Cholera im Jemen erlebt einen weiteren massiven Anstieg

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Lena Abensberg
Lena Abensberg
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Die Cholera breitet sich im Jemen in den letzten drei Jahren massiv aus. Nahezu 200.000 Menschen sind dort seit Jahresbeginn an der gefährlichen Durchfallerkrankung erkrankt.

Die gefürchtete Durchfallerkrankung Cholera ist weltweit verbreitete und wird ausgelöst durch das Bakterium Vibrio cholerae. In den letzten Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation WHO immer wieder vor einer aggressiven Ausbreitung der Durchfallerkrankung Cholera gewarnt. Aus dem Jemen gibt weiterhin alarmierende Meldungen dazu.

Jedenfalls ist Cholera eine extrem schnell einsetzende, akute Durchfallerkrankung. Der Choleraerreger dringt aber nicht, wie manche andere Bakterien und Viren, in Körperzellen ein, sondern er produziert im Dünndarm ein Gift – das Cholera-Toxin, das in die Zellen an der Darmwand eindringt. Dadurch scheiden diese Wasser ab, wodurch der heftige Durchfall zustande kommt. Ohne Behandlung trocknen die Patienten regelrecht aus.

Im Jemen herrscht seit dem Jahr 2016 eine weitreichende Cholera-Epidemie, die bereits vielen tausenden Menschen das Leben gekostet hat. Schon damals warnte die Hilfsorganisation Oxfam vor dem „schwersten Cholera-Ausbruch der Welt“, der sich noch einmal deutlich verschlimmern könnte. Oxfam berichtete von 195.000 Neuansteckungen seit Jahresbeginn.

 

Choleraerreger, Cholera-Bakterien, setzen im Darm ein gefährliches Toxin frei, das lebensgefährliche Durchfälle verursacht.

Cholera ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem über unzureichend aufbereitetes Trinkwasser sowie kontaminierte Lebensmittel übertragen wird. Krank macht dabei wie erwähnt das von den Bakterien freigesetzte Toxin, das die Darmzellen angreift und lebensgefährliche Durchfälle verursacht. Außerdem nimmt Choleraerreger Vibrio cholerae im menschlichen Darm anderen Bakterien die Nahrung weg und kann sich dadurch sehr stark vermehren.

Wenn sich ein Mensch mit Cholera infiziert, so bringt der Choleraerreger Darmzellen zum Absterben. Die toten Darmzellen entleeren dann unter anderem ihre DNA in den Darm, Dort werden sie in ihre Bausteine, den so genannten Nukelotiden, zerlegt, die Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphate enthalten – damit die drei wichtigsten organischen Nährstoffe. Damit sind sie ein gefundenes Fressen für Cholera-Bakterien. Auch andere Darmbakterien können sich von den DNA-Bausteinen ernähren, aber nicht so schnell und nicht so gut.

Unter dem Strich ist das Cholera-Toxin ein Protein aus einer toxischen A- und fünf nichttoxischen B-Untereinheiten (CTB). Diese erinnert in seiner Form an einen Blütenkelch mit fünf Blütenblättern. Diese „Blütenblätter“ sind zwar nicht toxisch. Sie binden aber an spezielle Kohlenhydrate auf der Oberfläche der Darmzellen und leiten damit die Aufnahme des Toxins ein. Jede der fünf B-Untereinheiten besitzt eine spezifische Bindestelle für den speziellen Mehrfachzucker.

 

Choleraerreger weltweit verbreitet

Die Behandlung erfolgt durch die Zufuhr einer isotonischen Zuckerlösung, die den extremen Flüssigkeitsverlust der Cholera-Patienten ausgleicht. Im Idealfall ist die Krankheit dann nach kurzer Zeit ausgestanden. Doch die ausgeschiedenen Erreger leben in der Umwelt weiter.

Heute ist der Choleraerreger rund um den Globus verbreitet und sorgt immer wieder für Epidemien, die viele Opfer fordern. Die geschieht insbesondere nach Naturkatastrophen oder in Krisengebieten, wie aktuell im Kriegsland Jemen. Bei der Behandlung der Cholera stoßen konventionelle Behandlungsmethoden an ihre Grenzen. Nötig wäre eine dauerhafte Inaktivierung des Erregers.

 

Mangelnde Hygiene

Problematisch sind in diesem Zusammenhang immer auch die hygienischen Umstände. Denn der menschliche Körper scheidet den Choleraerreger unbeschädigt aus, der dann in das Abwasser gelangt.

Im Grunde genommen ist durch zu wenig sauberes Trinkwasser und einem ineffizienten Abwassersystem eine Eindämmung der Cholera sehr schwierig. Die Erreger gelangen weiters über das Abwasser in die Küstenregionen, wo sie überdauern können. Das ist allgemein ein Problem für die weltweite Bekämpfung von Cholera.

Jedenfalls gilt die Cholera als ein dauerhaftes Problem in Indien und am afrikanischen Kontinent, insbesondere entlang der Ostküste. Etwa 5.000 Todesfälle gibt es laut WHO pro Jahr weltweit, doch die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich weit höher.

Literatur:

Gumpenberger et al. Nucleoside uptake in Vibrio cholerae and its role in the transition fitness from host to environment. First published: Molecular Microbiology. 23 July 2015 https://doi.org/10.1111/mmi.13143

Roier et al. A novel mechanism for the biogenesis of outer membrane vesicles in Gram-negative bacteria. Nature Communications volume 7, Article number: 10515 (2016).

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