Neue Studien bestätigen, dass Capsaicinpflaster bei Neuropathien wirken

Capsaicin – wichtigster Vertreter der Capsaicinoide kommt in verschiedenen Paprika-Arten wie Chilischoten natürlich vor. © Lotus Images / shutterstock.com

Capsaicin – wichtigster Vertreter der Capsaicinoide kommt in verschiedenen Paprika-Arten wie Chilischoten natürlich vor. © Lotus Images / shutterstock.com

Capsaicin-Pflaster sind bei Neuropathien wirksam, wobei der Wirkstoff vor allem  Neuropathische Schmerzen, Nervenschmerzen, lindert und wenig Nebenwirkungen verursacht.

Capsaicin ist der feurige Inhaltsstoff, der vor allem in Chili und anderen Paprikapflanzen vorkommt. Die Substanz entwickelt im Gaumen eine erhebliche Schärfe und ist vor allem als Capsaicin-Pflaster auch gegen diverse Schmerzen Nervenschmerzen (neuropathische) effektiv. Dementsprechend zeigen zahlreiche Studien der jüngsten Vergangenheit eine sehr gute Wirksamkeit beim Kampf gegen Schmerzen durch Neuropathien. Im Grunde genommen entstehen Nervenschmerzen durch Verletzungen oder Erkrankungen von schmerzleitenden Fasern. Nervenschmerzen, Neuropathische Schmerzen, können brennen und elektrisierend wirken sowie ganz plötzlich einschießen. Schließlich äußern sie sich auch als Taubheitsgefühle. Die Lebensqualität der Betroffenen leidet dadurch sehr. Denn trotz verschiedener medikamentöser Optionen können Ärzte ihren Patienten oft nur ungenügend helfen. Jedenfalls bringt die Capsaicin-Pflaster-Behandlung von Nervenschmerzen beziehungsweise Neuropathischen Schmerzen vor allem eine deutliche Linderung der Beschwerden und belastet kaum mit Nebenwirkungen. Allerdings ist eine völlige Beschwerdefreiheit aber trotzdem oft nicht realistisch erreichbar.

 

Capsaicin-Pflaster mit hoher Wirkstoffkonzentration von 8% gegen Nervenschmerzen, Neuropathische Schmerzen

Unter dem Strich haben fast alle aktuellen Studien die Wirksamkeit von Capsaicin-Pflaster mit hoher Wirkstoffkonzentration von 8% untersucht. Beispielsweise analysierte eine internationale retrospektive Studie die Wirksamkeit der Behandlung mit einem Capsaicin-Pflaster bei 43 Patienten, die an Nervenschmerzen infolge einer Gürtelrose (Herpes Zoster), einer Verletzung sowie eines chirurgischen Eingriffs litten. So zeigte sich, dass nach sieben bis 14 Behandlungstagen die Schmerzintensität um durchschnittlich 40 Prozent zurückging. Nervenschmerzen an der behandelten Stelle verringerten sich um mehr als ein Drittel (35 Prozent).

Dementsprechend brachte auch eine spanische Studie mit 60 Teilnehmern ähnliche Ergebnisse. Auch bei diesen konnte das Capsaicin-Pflaster sehr gut helfen. Die Studienteilnehmer litten hierbei unter verschiedenen Arten von Nervenschmerzen. Das Schmerzempfinden lag im Durchschnitt bei 6,8 Punkten zu Beginn der Behandlung und sank auf 4,1 Punkte bis Behandlungsende. Schließlich litten die Patienten mit Neuropathien auch erheblich unter mechanischer Allodynie. Das heißt, sie empfanden mechanische Reize wie leichtes Drücken oder Dehnen, die einem gesunden Menschen nicht wehtun würden, als schmerzhaft. Auf einer Skala von 0 bis 10 lag ihr Schmerzwert bei 7,9, das Capsaicin-Pflaster reduzierte den Wert auf 4,2.

