Chronische Lebererkrankungen im Fokus

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Neue diagnostische und therapeutische Werkzeugen für chronische Lebererkrankungen sollen in die klinische Praxis überführt werden.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Lebensjahre, die durch Leberzirrhose und Leberkrebs verloren gehen, stetig zugenommen. Weil chronische Lebererkrankungen besonders jüngeren Menschen das Leben kostet, ist der Verlust an Lebensjahren hoch. Die Zirrhose rangiere hierbei auf dem 4. Platz im Vergleich mit anderen chronischen, nicht übertragbaren Krankheiten wie etwa des Herzkreislauf-Systems.

 

Chronische Lebererkrankungen verstehen lernen

Strategien, um chronische Lebererkrankungen wie Hepatitis B oder auch nicht alkoholbedingten Fettlebererkrankungen (NAFLD) vorzubeugen, seien zwar vorhanden, sagte Rowe. Auch gebe es regelmäßig aktualisierte Therapieempfehlungen. Allerdings müssen sich Hepatologen bei der Therapie oft an Surrogatparametern orientieren, wie zum Beispiel dem Grad der Leberinflammation. Denn die genauen Zusammenhänge der Entstehung etwa von NAFLD sind noch nicht vollständig verstanden.

Es könnte jedoch sein, dass die im Alltag gemessenen Surrogatparameter die falschen sind, weil sie nicht die tatsächliche Prognose der Patienten abbilden. Dies könnte die Entwicklung neuer Therapien behindern. Er verwies auf eine schwedische Studie, wonach überraschenderweise nicht das Ausmaß der Leberentzündung mit der Leber-assoziierten Mortalitätsrate korrelierte, sondern der Grad der Fibrose 2. Daher werden unter anderem dringend nicht-invasive Methoden zur Beurteilung der Leberfibrose benötigt.

 

Leberfibrose kann zurückgedrängt werden

Eine wichtige Erkenntnis der vergangen Jahre war, dass fibrotische und teils sogar zirrhotische Veränderungen der Leber unter medikamentöser Behandlung reversibel sein können. Dennoch gelte es, chronische Lebererkrankungen möglichst frühzeitig zu diagnostizieren. Dazu wird versucht, neue Biomarker zu entwickeln oder moderne bildgebende Verfahren zu etablieren, zum Beispiel aus dem Bereich der Magnetresonanztomografie (MRT).

Doch ein zu starkes Organ-zentriertes Denken ist mit Vorsicht zu betrachten: Komorbiditäten bei Lebererkrankungen müssen in die Diagnostik und Therapie einbezogen werden. So tritt die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) häufig gemeinsam mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) auf. Möglicherweise unterscheide sich diese dann in ihrem Profil von klassischen CED-Formen. Weitere zu adressierende Probleme bei PSC sind zum Beispiel Fatigue, ein teils quälender chronischer Juckreiz oder eine verminderte Knochendichte.

 

Immuntherapien gegen Hepatitis werden erforscht

Die Erfolge in der Behandlung von Hepatitis-C-Patienten haben die Forschung auf diesem Feld beflügelt. So zeigte sich, dass das Immunsystem maßgeblich den Verlauf einer Virushepatitis mit bestimmt. Erkenntnisse zur Rolle von T-Zellen könnten bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Hepatitis C oder einer Immuntherapie gegen Hepatitis B hilfreich sein. Für verstärkte Aufmerksamkeit haben darüber hinaus Berichte über vermehrte Hepatitis-E-Übertragungen gesorgt. Durch die Zoonose gefährdet seien besonders immunkomprimierte Menschen sowie Personen, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben, besonders in tropischen Ländern.

Zu den leberspezifischen Herausforderungen der nächsten Jahre in den Industrieländern gehören die Diagnostik und Therapie von Autoimmunerkrankungen der Leber, Lebererkrankungen bei Kindern, das akute Leberversagen sowie Fragen der Lebertransplantation. Neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie von Lebererkrankungen bieten Ansatzpunkte für neue diagnostische Methoden und neue Therapien.

Literatur:

GBD 2013 Mortality and Causes of Death Collaborators, Lancet 2015; 385 (9963): 117-171

Ekstedt M et al. Hepatology 2015;61:1547-54

 

Quelle:

Hepatitis, Autoimmunkrankheiten, die Folgen von Überernährung und Alkoholmissbrauch waren die Themen eines von der Falk Foundation e.V. veranstalteten internationalen Symposiums im britischen Birmingham. Dort diskutierten namhafte Leberexperten über neue wissenschaftliche Erkenntnisse und darüber, wie diese in die klinische Praxis überführt werden können.

Symposium 204 der Falk Foundation e.V.: „Clinical Hepatology Practice in 2016: From Science to Therapy”, 02.-03. September 2016 in Birmingham

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