Mit Cannabinoide gegen Attacken durch Migräne vorbeugen

Man geht davon aus, dass Frauen verglichen mit Männern etwa dreimal so häufig an Migräne erkranken. © Luxorphoto / shutterstock.com

Man geht davon aus, dass Frauen verglichen mit Männern etwa dreimal so häufig an Migräne erkranken. © Luxorphoto / shutterstock.com

Eine aktuelle Studie ergab, dass man mit Cannabinoide Migräne-Attacken genauso gut wie mit gängigen Medikamenten vorbeugen kann.

Im Grunde genommen publizieren Forscher Immer wieder Studien, in der Cannabinoide Attacken durch Migräne sehr gut verhindern konnten. Und zwar ähnlich wie der Einsatz von herkömmlichen, für diese Beschwerden bekannt wirksamen Medikamenten. Zur Bekämpfung von akuten Clusterkopfschmerzen eigenen sich Cannabinoide allerdings nur bei Patienten, die in der Kindheit unter Migräne litten.

Übrigens diskutiert man in ganz Europa die Liberalisierung der Nutzung von Cannabis für medizinische Zwecke. Einerseits wägen die Politik und die Gesundheitsbehörden Argumente Pro und Contra ab. Andererseits erweitern Wissenschaftler laufend das medizinische Wissen über den Einsatz von Cannabinoiden. Dementsprechend unterstreicht eine rezente kanadische Arbeit die guten Ergebnisse von Cannabis und Cannabinoiden bei Kopfschmerzen wie auch Migräne.

Therapie von akuten und chronischen Schmerzen bei COVID-19

Zusammenhang der Cannabinoide und Migräne

Unter dem Strich könnten sich Cannabiswirkstoffe zur Vorbeugung oder Akutbehandlung von Migräne und Clusterkopfschmerz eignen. Beispielsweise haben Forscher in einer Studie untersucht, welche Dosis zur wirksamen Bekämpfung der Kopfschmerzen nötig ist. Dabei erhielten 48 freiwillige Migräne-Patienten zunächst zehn Milligramm einer Kombination aus zwei Präparaten, von denen das eine 19 Prozent Tetrahydrocannabinol (THC), das andere so gut wie kein THC, dafür aber 9 Prozent Cannabidiol (CBD) enthielt. Dabei stellte sich heraus, dass Dosen unter 100 mg wirkungslos blieben. Erst die orale Gabe von 200 mg reduzierte akute Schmerzen um 55 Prozent.

In einer weiteren Studie hat man 79 Patienten mit chronischer Migräne drei Monate lang entweder mit täglich 25mg Amitriptylin – einem tryzyklischen Antidepressivum, das oft zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt wird – oder 200mg der THC-CBD-Kombination behandelt.

Zudem erhielten 48 Patienten mit Clusterkopfschmerz entweder ebenfalls 200mg THC-CBD oder täglich 480 mg Verapamil. Letzter ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Kalziumantagonisten. Bei akuten Schmerzen wurden bei beiden Kopfschmerzarten weitere 200mg TCH-CBD verabreicht.

 

Die Ergebnisse nach dreimonatiger Behandlung und einem Follow-Up nach weiteren vier Wochen fielen vielschichtig aus.

Unter dem Strich konnte die Kombination von TCH und CBD in der Vorbeugung von Migräne die Attacken um 40,4 Prozent verbessern. Wobei das sogar geringfügig besser wirkte als das Amitriptylin mit 40,1 Prozent. Hingegen konnte TCH und CBD aber die Schwere und die Anzahl von Attacken durch Clusterkopfschmerzen nur in geringem Ausmaß senken.

Bei der Auswertung der Anwendung gegen akute Schmerzen stießen die Forscher zudem auf ein interessantes Phänomen. Denn bei Patienten mit Migräne reduzierten die Cannabinoide die Schmerzintensität um 43,5 Prozent. Bei Patienten mit Clusterkopfschmerz gelang hingegen das in exakt dem gleichen Ausmaß. Allerdings nur bei jenen, die in der Kindheit unter Migräne gelitten hatten. Ohne diese Vorgeschichte blieben THC&CBD im Akutfall völlig wirkungslos.

Jedenfalls konnten die Forscher zeigen, dass Cannabinoide zur Vorbeugung von Migräne eine Alternative zu herkömmlichen Behandlungen sein können. Zur  akuten Behandlung von Clusterkopfschmerzen sind sie nur bei Patienten mit bereits früher erkrankten Patienten mit Migräne geeignet.

Von auftretender Müdigkeit und Konzentrationsschwächen abgesehen, waren im Grunde genommen die im Studienzeitraum zu beobachtenden Nebenwirkungen übrigens durchwegs positiv. Vor allem bei Frauen nahmen schließlich auch Magenschmerzen, Darmentzündungen sowie Schmerzen des Bewegungsapparates ab.

Die Rolle von Cannabis im Zusammenhang mit Immunität, Immunsystem und Infektionen


Literatur:

Melinyshyn AN, Amoozegar F. Cannabinoid Use in a Tertiary Headache Clinic: A Cross-Sectional Survey. Can J Neurol Sci. 2021 Sep 13:1-10. doi: 10.1017/cjn.2021.215. Epub ahead of print. PMID: 34511153.

Baraldi C, Lo Castro F, Negro A, Ferrari A, Cainazzo MM, Pani L, Guerzoni S. Oral cannabinoid preparations for the treatment of chronic migraine: a retrospective study. Pain Med. 2021 Aug 4:pnab245. doi: 10.1093/pm/pnab245. Epub ahead of print. PMID: 34347088.

Kuruvilla DE, Mehta A, Ravishankar N, Cowan RP. A patient perspective of complementary and integrative medicine (CIM) for migraine treatment. A social media survey. BMC Complement Med Ther. 2021 Feb 10;21(1):58. doi: 10.1186/s12906-021-03226-0. PMID: 33568112; PMCID: PMC7877058.

Cuttler C, Spradlin A, Cleveland MJ, Craft RM. Short- and Long-Term Effects of Cannabis on Headache and Migraine. J Pain. 2020 May-Jun;21(5-6):722-730. doi: 10.1016/j.jpain.2019.11.001. Epub 2019 Nov 9. PMID: 31715263.

Pergolizzi JV Jr, Lequang JA, Taylor R Jr, Raffa RB, Colucci D; NEMA Research Group. The role of cannabinoids in pain control: the good, the bad, and the ugly. Minerva Anestesiol. 2018 Aug;84(8):955-969. doi: 10.23736/S0375-9393.18.12287-5. Epub 2018 Jan 16. PMID: 29338150.

Baron EP. Medicinal Properties of Cannabinoids, Terpenes, and Flavonoids in Cannabis, and Benefits in Migraine, Headache, and Pain. An Update on Current Evidence and Cannabis Science. Headache. 2018 Jul;58(7):1139-1186. doi: 10.1111/head.13345. PMID: 30152161.


Quelle:

3rd EAN Congress Amsterdam 2017, Abstract Nicolodi, et al.; Therapeutic Use of Cannabinoids – Dose Finding, Effects and Pilot Data of Effects in Chronic Migraine and Cluster Headache. EAN Kongress

Die mobile Version verlassen