Capsaicin in Chili und Paprika wirkt positiv bei Diabetes

Modell zu B-Zellen, Insulin und Proteine (secretagogin) bei Diabetes. © UGREEN 3S-| shutterstock.com

Modell zu B-Zellen, Insulin und Proteine (secretagogin) bei Diabetes. © UGREEN 3S-| shutterstock.com

Capsaicin wirkt bei Diabetes positiv auf das Protein Secretagogin, deswegen sollten Diabetiker Paprika oder Chili häufiger verzehren.

Im Grunde genommen versucht die Forschung seit Jahrzehnten einen Wirkstoff zu finden, der die B-Zellen (Beta-Zellen) bei Diabetes schützt. Wiener Forscher konnten in einem internationalen Forscherteam unlängst zeigen, dass der Verlust des Proteins Secretagogin zu einem schnelleren Tod der B-Zellen führt. Und dass man bei Diabetes durch Steigerung des Proteins die B-Zellen schützen kann. Hier soll die Einnahme von Capsaicin positive Effekte für das Secretagogin bringen, was zukünftig dazu führen könnte, dass für Menschen mit Diabetes ein vermehrter Verzehr von Paprika oder Chili empfohlen wird.

 

Secretagogin gegen einen schnelleren Tod der B-Zellen

Katarzyna Malenczyk – von der Abteilung für Molekulare Neurowissenschaften am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien – und ihr internationales Forscherteam konnten in einer Studie zeigen, dass der Verlust des Proteins Secretagogin zu einem schnelleren Tod der B-Zellen führt und dass man bei Diabetes durch Steigerung des Proteins die B-Zellen schützen kann.

Die Langerhans-Inseln in der menschlichen Bauchspeicheldrüse regulieren durch die Ausschüttung von Insulin den Blutzuckerspiegel. Das Insulin, das sich in den B-Zellen bildet, dient vor allem dazu, Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen weiter zu schleusen und so den Blutzuckerspiegel automatisch zu senken. Bei einer Diabetes-Erkrankung ist dieser Kreislauf durch den frühzeitigen Tod der B-Zellen gestört.

Obwohl bereits Jahrzehnte danach geforscht wurde, gibt es derzeit noch kein Mittel, um Beta-Zellen bei Diabetes zu schützen. Daher ist das Verständnis für jeden Mechanismus, der zur Entwicklung eines Medikaments führen könnte, von enormem Wert.

 

Diabetes mit deutlich niedrigerem Niveau an Secretagogin

Die Forscher konnten im Tiermodellen und ebenfalls in B-Zellen von Diabetikern erstmals zeigen, dass bei einer Diabetes-Erkrankung ein deutlich niedrigeres Niveau an Secretagogin vorliegt. Das ließ den Schluss zu, dass der Level dieses Proteins in direktem Zusammenhang mit der Erkrankung stehen kann. Wenn man die Beta-Zellen aktiv halten kann, kann man auch deren Überleben sichern.

Das Protein Secretagogin selbst ist noch wenig erforscht. Die Forscher konnten aber bereits herausfinden, dass das Protein die B-Zellen schützt. Und das damit Secretagogin ein potenzielles Ziel für die Entwicklung einer effektiven Therapie für Diabetes ist.  Und zwar egal ob vorbeugend oder bereits bei einer bestehenden Diabetes-Erkrankung.

Secretagogin reguliert ob und wie die Beta-Zellen jene Proteine loswerden, die sie nicht für die Aufrechterhaltung ihrer physiologischen Funktionen benötigen. Das war das wichtigste Ergebnis der publizierten Studie.

Wenn Secretagogin ausgeschaltet ist, können sich toxische Proteine in den Beta-Zellen vermehren. Und das führt unweigerlich zu deren Tod. Wenn also die Ausschüttung von Secretagogin in Beta-Zellen bei Diabetes angekurbelt werden könnte, gäbe es einen aktiven und wirksamen Schutz der Zellen.

Das Protein Secretagogin ist eine Wiener Entdeckung. Und zwar erstmals im Jahr 2000 von Ludwig Wagner von der Universitätsklinik für Innere Medizin III nachgewiesen. Die aktuelle Studie demonstriert 17 Jahre danach die genaue Rolle des Proteins. Das molekulare Verständnis seiner Funktion soll dazu führen, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

 

Paprika- und Chili: Capsaicin bei Diabetes als Treibstoff für Secretagogin

Aber wie kann man das Secretagogin ankurbeln? Die Forscher konnten zeigen, dass die Aktivität des Proteins durch die Stimulation von TRPV-Ionenkanälen gelingen kann. TRPV1 ist ein Transmembranprotein, das neben dem Nervensystem auch in beta-Zellen der Pankreas ausgeschüttet wird. Wenn man diesen Rezeptor anregt, dann kommt es zu einer erhöhten Ausschüttung von Secretagogin. Das gelingt durch die Gabe von Capsaicin, einem Alkaloid, das in verschiedenen Paprika- und Chili-Arten vorkommt. Capsaicin bindet direkt an die TRPV1-Ionenkanäle und regt sie an, eine Vielzahl an Proteinen zu regulieren.

Eines der wichtigsten ist Secretagogin. Die Entdeckung könnte ein erster Schritt zu einer effizienten Diabetes-Therapie sein. Dazu sind natürlich noch Folgestudien nötig. Schließlich könnte das aber dazu führen, den vermehrten Verzehr von Paprika oder Chili beziehungsweise von Capsaicin für Diabetiker zu empfehlen. TRPV-1 ist auch deshalb ein viel versprechendes Ziel für potenzielle Medikamente, weil es bei Diabetes in den Beta-Zellen weiterhin vorhanden bleibt.


Literatur:

Katarzyna Malenczyk, Fatima Girach, Edit Szodorai, Petter Storm, Åsa Segerstolpe, Giuseppe Tortoriello, Robert Schnell, Jan Mulder, Roman A. Romanov, Erzsébet Borók, Fabiana Piscitelli, Vincenzo Di Marzo, Gábor Szabó, Rickard Sandberg, Stefan Kubicek, Gert Lubec, Tomas Hökfelt, Ludwig Wagner, Leif Groop, Tibor Harkany. A TRPV1-to-secretagogin regulatory axis controls pancreatic beta-cell survival by modulating protein turnover. EMBO Journal, 2017. DOI: 10.15252/emboj.201695347.


Quelle:

Abteilung für Molekulare Neurowissenschaften am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien

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