Die vielen positiven Wirkungen von Cholecalciferol, dem Vitamin D3

Cholecalciferol, Vitamin D3, das einzige Vitamin, das der Körper mithilfe der Sonne selbst produziert, bietet viele positive Wirkungen.

Unser Körper bildet das zur Gruppe fettlöslicher Vitamine zählende Vitamin D in der Haut. Und zwar mit Hilfe des Sonnenlichts selbst, weswegen es auch als Sonnenhormon bekannt ist. Dabei wird der physiologisch wichtigste Vertreter Cholecalciferol – auch als Vitamin D3 bekannt – gebildet. Mit Hilfe von UV-B-Strahlung in der Haut aus 7-Dehydrocholesterol. Das Sterin 7-Dehydrocholesterol ist ein Vorläufer von Cholesterin und Cholecalciferol. Sterine sind übrigens biochemisch wichtige Naturstoffe.

Der Vitamin D-Stoffwechsel hat große Bedeutung für den Organismus: er ist an Prozessen des Knochenaufbaus und der Zellteilung beteiligt und unterstützt unsere Abwehrkräfte durch Stimulation des Immunsystems. Vitamin D nimmt im Körper die Funktion eines Prohormons ein und wird über eine Zwischenstufe zum Hormon Calcitriol umgewandelt.

 

Präventive und therapeutische Einsatzgebiete von 1,25 Dihydroxy – Cholecalciferol – Vitamin D3

Vitamin D ist als Anti-Rachitis-Vitamin unverzichtbar in der Säuglingsprophylaxe. Wieder vermehrte Meldungen von rachitischen Erscheinungen bei Kleinkindern sollten Anlass für eine intensivere Aufklärung über die Wichtigkeit der konsequenten Vitamin D-Gabe in den ersten 1 bis 2 Lebensjahren sein.

Ebenso bekannt und bewährt sind Vitamin D und Calcium als „Knochennährstoffe“ in der Osteomalazie- und Osteoporose-Prophylaxe. Die steigende Osteoporoserate ließe sich durch frühzeitige, gezielte Intervention vermutlich deutlich vermindern: Bewegung, dosiert Sonne (oder UV-Therapie im Winter), Blutspiegel-basierte Vitamin D-Supplementierung, kein Rauchen, „knochenstarke“ Ernährung mit ausreichend Vitamin D und Ca++ aber auch anderen Knochennährstoffen.

Diese Maßnahmen sind vor allem schon in der Zeit des Knochenaufbaus – bis zum 30. Lebensjahr, besonders bei Mädchen von 11 bis 13, bei Buben von 13 bis 17 hinsichtlich der maximal erreichbaren Knochendichte – aber auch danach – speziell ab der Menopause und bei allen (!) Senioren kontinuierlich wichtig. Bei Osteoarthritis zeigte sich Cholecalciferol zusätzlich als CRP-senkend und schmerzlindernd.

Cholecalciferol zeigt sich experimentell auch antiproliferativ-apoptosefördernd und als tumorpräventiv. Auch Wirkungen bei Diabetes, Multiple Sklerose, CED, Rheuma oder Sklerodermie sowie mögliche Schutzeffekte vor Herzinsuffizienz, Skelettmuskelschwäche und Hypertonie wurden beobachtet.

Ein guter Vitamin D-Status kann auch die Infektanfälligkeit, Allergieneigung, Dermatosen und psoriatische Schübe verringern, wobei topisch eingesetzte Analoga wie Calcipotriol bei Psoriasis auch schulmedizinisch angewendet werden. In jüngsten Studien wurden für Vitamin D3-Mangel beispielsweise auch Zusammenhänge zu Fruchtbarkeit und Schilddrüsenerkrankungen sowie Krebs entdeckt.

