Cannabis sativa, Hanf, reich an Inhaltsstoffe

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Cannabis sativa – Arzneipflanze des Jahres 2018 – enthält in den weiblichen Blüten mehr als 100 Cannabinoide – insgesamt sind etwa 500 verschiedene Inhaltsstoffe bekannt.

Die Arzneipflanze des Jahres 2018, Cannabis sativa, enthält in den weiblichen Blüten mehr als 100 Cannabinoide (Terpenphenole), welche bisher nur in Cannabis gefunden wurden. Daneben findet man auch noch ätherisches Öl, sowie Flavonoide, Zucker etc. Insgesamt sind bereits ca. 500 verschiedene Inhaltsstoffe bekannt. Das am besten untersuchte Cannabinoid ist Delta9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC). Dieser wichtigste psychoaktive Wirkstoff in Cannabis wurde 1964 von Yehiel Gaoni und Raphael Mechoulam am WeizmannInstitut
für Wissenschaften in Israel entdeckt. Für Cannabidiol (CBD), ein nicht psychoaktives Cannabinoid, wurden u.a. entzündungshemmende, anti-psychotische und anti-konvulsive Wirkungen nachgewiesen. THC und Cannabidiol besitzen ein unterschiedliches Wirkspektrum und sind daher auch für unterschiedliche medizinische Einsatzgebiete geeignet. Die wichtigsten pharmakologischen Effekte von THC und Cannabidiol sind in der Tabelle aufgelistet.

 

Variable Qualität der getrockneten Hanf-Pflanze

Die Zusammensetzung der Cannabis-Pflanze unterliegt großen Schwankungen, daher ist auch die Qualität
hochvariabel. Tetrahydrocannabinol liegt in der Cannabis-Pflanze überwiegend als THC-Säure (THCA), einer
Vorläufersubstanz von THC vor. THCA findet sich in unterschiedlichen Mengen in frischem, ungetrocknetem
Cannabis und wird während des Trocknungsprozesses teilweise zu THC dekarboxyliert, insbesondere bei
starker Hitze, beispielsweise beim Rauchen oder bei der Herstellung von essbaren Cannabis-Produkten. Daraus
ergeben sich für Patienten Probleme bei der Dosierung. Dies ist insbesondere in Deutschland relevant, wo
getrocknetes Cannabiskraut auch in der Apotheke bezogen werden kann. Die empfohlene Dosierung laut
Deutschem Arzneimittel-Codex (DAC) beträgt zweimal täglich 5-10 mg THC. 5 mg THC entsprechen z.B. bei
einer THC-reichen Sorte (etwa 22 % THC) 22,7 mg der getrockneten Pflanze, bei einer THC-armen Sorte (etwa
6,3 % THC) jedoch 79,4 mg der getrockneten Hanf-Pflanze. Aus diesen Gründen sind Zubereitungen der Reinsubstanzen der Vorzug zu geben, weil nur damit eine genaue Dosierung und eine rationale Arzneimitteltherapie möglich ist.

 

Endocannabinoid-System

In den 1990er-Jahren entdeckten Wissenschaftler im menschlichen Nervensystem spezielle Rezeptoren, an die
THC bindet, die sogn. Cannabinoid-Rezeptoren. In der Folge fanden Mechoulam und sein Forschungsteam
körpereigene, „endogene“ Liganden: Anandamid (Arachidonoylethanolamid, AEA), angelehnt an den Begriff
aus dem indischen Sanskrit „ananda“ für Glückseligkeit, und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG). Die Entdeckung
war der Startschuss für die bis heute anhaltende Erforschung des Endocannabinoid-Systems.
Das Endocannabinoid-System ist ein körpereigenes Regulationssystem, das neben der Funktion im
Zentralnervensystem auch an der Steuerung des Immunsystems und des apoptotischen Zelltods beteiligt ist.
Die Endocannabinoide Anandamid und 2-AG sind volle Agonisten an den Rezeptoren CB1 und CB2, während
der Cannabis-Inhaltsstoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol ein partieller Agonist an beiden Rezeptortypen ist.

Zwei Rezeptortypen – CB1 und CB2:

  • CB1-Rezeptoren finden sich hauptsächlich auf Nervenzellen (Kleinhirn, Hippocampus), aber auch im
    Darm. Sie spielen im Hypothalamus für die Appetitregulierung eine Rolle, in der Amygdala für
    Gedächtnisleistung und emotionale Verarbeitung sowie in Nervenenden für die Schmerzempfindung
    eine Rolle.
  • CB2-Rezeptoren sind v.a. auf Zellen des Immunsystems (z.B. Mastzellen) und in der Peripherie
    lokalisiert.

Tierexperimentelle Studien haben vielversprechende Ergebnisse bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen des
ZNS und des Magen-Darm-Traktes sowie in der Therapie von Gliomen geliefert. Daher besteht die Hoffnung,
dass spezifische CB1- oder CB2-Rezeptoragonisten oder -antagonisten ganz neue therapeutische Perspektiven eröffnen.

Quelle:

Statement » Cannabis sativa: Inhaltsstoffe und pharmakologische Wirkung « von Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bauer, Vizepräsident der HMPPA, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz.

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