Capsaicin als Pflaster, Salbe oder Creme gegen Schmerzen bei Rheuma

Capsaicin – wichtigster Vertreter der Capsaicinoide kommt in verschiedenen Paprika-Arten wie Chilischoten natürlich vor. © Lotus Images / shutterstock.com

Capsaicin – wichtigster Vertreter der Capsaicinoide kommt in verschiedenen Paprika-Arten wie Chilischoten natürlich vor. © Lotus Images / shutterstock.com

Capsaicin sowie in Lebensmitteln enthaltenes Capsaicin wird von den Menschen seit tausenden von Jahren in der Volksmedizin, vor allem auch bei Rheuma und Schmerzen eingesetzt.

Erst in jüngerer Zeit hat sich unser Verständnis, wie Capsaicin unseren Organismus beeinflusst, erheblich verbessert. Zahlreiche Studien konzentrierten sich in den letzten Jahrzehnten vor allem mit der Wirkung von Capsaicin bei der topischen Behandlung von Schmerzen. Darüber hinaus gibt es verschiedene andere klinisch-therapeutische Anwendungen und Wirkungen von Capsaicin bei Krankheiten wie Rheuma, Fettleibigkeit, Diabetes, Leber- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Atemwegserkrankungen, Juckreiz, Magenbeschwerden und urologischen Störungen. Eine aktuelle Studie konnte beispielsweise eine gute Wirksamkeit und Sicherheit von transdermalem Capsaicin (gemeinsam mit Glucosaminsulfat, der TGC-Plus-Creme) bei der Behandlung chronischer Gelenk-Schmerzen und bei Rheuma-Erkrankungen (Arthrose, rheumatoide Arthritis) zeigen. Die Schmerzen gingen zurück und die Gelenkfunktion verbesserte sich auch durch die Linderung der Gelenksteifheit. Schließlich brauchten die Betroffenen auch weniger Schmerzmittel und mussten seltener zum Arzt.

 

Capsaicin gegen neuropathische sowie Gelenk- und Rheuma-Schmerzen im Blickpunkt

Capsaicin ist der scharfe Hauptbestandteil von „scharfen“ Chilischoten. Der natürliche Wirkstoff löst ein brennendes Schmerzgefühl aus, indem es selektiv sensorische Neuronen aktiviert. Diese übermitteln dann Informationen über schädliche Reize an das Zentralnervensystem.

Für die äußerliche, topische Anwendung bei Rheuma kommen vor allem Capsaicin-Scharfstoffe aus Capsicum-Arten (Solanaceae), Salicylsäureester und ätherische Öle in Betracht. Die Capsaicinoide werden ebenso wie das Resiniferatoxin aus Euphorbia resinifera zu den Vanilloiden gezählt. Gab es ursprünglich nur einzelne Hinweise, die für das Vorhandensein eines spezifischen Capsaicin-Rezeptors sprachen, so konnte später das Capsaicin-Rezeptor-Gen entschlüsselt werden.

Dieses Protein mit dem Molekulargewicht 95.000 besteht aus 838 Aminosäuren und wurde als Vanilloid-Rezeptor Subtyp I, kurz VR1 bezeichnet. Seine Stimulation erfolgt entweder durch das Binden einer ­Vanilloid-Teilstruktur oder durch Erhöhung der Temperatur. Es besteht daher die Vermutung, dass VR1 eigentlich im Körper für die Wahrnehmung von Hitzereizen zuständig ist und sie als Schmerz weiterleitet.

 

Wirkungsablauf bei Capsaicin

Der Wirkungsablauf kann vereinfacht in drei Phasen gegliedert werden:

Heutzutage gibt es für Capsaicin-haltige Zubereitungen wie Pflaster, Salben oder Cremen zahlreiche positive Studienergebnisse, die eine Wirksamkeit bei Rheuma-Erkrankungen, post­herpetischen Neuralgien und diabetischer Neuropathie nachweisen.

Dazu ist allerdings eine Anwendung in niedriger Konzentration über 3 bis 4 Wochen hindurch erforderlich. Den Desensibilisierungseffekt kann man offensichtlich ohne nennenswerte Beeinträchtigung der Haut nützen, wenn die Dosierung richtig ist.


Literatur:

Issa AY, ALSalamat HA, Awad WB, Haddaden RM, Aleidi SM. The impact of pharmaceutical care on the efficacy and safety of transdermal glucosamine sulfate and capsaicin for joint pain. Int J Clin Pharm. 2020 Aug 9. doi: 10.1007/s11096-020-01113-1. Epub ahead of print. PMID: 32776178.

Fattori V, Hohmann MS, Rossaneis AC, Pinho-Ribeiro FA, Verri WA. Capsaicin: Current Understanding of Its Mechanisms and Therapy of Pain and Other Pre-Clinical and Clinical Uses. Molecules. 2016 Jun 28;21(7):844. doi: 10.3390/molecules21070844. PMID: 27367653; PMCID: PMC6273101.

Caterina MJ, Schumacher MA, Tominaga M, Rosen TA, Levine JD, Julius D. The capsaicin receptor: a heat-activated ion channel in the pain pathway. Nature. 1997 Oct 23;389(6653):816-24. doi: 10.1038/39807. PMID: 9349813.

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