 

Vorbeugung mit Cholecalciferol

Cholecalciferol – Vitamin D3 – hat offensichtlich hohes Präventionspotenzial. Deswegen wäre allgemein eine zweimal jährliche Blutspiegelbestimmung – am Ende des Sommers und am Ende des Winters –empfehlenswert. Dies ermöglicht eine bedarfsorientierte Gabe, um das große, über die Knochengesundheit hinausgehende Präventionspotenzial ausschöpfen zu können.

 

Wie Vitamin D3 »arbeitet«

Die Hauptwirkform von Calciferol ist der Metabolit Calcitriol – 1,25 Dihydroxy-Cholecalciferol, das „D-Hormon“ (Vitamin D3) –, welches den Steroidhormonen zuzuordnen ist.

Statt von Vitamin D spricht man genauer von Cholecalciferol – Vitamin D3 –, das mit Parathormon und Calcitonin die Calcium- und Phosphat-Homöostase sowie den Knochenstoffwechsel an.

Cholecalciferol ermöglicht die Calcium-Resorption mittels Bildung eines Calcium-Carrier-Proteins im Darm und erhöht die Aktivität der alkalischen Phosphatase in den Osteoblasten, was den Einbau von Calcium-Hydroxylapatit in die Knochen bewirkt. Überdosen fördern hingegen die Calcium-Mobilisation aus den Knochen.

Weitere Cholecalciferol-abhängige Stoffwechselprozesse werden über Vitamin-D-Rezeptoren in hormonabhängigen Organen, endokrinen Drüsen, Haut- und Darm-Epithelien, blutbildenden Organen, Herz-& Skelettmuskeln sowie Immunzellen vermittelt.

Über Beeinflussung der Genexpression, Zellproliferation und Zelldifferenzierung zeigen sich vorwiegend immunmodulierende,  autoimmunsuppressive sowie tumorprotektive  Effekte.

 

Eigensynthese, Digestion und Absorption

Haut, Leber und Nieren gewährleisten im Team die endogene Synthese. Daher hat „nur“ bei  Lichtmangel, Leber- oder Nierenschäden Vitamin D den klassischen Vitamincharakter.

Im Unterhautfettgewebe entstehen photolytisch-thermisch aus den Provitaminen D2/D3 (Ergosterol/7-Dehydrocholesterol) die Vitamine D2 / D3 (Ergo-/ Cholecalciferol), welche in zwei Schritten mittels Leber- (CYP 450) und Nierenenzymen zum aktiven D-Hormon hydroxyliert werden.

Exogenes Vitamin D wird mit Fett / Gallensäuren über passive Diffusion zu etwa 80% resorbiert. Die Speicher in Leber, Fettgewebe, Haut und Muskulatur reichen für 2bis 4 Monate. Vitamin D gilt als Risikonährstoff – Ernährungsberichte zeigen endemischen Mangel in vielen Gebieten weltweit, auch in sehr heißen Regionen.


Literatur:

Verdoia M, Nardin M, Rolla R, Negro F, Gioscia R, Saghir Afifeh AM, Viglione F, Suryapranata H, Marcolongo M, De Luca G; Novara Atherosclerosis Study Group (NAS). Cholecalciferol levels, inflammation and leukocytes parameters: Results from a large single-centre cohort of patients. Clin Nutr. 2020 Oct 19:S0261-5614(20)30526-4. doi: 10.1016/j.clnu.2020.09.054. Epub ahead of print. PMID: 33121835.

Nazik Al-Hashimi; Sherly Abraham. Cholecalciferol. StatPearls [Internet]. Last Update: July 10, 2020.

Chandra P, Binongo JN, Ziegler TR, Schlanger LE, Wang W, Someren JT, Tangpricha V. Cholecalciferol (vitamin D3) therapy and vitamin D insufficiency in patients with chronic kidney disease. A randomized controlled pilot study. Endocr Pract. 2008 Jan-Feb;14(1):10-7.


Quelle: Die medizinische Bedeutung von Vitamin D3 (Cholecalciferol). MEDMIX 4/2008.

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