursachen und die dementsprechende Wahl der Behandlungsmöglichkeiten spielen eine Schlüsselrolle bei der Therapie der Chronischen Obstipation. Es gibt immer noch Debatten über das Timing dieser diagnostischen und therapeutischen Algorithmen.

 

Ursachen

Eine Chronische Obstipation kann viele verschiedene Ursachen haben, darunter die Ernährung, die genetische Veranlagung, die Darmmotilität, die Absorption, der sozioökonomische Status, das tägliche Verhalten sowie biologische und pharmazeutische Faktoren. Beispielsweise konnte man in Studien auch zeigen, dass eine geringe Aufnahme von Ballaststoffen durch die Ernährung, eine unzureichende Wasseraufnahme, ein sitzender Lebensstil und ein Reizdarmsyndrom (IBS) häufige Ursachen für eine Chronische Obstipation sind.

Wenn ältere Menschen an einer chronischen Verstopfung leiden, müssen Ärzte sowohl primäre als auch sekundäre Ursachen berücksichtigen. Denn häufig ist bei älteren Patienten die Ursache multifaktoriell.

 

Komplexer, intelligenter Darm

Im Grunde genommen war die autonome Steuerung der Darmfunktionen viele Jahre lang von geringem ­Interesse. Denn der Darm funktioniert weitgehend selbstständig, ohne äußere Innervation. Doch seit der Erkenntnis, dass die Darmregion die meisten Synapsen außerhalb des zentralen Nervensystems besitzt und man daher vom »intelligenten Darm« sprechen kann, ist auch das wissenschaftliche Interesse gestiegen.

Man muss sich der Komplexität der Steuerung des Darmes bewusst sein, wenn man die chronische Obstipation behandeln will. Verschiedene elektromyografisch bestimmbare Kontraktionstypen im Kolon – wie stationäre Kontraktionen, Verschiebeperistaltik und propulsiver Transport – bilden die Grundlage des Transportes des Stuhles. Wenn der oroanale Transport verlangsamt ist, steigt die Obstipationsneigung.

 

Chronische Obstipation bei jungen Frauen

Von einer starken Transitstörung sind vor allem junge Frauen betroffen. Bei ihnen zeigen beispielsweise der Einsatz von Balaststoffen keinen Erfolg, Laxantien wirken nur abgeschwächt, und die eigentliche Ursache für die Obstipation ist häufig nur selten zu finden. Zu den häufigsten erkennbaren Auslösern von Obstipation zählen die zweite Zyklushälfte und die Schwangerschaft, sowie Erkrankungen des Nervensystems wie M. Parkinson und Multiple Sklerose. Schilddrüsenstörungen und Diabetes (weil die nervale Steuerung unter der diabetischen Stoffwechsellage leidet) spielen eine untergeordnete Rolle.

 

Medikamentöse Ursachen für chronische Obstipation

Es kann eine chronische Obstipation medikamentöse Ursachen haben und entsprechende Gegenmaßnahmen erfordern:

 

Die Stuhlentleerung

Beim Eintreffen von Stuhl im Rektum erfolgt über einen Dehnungsreiz eine rektoanale Sphinkterrelaxation. Über die Empfindung kann der Tonus des äußeren Sphinkters willentlich gesteuert werden und damit Stuhl abgesetzt werden oder nicht. In Studien konnte gezeigt werden, dass harter, kugel­förmiger Stuhl eine chronische Obstipation und Verstopfung allgemein fördert.

 

Ernährung und chronische Obstipation

In der Geschichte der Menschheit nahm beim Übergang von Jagen und Sammeln auf Ackerbau nahm der Fleischkonsum deutlich ab, in der Gegenwart hat er wieder deutlich zugenommen.

Im Grunde genommen gilt Weizenkleie als probates, aber zugleich auch problematisches Laxans. Weil zwar durch Weizenkleie das Stuhlgewicht erhöht gleichzeitig aber auch Blähungen und Flatulenz verursacht werden kann. Wie sinnvoll ist in diesem Zusammenhang die Empfehlung, Weizenkleie nur mit viel Wasser einzunehmen?

Der tägliche Flüssigkeitsumsatz des Darmes beläuft sich auf ca. 8 Liter. Davon entfallen etwa 1,5 Liter auf Getränke und 6,5 Liter auf das Darmsekret, wobei sich dieses wiederum aus 0,5 Liter Speichel, 1,0 Liter Magensaft, 0,5 Liter Galle, 0,5 Liter Bauchspeichel und 3,0 Liter Dünndarmsaft zusammensetzt.

Daher spielen im Grunde genommen ± 300 ml Wasser für 15 g Kleie keine Rolle. Dies wurde an Probanden auch experimentell bestätigt.

 

Therapie der chronischen Obstipation mit Ballaststoffen oder Laxantien

Die Therapie chronischer Obstipation umfasst das Erkennen und Behandeln sekundärer Ursachen, Änderung der Lebensstils bei Ernährung und Bewegung, Einsatz von Medikamenten und nichtpharmakologische Therapien sowie manchmal auch eine Operation.

Zur Unterscheidung der möglichen Ursachen einer Verstopfung erhielten in einer Studie von Voderholzer et al. im Jahr 1997 die Patienten 15  bis 30 Gramm Flohsamen. Jene Patienten mit langsamem Transit sprachen nur zu 20% mit einer Besserung auf den Ballaststoff an, solche mit Defäkationsstörungen zu etwa 38% und Obstipation-Patienten ohne Befund sprachen zu etwas mehr als 70% auf die Therapie mit Balaststoffen an.

Im Grunde genommen entwickeln Laxantien ihre Wirkung über die Erhöhung des Stuhlvolumens. Dieses ist vom Ausmaß der Wasserresorption und der Transitzeit abhängig.


Literatur:

Lucak S, Lunsford TN, Harris LA. Evaluation and Treatment of Constipation in the Geriatric Population. Clin Geriatr Med. 2021 Feb;37(1):85-102. doi: 10.1016/j.cger.2020.08.007. Epub 2020 Nov 2. PMID: 33213776.

Forootan M, Bagheri N, Darvishi M. Chronic constipation: A review of literature. Medicine (Baltimore). 2018 May;97(20):e10631. doi: 10.1097/MD.0000000000010631. PMID: 29768326; PMCID: PMC5976340.

Pehl C. Chronische Obstipation verschlechtert sich [Chronic constipation]. MMW Fortschr Med. 2018 Sep;160(15):56-57. German. doi: 10.1007/s15006-018-0889-y. PMID: 30206845.

Hayat U, Dugum M, Garg S. Chronic constipation: Update on management. Cleve Clin J Med. 2017 May;84(5):397-408. doi: 10.3949/ccjm.84a.15141. PMID: 28530898.

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