Chronisch lymphatische Leukämie

Chronisch lymphatische Leukämie – Blutausstrich © VashiDonsk / CC BY-SA 3.0 / wikimedia

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL) ist eine langsam verlaufende Krebserkrankung des Blutes, das durchschnittliche Überleben beträgt 10 Jahre.

Die chronisch lymphatische Leukämie (B-CLL) ist die häufigste Leukämie in westlichen Ländern (Inzidenz 3/100 000) und gekennzeichnet durch eine klonale Vermehrung von CD19+, CD5+ B-CLL Zellen. In frühen Stadien ist die chronisch lymphatische Leukämie meist asymptomatisch. Ein typisches Erstsymptom kann das Auftreten vergrößerter Lymphknoten sein, in Spätstadien kommt es zu herabgesetzter Leistungsfähigkeit, B-Symptomen und Infekten.

 

Chronisch lymphatische Leukämie und ­Prognostische Faktoren

Das mediane Überleben bei chronisch lymphatischer Leukämie beträgt 10 Jahre, die Verläufe können allerdings sehr heterogen sein. Während die Erkrankung in einigen Fällen indolent ist und die Lebenserwartung der Patienten nicht einschränkt, kommt es in anderen Fällen zu einem rasch progredienten ­Verlauf.

Die Stadieneinteilung und damit auch die Beurteilung des Zeitpunktes einer Therapieindikation bei chronisch lymphatischer Leukämie erfolgt nach wie vor nach Rai (Rai 0-IV) und Binet (Binet A-C).

Diese Einteilungen beruhen auf einfach zu erhebenden Kriterien wie dem Ausmaß der Lymphadenopathie, Spleno / Hepatomegalie, und auf dem Vorliegen einer Anämie / Thrombopenie. Einschränkend ist zu sagen, dass heutzutage ca. 80% der Patienten im ­Binet A Stadium diagnostiziert werden, was die Aussagekraft der klinischen Stadien ­limitiert. Die Anzahl jüngerer Patienten steigt, ein Teil der im Frühstadium diagnostizierten Patienten ist rasch progredient. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zusätzlicher prognostischer Faktoren.

Ältere, etablierte Faktoren sind die Lymphozytenverdoppelungszeit, oder Serum-Marker wie Thymidinkinase, sCD23, oder beta-2-Mikroglobulin. Wichtig heute ist die Bestimmung zytogenetischer Veränderungen mittels Metaphasenzytogenetik und/oder Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH). Patienten mit normalem Karyotyp oder einer Deletion 13q- als alleinige Aberration haben eine bessere Prognose, Patienten mit einer Deletion 11q- eine schlechtere Prognose und oft massive Lymphadenopathie.

Durch eine besonders schlechte Prognose sowie durch das Nichtansprechen auf konventionelle Chemotherapie gekennzeichnet sind Fälle mit Deletion 17p-. Eine Klassifikation der CLL in ­2Subgruppen (eine »unmutierte« Form mit schlechter Prognose und »mutierte« Form mit besserer Prognose) erfolgt durch den Mutationsstatus der variablen Regionen der Immunglobulin Schwerketten (IgVH).

In den meisten Arbeiten zeigt sich, dass die prognostische Bedeutung des Mutationsstatus unabhängig von andern Faktoren ist, besonders in Frühstadien. Weitere wichtige, bereits etabliere Prognosefaktoren sind die CD38 Expression und die ZAP-70 ­Expression. Letztere ist ein starker Surrogatmarker für den Mutationsstatus. Genexpressionsanalysen ergaben weitere molekulare Marker mit prognostischer Bedeutung wie Lipoproteinlipase und andere.


Quelle: Chronisch lymphatische Leukämie. Dr. Daniel Heintel. MEDMIX 1/2007

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