Chronifizierung von Schmerzen wirksam verhindern

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Menschen akzeptieren häufig Schmerzen als begleitendes Übel und nehmen eine unzureichende Therapie hin. Allerdings kann das eine Chronifizierung von Schmerzen auslösen.

Unter dem Strich ist Schmerz ein allgegenwärtiges, häufiges Symptom verschiedener Erkrankungen beziehungsweise Verletzungen. Wenn Schmerzen aber länger anhalten, können sie zu einer eigenständigen, quälenden Erkrankung werden. Man spricht von einer Chronifizierung von Schmerzen mit deutlicher Beeinträchtigung des einzelnen Patienten.

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass eine derartige, beeinträchtigende Chronifizierung von Schmerzen Millionen Europäer betrifft. Dabei leiden viele dieser Menschen an chronischen Schmerzen, die nicht ein Krebsleiden verursacht hat. Wobei mit der Stärke der Beeinträchtigung die Lebensqualität der Betroffenen deutlich sinkt. Infolge kommt es zu einem langen Leiden sowie hohen Kosten für die Gesundheitssysteme.

 

Verschiedene Ursachen für die Chronifizierung von Schmerzen

Im Grunde genommen kann eine Chronifizierung von Schmerzen verschiedene Ursachen haben. Besonders häufig sind chronische Rückenschmerzen, die aus einem akuten Ereignis heraus entstehen oder auch ohne erkennbare Ursache auftreten. Denn nur bei etwa 10 Prozent der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen kann man eine klare körperliche Ursache als Auslöser finden. Weiters können auch Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen sowie Schmerzen durch Operationen über jahrelang bis sogar lebenslang anhalten.

Oft werden Schmerzen anfangs als begleitendes Übel – beispielsweise im Rahmen einer Erkrankung – akzeptiert und aus vielen verschiedenen Gründen teilweise nur unzureichend therapiert. Dies kann aber schon einer der Auslöser dafür sein, dass es zur Chronifizierung von Schmerzen kommt.

 

Chronifizierung durch schlechte Therapie der Akutschmerzen

Gerade bei der Chronifizierung von akuten, postoperativen Schmerzen hat sich gezeigt, dass eine unzureichende Behandlung der Akutschmerzen eng mit anhaltenden, chronischen Schmerzen nach einer Operation verknüpft ist. Aber auch ganz andere Faktoren, die eine Chronifizierung von Schmerzen auslösen oder zumindest verstärken können, werden heute immer noch nicht ernst genug genommen. Denn es gibt klare Risikofaktoren, die dazu beitragen können, dass ein Patient eher dazu neigt als ein anderer, dass aus akuten Schmerzen chronische Schmerzen werden.

Das Nichterkennen dieser Risiken verlängert deutlich den rechtzeitigen Beginn einer richtigen Therapie, um die gefürchtete Chronifizierung von Schmerzen aufzuhalten. Denn wenn der Schmerz bereits chronisch ist, ist die Behandlung schwierig. Dann ist ein Leben ohne Schmerzen für betroffene Patienten oft nicht mehr möglich. Neueste Ansätze sind deshalb das frühzeitige Erkennen von Anzeichen einer Chronifizierung bei Patienten mit akuten oder subakuten Schmerzen.

 

Risikopatienten frühzeitig erkennen

Sehr erfolgreich wäre zum Beispiel das frühe Identifizieren von Patienten, die nach einer Operation chronische Schmerzen entwickeln. Hier könnte früh (nämlich während und im Anschluss an die die Schmerzen auslösende Ursache) der Risikopatient herausgefiltert und dieser dann besonders intensiv und effektiv behandelt werden.

Wenn man also Patienten mit einem hohen Risiko für eine Chronifizierung frühzeitig erkennen kann, so ist es manchmal möglich, eine Chronifizierung zu verhindern. Zumindest lässt sich dadurch die Schwere der Chronifizierung oft mindern. Der Erfolg einer Schmerztherapie ist unter anderem davon abhängig, wie früh eine effektive Therapie eingeleitet wird. Wobei ein effektives Schmerzmanagement heute viel mehr als die alleinige Gabe von Schmerzmitteln. Dazu arbeiten beispielsweise oft Ärzte verschiedener Disziplinen sowie Psychologen, Physiotherapeuten sowie Pflegende zusammen, um die Beschwerden zu linden. 

Literatur:

Häuser W, Schmutzer G, Henningsen P, Brähler E. Chronische Schmerzen, Schmerzkrankheit und Zufriedenheit der Betroffenen mit der Schmerzbehandlung in Deutschland. Schmerz 2014; 28:483-492.

Pogatzki-Zahn EM, Meissner W. Postoperative Schmerztherapie in Deutschland. Status quo. Schmerz. 2015; 29(5):503-9. doi: 10.1007/s00482-015-0039-8.

Fletcher D, Stamer UM, Pogatzki-Zahn E, Zaslansky R, Tanase NV, Perruchoud C, Kranke P, Komann M, Lehman T, Meissner W; euCPSP group for the Clinical Trial Network group of the European Society of Anaesthesiology. Chronic postsurgical pain in Europe: An observational study. Eur J Anaesthesiol. 2015; 32(10):725-34.

Kaiser U, Sabatowski R, Azad SC. Multimodale Schmerztherapie: eine Standortbestimmung. Schmerz. 2015; 29(5):550-6. doi: 10.1007/s00482-015-0030-4.


Quelle:

Statement »Damit der Schmerz nicht zum täglichen Begleiter wird: Chronifizierung wirksam verhindern«. Professor Dr. med. Esther Pogatzki-Zahn, Tagungspräsidentin und Oberärztin an der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Münster anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V.,Oktober 2016, Mannheim

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Ann-Marie Nüsslein

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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