Donnerstag, März 28, 2024

Warum immer mehr Chirurgen ausbrennen

Verschiedene Studien berichten über ansteigende Burnout-Raten bei Chirurgen. Zeitnot und Personalunterbesetzung sind mitverantwortlich.

Auf der einen Seite macht der Fortschritt in der Chirurgie immer mehr möglich. Wo früher ausgedehnte Narben entstanden, sind heute oft nur kleine Schnitte erforderlich, sogar bei bösartigen Erkrankungen wie Tumoren an Speiseröhre, Darm, Magen und Leber. Auch Rücken-OPs und Kunsthüften stellen selbst für hochbetagte Patienten dank richtiger Vorbereitung häufig kein unvertretbares Risiko mehr dar. Auf der anderen Seite berichten Studien über ansteigende Burnout-Raten bei Chirurgen. Woher rührt die totale Erschöpfung? Über diese und andere Fragen diskutieren Experten auf dem 136. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), der vom 26. bis 29. März 2019 unter dem Motto „Volle Kraft voraus – mit Herz, Hand und Verstand“ in München stattfindet. Zu den Kongress-Highlights zählt der Organspendelauf, der erstmals öffentlich ist. Erwartet werden 1.000 Läufer.

„Empathie, manuelle Fähigkeiten, Wissen und Erfahrung prägen das chirurgische Handeln“, erläutert DGCH-Präsident Professor Dr. med. Matthias Anthuber das Kongress-Motto. „Hinzu kommt der mutige Blick nach vorn, der dem Patienten immer wieder aufs Neue bessere Heilungschancen zu eröffnet.“ Dies alles, stellt der Augsburger Chirurg fest, seien exzellente Voraussetzungen für eine erfüllende und sinnstiftende Berufstätigkeit, für die gerne großes Engagement erbracht wird.

 

Wenn Chirurgen ausbrennen

„Umso nachdenklicher muss es uns stimmen, wenn immer mehr Mediziner ausbrennen“, sagt Anthuber. Untersuchungen aus dem Jahr 2014 zeigen, dass fast zwei Drittel der deutschen Klinikärzte negativen Stress im Übermaß („Disstress“) erleben, ein Viertel hegt den Wunsch, aus der klinischen Tätigkeit auszusteigen. Eine britische Studie von 2018 spricht von Burnout unter Ärzten als „Epidemie“.

Ursachen für die zunehmende Gesundheitsgefährdung erkennen Experten vor allem in einem Übermaß an Bürokratie, Multitasking, häufigen Unterbrechungen sowie fachfremden ökonomischen und politischen Zwängen. „Zusammen mit Zeitnot und Personalunterbesetzung führt das zu Frustration und Ohnmachtserleben“, kritisiert Matthias Anthuber. „Es wird höchste Zeit, gegenzusteuern. Ärzte, die in Deutschland bestens ausgebildet wurden, dürfen wir vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung auf keinen Fall für die kurative Medizin im Krankenhaus oder auch in der Praxis verlieren.“

So wären die jüngsten Erfolge in der chirurgischen Behandlung älterer Patienten ohne qualifiziertes medizinisches Personal nicht möglich. „Wir können heute über 80-Jährigen guten Gewissens neue Hüft- oder Knieprothesen einsetzen, weil wir wissen, wie wir die mit einer Operation verbundenen Risiken für Herzinfarkt und Lungenentzündung wirkungsvoll senken“, sagt Anthuber.

 

Chirurgen können heute immer öfter minimalinvasive Methoden einsetzen

Dank herausragender Expertise können Chirurgen heute etwa auch Darmkrebs, der gehäuft im höheren Lebensalter auftritt, minimalinvasiv entfernen. Studien belegen, dass bei dieser Operationstechnik weniger Wundinfektionen und Schmerzen auftreten, die Rückkehr in den Alltag schneller gelingt. Nachteile wie erhöhte Raten an Tumorrückfall oder erhöhte tumorbedingte Sterblichkeit treten nicht auf. „Der Erfolg der Operation hängt jedoch gerade bei Tumordiagnosen vom technischen Können und der Erfahrung des Chirurgen ab“, betont Anthuber.

Neben minimalinvasiver Chirurgie, Eingriffe beim älteren Patienten und Stressbewältigung in den operativen Fächern zählen chirurgische Fortschritte etwa durch Robotik und Digitalisierung sowie Organersatz zu den weiteren Schwerpunktthemen des 136. Chirurgenkongresses. Um auf den anhaltenden Organmangel aufmerksam zu machen, veranstalten die Chirurgen in diesem Jahr einen für die Öffentlichkeit zugänglichen Organspendelauf.

 

Benefiz-Runs am 27. März 2019 um 18 Uhr

Startpunkt des Benefiz-Runs am 27. März 2019 um 18 Uhr ist der Chinesische Turm im Englischen Garten. Interessierte können sich bis 22. März unter www.organspendelauf.de anmelden oder auch vor Ort über Möglichkeiten der Organspende informieren. Zahlreiche Prominente unterstützen den Lauf. So übernimmt Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler den Warm-Up, TV-Sportjournalist Jörg Wontorra moderiert vor Ort. Der herztransplantierte Ironman Elmar Sprink, die herztransplantierte Hockey-Bundesligistin Chantal Bausch und die Handball-Stars Stefan Kretzschmar, Christian „Blacky“ Schwarzer, Daniel Stephan und Uli Roth laufen mit.

Über den Organspendelauf wird DGCH-Präsident Professor Dr. med. Matthias Anthuber unter anderem ausführlich auf der Vorab- sowie der Kongress-Pressekonferenz informieren. Die Termine aller Pressekonferenzen finden Sie unten gelistet. Wir bitten um Akkreditierung per Mail unter deckert@medizinkommunikation.org.

136. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).
26. bis 29. März 2019, ICM, München

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