Cannabinoid bei neuropathischen Schmerzen

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Unabhängig von einer Cannabis-Legalisierung sollten Cannabinoid-Medikamente künftig gegen neuropathische Schmerzen eine wichtigere Rolle spielen können.

Schließlich ergab unlängst eine italienische Studie, dass das Cannabinoid-Medikament Dronabinol die sogenannte nozizeptive Übertragung von Schmerzreizen beim Menschen hemmen kann. Bekanntlich entsteht nozizeptiver Schmerz durch Stimulation der Schmerzrezeptore , den Nozizeptoren. Demensprechend könnten die Wirkstoffe auch in der Behandlung von neuropathischen Schmerzen eine wichtigere Rolle spielen könnten. Bislang haben Schmerzexperten den Einsatz von Cannabinoiden bei neuropathischen – durch Schädigungen von Nerven bedingten – Schmerzen widersprüchlich diskutiert. Denn die Evidenz für diese Behandlung des neuropathischen Schmerzes ist nach wie vor recht gering.

 

Wirksamkeit und Cannabis-Legalisierung

Bis heute konnte die Forschung die klinische Wirksamkeit von Cannabinoiden in verschiedenen Anwendungsgebieten wissenschaftlich zeigen. Gut belegt sind vor allem Brechreiz hemmende, Appetit steigernde sowie krampflösende Effekte.

Cannabinoide lindern den Schmerz, Spastik sowie Angst, stimulieren den Appetit und unterdrücken Übelkeit sowie Erbrechen. Außerdem verbessern sie die Lebensqualität und sind in multimodale  Behandlungskonzepte gut integrierbar. Besonders synergetisch ist die Kombination des Hanfpflanzen-Bestandteils THC mit einer Opioid-Therapie. Anders als Opioide führen Cannabinoide auch bei Überdosierung zu keiner potenziell lebensgefährlichen Atemdepression und auch zu keiner Unterdrückung der wichtigen Abwehrfunktion gegen infektiöse Keime.

Die Diskussion zur Cannabis-Legalisierung sollte keine ungünstigen Auswirkungen auf den Einsatz von Cannabinoid-Medikamenten in der Schmerz- und Palliativmedizin haben. Es gibt ja bereits heute wirksame, standardisierte Medikamente mit wissenschaftlich belegter Wirksamkeit.

 

Cannabinoid-Medikamente und Krebs

Schließlich zeigten Cannabinoide bei Krebserkrankungen in verschiedenen Studien gute schmerzlindernde Effekte. Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist die Behandlung von Krebspatienten, die trotz starker Opioide noch an Schmerzen leiden. Denn zwei von drei Krebspatienten klagen über Schmerzen, wobei ein Drittel von ihnen unter moderaten bis schweren Symptomen leidet.

Wenn man in der Schmerztherapie den aktuellen Empfehlungen folgt, setzt man bei starken Schmerzen vor allem Opioide ein. Hinzu kommen zusätzliche Mittel wie nicht-steroidale Antirheumatika, Antikonvulsiva sowie auch Antidepressiva. Es bleibt eine Minderheit von etwa zehn bis 20 Prozent von Patienten, die trotz aller Bemühungen weiterhin über eine deutliche Schmerzsymptomatik klagen. Für sie könnten industriell hergestellte Medikamente und/oder magistraliter in Apotheken produzierte Mittel mit Cannabinoiden Linderung bringen.

Erst kürzlich fasste eine Übersichtsarbeit die Ergebnisse der wenigen klinischen Studien zu Cannabinoide bei Krebs zusammen. Dabei zeigte sich ein schwacher schmerzlindernder Effekt.

Cannabinoid-Medikamente sind also grundsätzlich bezüglich schmerzstillender Wirksamkeit den starken Opioiden unterlegen. Allerdings können sie bei Krebsschmerzen als zusätzliche Medikation eine Verbesserung der Symptomkontrolle bewirken.

Quelle und Literatur:

Di Stefano et al, Cannabinoid Dronabinol inhibits nociceptive transmission in humans. A double blind randomized controlled study. Abstract PO39 EFIC Congress.

Sydney Tateo. State of the evidence: Cannabinoids and cancer pain – A systematic review. Journal of the American Association of Nurse Practitionners. J Am Assoc Nurse Pract. 2017 Feb;29(2):94-103. doi: 10.1002/2327-6924.12422. Epub 2016 Nov 10.

https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/druginfo/meds/a607054.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2755639/

http://bja.oxfordjournals.org/content/101/1/59.full.pdf

Medizinisches Cannabis bei chronischen Schmerzen

Cannabis gegen Schmerzen bei Rheuma

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Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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