Das Capsaicin-Pflaster wirkte auch gegen die übermäßige Schmerzempfindlichkeit der Patienten. Denn der Wert für Hyperalgesie sank von 7,5 auf 4,4. Mit dem Behandlungserfolg zufrieden waren 80 Prozent der Studienteilnehmer. Nur 20 Prozent gaben an, dass sich ihr Zustand kaum verbessert oder gar verschlechtert hatte. Dementsprechend zeigt die Studie auch, dass Capsaicin-Pflaster bei vielen Arten von peripheren Nervenschmerzen helfen können. Weiters können sie Ärzte und Patienten als Monotherapie oder in Kombinationen mit anderen Schmerzmitteln verwenden.

 

Capsaicin gegen periphere Nervenschmerzen

Eine jüngste skandinavische Studie untersuchte ebenfalls die Wirksamkeit, Sicherheit sowie Akzeptanz von einem Capsaicin-Pflaster mit 8% Wirkstoffkonzentration in der klinischen Praxis. Die Forscher untersuchten 382 beziehungsweise 181 Patienten aus Dänemark, Norwegen und Schweden, die mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit an peripheren neuropathischen Schmerzen litten. Die Betroffenen erhielten im Rahmen der üblichen medizinischen Versorgung das Schmerzpflaster als Behandlung beziehungsweise auch als Nachbehandlung. Bei 28 Prozent beziehungsweise 31 Prozent der behandelten beziehungsweise wiederbehandelten Patienten ließen die Schmerzen in den Wochen 2 bis 8 der Studiendauer um mindestens 30 Prozent nach.

Schließlich verbesserte sich die Lebensqualität und der allgemeine Gesundheitszustand von der ersten Woche an. Weiters gingen die häufigsten Nebenwirkungen wie Hautrötungen, Brennen sowie Jucken innerhalb einer Woche wieder zurück. 57 Prozent bzw. 71 Prozent der behandelten oder wiederbehandelten Patienten wären bereit, sich weiterhin mit dem Capsaicinpflaster behandeln zu lassen.

 

Capsaicin als Pflaster versus oral verabreichtem Pregabalin

Eine italienische Studie zeigte, dass das Capsaicin-Pflaster sogar oral verabreichtem Pregabalin bei Patienten, die unter dynamischer mechanischer Allodynie aufgrund von peripheren neuropathischem Schmerz litten, überlegen war. Solche Schmerzpatienten empfinden Schmerzen, selbst wenn man ihnen nur mit einem Pinsel über die Haut streicht.

Im Rahmen der randomisierten Studie wurden insgesamt 488 solcher Patienten behandelt. Ein Teil der Patienten erhielten einmal ein Capsaicinpflaster, während die anderen Patienten eine optimale Dosis Pregabalin einnahmen.

Schließlich hatte sich nach acht Wochen die Schmerzintensität bei den Patienten mit Capsaicinpflaster im Vergleich zur Kontrollgruppe fast um das Dreifache verringert. Außerdem konnten 24 Prozent der Patienten mit Capsaicinpflaster ihre Allodynie erfolgreich bekämpfen. Hingegen waren dies in der Kontrollgruppe nur zwölf Prozent.


Literatur:

Galvez et al. Repeated twith capsaicin 8% Patch in Localized Peripheral Neuropathic Pain. (WCP 2018, PSN5O8).

Tenreiro Pinto J, Pereira F, C, Loureiro M, C, Gama R, Fernandes H, L. Efficacy Analysis of Capsaicin 8% Patch in Neuropathic Peripheral Pain Treatment. Pharmacology 2018;101:290-297. doi: 10.1159/000487444.

Cruccu et al. Superiority of capsaicin 8% patch versus oral pregabalin on dynamic mechanical allodynia in patients with peripheral neuropathic pain. European Journal of Pain, 1. Dezember 2017, https://doi.org/10.1002/ejp.1155.

Hansson et al. Pain‐relieving effectiveness, quality of life and tolerability of repeated capsaicin 8% patch treatment of peripheral neuropathic pain in Scandinavian clinical practice. European Journal of Pain, 1. Februar 2018, https://doi.org/10.1002/ejp.1180

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