Cannabis-Konsum in der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Schlafstörungen bei Kindern

Hormone und Cannabis machen gemeinsam Frauen schneller high. Sie reagieren wesentlich empfindlicher auf den Cannabis-Wirkstoff THC als Männer. © Couperfield / shutterstock.com

Durch Cannabis-Konsum in der Schwangerschaft erhöhen werdende Mütter das Risiko von späteren Schlafstörungen bei ihren Kindern in zehn Jahren.

Laut einer neuen Studie der University of Colorado Boulder an fast 12.000 Jugendlichen führt Cannabis-Konsum bei Frauen in der Schwangerschaft zu einem deutlich höheren Risiko, dass ihre Kinder ein Jahrzehnt später an Schlafstörungen leiden.

Diese neueste Studie in Sleep Health, dem Journal der National Sleep Foundation, bringt Cannabis-Konsum bei Frauen in der Schwangerschaft mit verschiedenen Entwicklungsproblemen bei Kindern in Verbindung. Vor allem zeigen die Ergebnisse, dass Cannabis-Konsum die Schlafzyklen von Kindern langfristig beeinflussen kann.

Die Studienergebnisse werden nun zu einer Zeit veröffentlicht, in der der Cannabis-Konsum von Frauen während der Schwangerschaft in den USA auf 7% aller schwangeren Frauen gestiegen ist. Nicht zu letzt wegen Legalisierungen sowie die Verfügbarkeit von Cannabis in Apotheken gegen Übelkeit am Morgen. Der Anteil der Frauen, die Alkohol trinken und Zigaretten rauchen, ist in den USA übrigens zurückgegangen.

 

Mit gesunden Menschenverstand Cannabis-Konsum in der Schwangerschaft vermeiden

„Als Gesellschaft haben wir eine Weile gebraucht, um zu verstehen, dass Rauchen und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft nicht ratsam sind. Heute sagt uns das aber der gesunde Menschenverstand“, sagte der leitende Studienautor John Hewitt, Direktor des Instituts für Verhaltensgenetik an der CU Boulder. „Studien wie diese legen aber auch nahe, dass es ratsam ist, diesen gesunden Menschenverstand auch auf Cannabis anzuwenden, auch wenn der Konsum in der Schwangerschaft jetzt legal ist.“

 

Daten aus der ABCD-Studie

Für die Studie analysierten Hewitt und der Erstautor Evan Winiger Basisdaten aus der wegweisenden ABCD-Studie (Adolescent Brain and Cognitive Development), die 11.875 Jugendliche ab 9 oder 10 Jahren bis ins frühe Erwachsenenalter begleitet.

Im Rahmen eines umfassenden Fragebogens bei der Aufnahme wurden die Mütter der Teilnehmer gefragt, ob und wie häufig sie jemals Marihuana während der Schwangerschaft konsumiert hatten. Die Mütter wurden auch gebeten, eine Umfrage zu den Schlafmustern ihres Kindes auszufüllen. Dabei bewerteten sie 26 verschiedene Punkte. Von der Frage, wie leicht ihre Kinder einschliefen und wie lange sie schliefen, bis hin zu der Frage, ob sie nachts häufig schnarchen oder aufwachen und wie schläfrig sie während des Schlafes waren Tag.

Ungefähr 700 Mütter gaben an, während der Schwangerschaft Marihuana konsumiert zu haben. Von diesen konsumierten 184 Cannabis täglich und 262 zweimal oder mehrmals täglich.

„Mütter mit Cannabis-Konsum während der Schwangerschaft berichteten signifikant häufiger von klinischen Schlafproblemen ihrer Kinder“, sagte Winiger, ein Doktorand in der Abteilung für Psychologie und Neurowissenschaften.

Diejenigen, die häufig Marihuana konsumierten, berichteten häufiger über Schläfrigkeitssymptome (Symptome übermäßiger Schläfrigkeit) bei ihren Kindern. Wie beispielsweise Probleme beim Aufwachen am Morgen und übermäßige Müdigkeit während des Tages.

 

Pharmakokinetik und Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung

Die Legalisierung von Cannabis-Konsum macht es dringend notwendig, dass man die Auswirkungen von Cannabis auf die menschliche Gesundheit – Körper, Geist und Seele – besser versteht.

Die Risiken, die mit dem Cannabis-Konsum verbunden sein könnten, insbesondere für speziell Gruppen wie schwangere Frauen, sind aufgrund des Mangels an Dosis-Wirkungs-Daten und der jüngsten Zunahme der Cannabis-Potenz schwer zu definieren.

Die Auswirkungen von Cannabis-Konsum in der Schwangerschaft auf die Entwicklung des fetalen Nervensystems ist nicht restlos geklärt. Trotz wachsender Bedeutung für die öffentliche Gesundheit haben sich pharmakokinetische Studien zum THC in Cannabis auf nicht schwangere erwachsene Probanden konzentriert.

Im Grunde genommen zwigen präklinische Daten, dass THC die Plazenta passiert leicht. Wenngleich die Exposition des Fötus geringer erscheint als die Exposition der Mutter.

Die Kenntnisse zur neurologischen Entwicklung bei Menschen legen aber nahe, dass eine vorgeburtliche Exposition gegenüber THC zu subtilen, anhaltenden Veränderungen bei gezielten Aspekten der Kognition auf höherer Ebene und des psychischen Wohlbefindens führen kann.

Es besteht jedenfalls ein dringender Bedarf an gut kontrollierten Studien am Menschen. Bis weitere Informationen verfügbar sind, sollten schwangere Frauen nicht davon ausgehen, dass der Konsum von Cannabis in der Schwangerschaft problemlos ist.


Literatur:

Evan A. Winiger, John K. Hewitt. Prenatal cannabis exposure and sleep outcomes in children 9–10 years of age in the adolescent brain cognitive development SM study. Sleep Health, Available online 28 June 2020

Grant KS, Petroff R, Isoherranen N, Stella N, Burbacher TM. Cannabis use during pregnancy: Pharmacokinetics and effects on child development. Pharmacol Ther. 2018;182:133-151. doi:10.1016/j.pharmthera.2017.08.014


Quelle: University of Colorade in Boulder

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