Bronchiale Rheoplastie: neue Therapie gegen chronische Bronchitis

Atemnot bei körperlicher Belastung kann darauf hinweisen, dass eine chronische Bronchitis in eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) übergegangen ist. © afcom

Atemnot bei körperlicher Belastung kann darauf hinweisen, dass eine chronische Bronchitis in eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) übergegangen ist. © afcom

Die endoskopische bronchiale Rheoplastie mit Verödung von krankhafter Bronchialschleimhaut stellt eine neue Therapie gegen chronische Bronchitis dar.

Die bronchiale Rheoplastie ist ein endoskopisches Verfahren im Zuge einer Bronchoskopie, das die Möglichkeiten der Therapie gegen chronische Bronchitis deutlich verbessert. Dabei verwendet man einen endobronchialen Katheter, um während einer Bronchoskopie, der Lungenspiegelung (Bronchoskopie, krankhafte Schleimhaut der Atemwege zu veröden. Präklinische Studien zeigten dazu bereits eine epitheliale Ablation gefolgt von einer Regeneration des normalisierten Epithels. Eine erste Studie lieferte aktuell den klinischen Beweis für die Durchführbarkeit und Sicherheit der bronchialen Rheoplastie bei symptomatischen Patienten mit chronischer Bronchitis.

 

Chronische Bronchitis und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

Produktiver Husten mit übermäßiger Schleimproduktion und Auswurf sind typisch für die chronische Bronchitis. Man spricht auch von Raucherhusten, der die Lebensqualität der Betroffenen, oft sind es Raucher, sehr beeinträchtigt. Dabei besteht ein erhöhtes Exazerbationsrisiko, dass bei Verschlimmerung zu einer COPD führen kann.

Die wichtigsten Symptome der chronische Bronchitis, Husten und Auswurf, treten unterschiedlich stark aus, was sich am Ausmaß der Beschwerden wiederspiegelt. Im Grunde genommen ist das Rauchen der Hauptverursacher der Lungebeschwerden.

Neben Rauchen und Passivrauchen tragen auch andere Schadstoffe in der Luft wie Industrieabgase oder Mineralstäube zur Entstehung einer chronischen Bronchitis bei. Wobei sich die Symptome einer chronischen Bronchitis sich über Monate, oft sogar über Jahre entwickeln.

Üblicherweise husten die Betroffenen einen zähen weißlichen oder verfärbten Schleim ab, das ist eben der typische Raucherhusten. Zudem ist Atemnot bei körperlicher Belastung ein möglicher Hinweis darauf, dass die chronische Bronchitis in eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) übergegangen ist. In der kalten Jahreszeit können akute Atemwegsinfektionen die Beschwerden zudem deutlich verstärken. Als Therapie der chronischen Bronchitis ist primär ein Rauchstopp angezeigt. Wenn allerdings bereits eine COPD diagnostiziert wird, dann gilt die Inhalationstherapie als Basis der medikamentösen Behandlung.

„Bei vielen Patientinnen und Patienten stößt die Inhalationstherapie jedoch an ihre Grenzen, Husten und Atemnot bessern sich kaum. Diesen PatientInnen kann die bronchiale Rheoplastie helfen, die wir gerade in einer Studie testen. Wir wenden diese Therapie weltweit zum ersten Mal zur Behandlung von chronischer Bronchitis an“, erklärte Doz. Dr. Arschang Valipour, Oberarzt an der 1. Internen Lungenabteilung des Otto-Wagner-Spitals in Wien und Forschungsgruppenleiter am Ludwig Boltzmann Institut für COPD und Pneumologische Epidemiologie, bereits beim ERS in Paris 2018 den Eingriff.

 

Die bronchiale Rheoplastie wird endoskopisch während der Bronchoskopie durchgeführt

In den letzten Jahren untersuchte Valipour am Ludwig Boltzmann Institut für COPD und Pneumologische Epidemiologie am Otto-Wagner-Spital in Wien gemeinsam mit klinischen Forschungseinrichtungen in den USA und Australien die Auswirkungen der bronchialen Rheoplastie, dieser endoskopischen Therapie der chronischen Bronchitis. Die bronchiale Rheoplastie ist ein Verfahren, das während einer Lungenspiegelung, der Bronchoskopie, in Allgemeinnarkose durchgeführt wird und bei dem die krankhafte Schleimhaut der Atemwege verödet wird. Elektrische Impulse werden über einen Katheter an die Bronchialschleimhaut abgegeben, die krankhafte Schleimhaut stirbt ab und gesunde Schleimhaut wächst nach. Nach der Therapie führt der körpereigene Reparaturmechanismus zu einer Heilung der vormals mit schleimproduzierenden Zellen übersäten Schleimhaut und somit zu einer Abnahme der Beschwerden.

Im Rahmen der internationalen Studie untersuchten die Studien-ÄrztInnen unter der Leitung von Valipour die Sicherheit und Wirksamkeit der bronchialen Rheoplastie bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Bronchitis. Und zwar machten die Wissenschaftler eine gepoolte Analyse von zwei getrennten Studien mit 30 Patienten. Es zeigte sich, dass die bronchiale Rheoplastie nach sechs Monaten eine deutliche Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität brachte. Die Beurteilung bestand dabei nicht nur aus subjektiven sondern auch auf objektivierbaren Verbesserungen der krankheitsspezifischen Marker im Anschluss an die Behandlung. Beispielsweise kam es zu einer durchschnittlichen Verbesserung des Volumens der Atemwege um 25 Prozent.

Die bronchiale Rheoplastie erwies sich jedenfalls als sicheres sowie auch als wirksames Verfahren. Die Therapie sollte eine wesentliche Bereicherung der Behandlungsmöglichkeiten gegen chronische Bronchitis darstellen.


Literatur:

Valipour A, Fernandez-Bussy S, Ing AJ, Steinfort DP, Snell GI, Williamson JP, Saghaie T, Irving LB, Dabscheck EJ, Krimsky WS, Waldstreicher J. Bronchial Rheoplasty for Treatment of Chronic Bronchitis. Twelve-Month Results from a Multicenter Clinical Trial. Am J Respir Crit Care Med. 2020 Sep 1;202(5):681-689. doi: 10.1164/rccm.201908-1546OC. PMID: 32407638; PMCID: PMC7462406.

Slebos DJ, Shah PL, Herth FJF, Pison C, Schumann C, Hübner RH, Bonta PI, Kessler R, Gesierich W, Darwiche K, Lamprecht B, Perez T, Skowasch D, Deslee G, Marceau A, Sciurba FC, Gosens R, Hartman JE, Srikanthan K, Duller M, Valipour A; AIRFLOW-2 Study Group. Safety and Adverse Events after Targeted Lung Denervation for Symptomatic Moderate to Severe Chronic Obstructive Pulmonary Disease (AIRFLOW). A Multicenter Randomized Controlled Clinical Trial. Am J Respir Crit Care Med. 2019 Dec 15;200(12):1477-1486. doi: 10.1164/rccm.201903-0624OC. PMID: 31404499; PMCID: PMC6909835.

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