Antibiotika: Chinolone gegen ambulant erworbene Pneumonie

Neuere Chinolone bieten hier eine Therapieoption auch bei Betalaktam-resistenten Pneumokokken.

Neuere Chinolone bieten hier eine Therapieoption auch bei Betalaktam-resistenten Pneumokokken.

Moderne Chinolone-Antibiotika ermöglichen eine wirksame und sichere Behandlung einer ambulant erworbenen Pneumonie.

Etwa bis Ende des vorigen Jahrtausends galten ­Betalaktame und Makrolide als typische Atemwegsantibiotika. Neuere Chinolone-Antibiotika zeichnen sich aber gegenüber Makroliden durch ihre wesentlich bessere antimikrobielle Wirksamkeit gegenüber Hämophilus influenzae bei erhaltener Wirksamkeit gegen atypische Erreger (Legionellen, Chlamydien, Mykoplasmen) aus, im Vergleich zu Betalaktamen ist die zusätzliche Aktivität gegen atypische Erreger von Vorteil.

Ein Problem der ­Betalaktame ist das weltweite Ansteigen der Resistenzraten von Pneumokokken gegen diese Substanzgruppe, davon sind auch bereits unsere Nachbarländer betroffen. Innovative Chinolone bieten hier eine sicher wirksame Therapieoption auch bei Betalaktam-resistenten Pneumokokken an. Ein weiterer Vorteil der modernen Chinolone ist die hervorragende Gewebepenetration in die Lunge, was sie ebenfalls für eine wirksame und sichere Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie empfiehlt.

 

Chinolone scheinen schneller eine Heilung zu bringen

Chinolone erreichen im Epithelium des ­Respirationstraktes sogar höhere Konzentrationen als im Serum. Der Einnahmemodus 1 mal täglich, der ja heute unabhängig vom Alter des Patienten zum State of the Art gehört, erhöht die Compliance entscheidend, was mehrmals eindeutig belegt wurde. Zudem scheinen Chinolone schneller zu Heilung zu führen wie das in  Studien der vergangenen beiden Jahre gezeigt wurde.


Welche Chinolone-Antibiotika gibt es? Die Substanzen der Gruppe bezeichnet man uneinheitlich als Chinolone, Fluorchinolone oder Gyrasehemmer.


 

Nemonoxacin im Vergleich mit Levofloxacin bei ambulant erworbener Pneumonie

Eine rezente Studie untersuchten die Sicherheit und die Wirksamkeit vom neuen oralen Nemonoxacin im Vergleich mit Levofloxacin bei der Behandlung von einer ambulant erworbener Lungenentzündung. Die Studie war eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, aktiv kontrollierte, nicht minderwertige Phase-3-Studie.

Nemonoxacin ist ein neuartiges nichtfluoriertes Chinolon mit ausgezeichneter In-vitro-Aktivität gegen die meisten Krankheitserreger bei ambulant erworbener Pneumonie (CAP). Und zwar insbesondere gegen grampositive Erreger. Es zeigte sich in dieser Vergleichsanalyse, dass Nemonoxacin 500 mg einmal täglich über 7 bis 10 Tage genauso wirksam und sicher wie Levofloxacin zur Behandlung von erwachsenen CAP-Patienten ist. Und zwar hinsichtlich der klinischen Heilungsraten, der mikrobiologischen Erfolgsraten sowie des Sicherheitsprofils.

 

Ursache, warum Patienten mit schweren Lungenentzündungen ins Spital müssen, liegt nur zu 50% bei der Pneumonie selbst

Eine schnellere klinische Besserung ist selbstverständlich für den Patienten relevant. Ein medizinischer Nutzen ist jedoch nicht nur im Sinne der Wellness, sondern vor allem auch hinsichtlich der Verschlechterung von Grunderkrankungen gegeben.

Die Ursache, warum Patienten mit schweren Pneumonien hospitalisiert werden müssen, liegt ja nur zu 50% bei der Pneumonie selbst. Zu 50% sind es andere Erkrankungen, die durch die Pneumonie massiv verschlechtert werden.

So kommt es beispielsweise bei einer bestehenden Herzinsuffizienz durch die Pneumonie zu einer verminderten O2-Sättigung und damit zu einer mangelhaften Versorgung des Herzmuskels, was die Herzinsuffizienz weiter verschlechtert. Durch Fieber wird einerseits die Herzfrequenz erhöht, was wiederum die Performance des Herzmuskels beeinträchtigen kann, andererseits wird der Grundumsatz erhöht, was wieder in einer Mangelversorgung resultieren kann. Hier kann also jeder Zeitgewinn, der durch ein rascheres Ansprechen erzielt wird, lebensrettend sein.


Literatur:

Yuan J, Mo B, Ma Z, Lv Y, Cheng SL, Yang Y, Tong Z, Wu R, Sun S, Cao Z, Wu J, Zhu D, Chang L, Zhang Y. Investigator Group of the Phase 3 Study on Oral Nemonoxacin. Safety and efficacy of oral nemonoxacin versus levofloxacin in treatment of community-acquired pneumonia. A phase 3, multicenter, randomized, double-blind, double-dummy, active-controlled, non-inferiority trial. J Microbiol Immunol Infect. 2019 Feb;52(1):35-44. doi: 10.1016/j.jmii.2017.07.011. Epub 2017 Aug 2. PMID: 30181096.

Katz E, Larsen LS, Fogarty CM, Hamed K, Song J, Choudhri S. Safety and efficacy of sequential i.v. to p.o. moxifloxacin versus conventional combination therapies for the treatment of community-acquired pneumonia in patients requiring initial i.v. therapy. J Emerg Med. 2004 Nov;27(4):395-405. doi: 10.1016/j.jemermed.2004.02.023. PMID: 15498622.

Drummond MF, Becker DL, Hux M, Chancellor JV, Duprat-Lomon I, Kubin R, Sagnier PP. An economic evaluation of sequential i.v./po moxifloxacin therapy compared to i.v./po co-amoxiclav with or without clarithromycin in the treatment of community-acquired pneumonia. Chest. 2003 Aug;124(2):526-35. doi: 10.1378/chest.124.2.526. PMID: 12907538.


Quelle:

Ambulant erworbene Pneumonie effizient behandeln. Univ.-Prof. Dr. Christoph Wenisch. MEDMIX 3/2005

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