Borderline bei Männern seltener erkannt und behandelt

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Borderline bei Männern zeigt sich durch verschiedene Arten von Selbstverletzungen sowie dem massiven Konsum von Alkohol, Drogen und Medikamenten.

Das Borderline-Syndrom gilt als typisch weibliche Persönlichkeitsstörung. Experten schätzen die Zahl der in den deutschsprachigen Ländern auf knapp 2 Millionen. Und zwar überwiegend Frauen zwischen 15 und 25 Jahren. Über den Anteil von Borderline bei Männern ist nach wie vor nicht viel erkannt. Doch nach Überzeugung von Experten ist Borderline bei Männern wesentlich häufiger als bislang vermutet wird. Denn oft glaubt man bei Männern, dass sie an eine asoziale Persönlichkeitsstörung haben.



Beispielsweise hat eine rezente Metaanalyse phänomenologische, epidemiologische, biologische und entwicklungsbedingte Borderline-Faktoren analysiert. Dabei zeigte sich, dass Männer mit Borderline eher zu Substanzmissbrauch neigten (Alkohol, Drogen). Die Erkrankung wirkt sich vor allem auf das Umfeld aus. Denn sie zeigen unsoziale Persönlichkeitsmerkmale, gewaltsame Selbstverletzungen sowie zwischenmenschliche Aggressionen. Während Frauen eher „internalisieren“.

 

Therapie und Diagnose von Borderline bei Männern

Bei der Behandlung und der Diagnose von Borderline bei Männern besteht immer noch ein großer Nachholbedarf. C. H. Hughes bezeichnete 1884 einen Grenzbereich zu psychischen Krankheiten mit dem Begriff Borderland. Der Ende der 1930er Jahre geprägte Begriff Borderline (»Grenzlinie«) geht auf den amerikanischen Psychoanalytiker William Louis Stern zurück, der damit psychische Störungen umschrieb, die zwischen Neurose und Psychose schwanken.

Heutzutage gilt das Borderline-Syndrom, dessen genaue Ursachen noch immer unklar sind, als eigenständiges Krank­heitsbild: an Borderline erkrankte Betroffene leiden unter einer fast unerträglichen inneren Spannung, die sich abwechselnd in großer Euphorie und tiefer Niedergeschlagenheit äußert. Vor allem weibliche Patienten versuchen diese Spannung zu überwinden, indem sie sich selbst Schmerzen zufügen. Die so genannte Selbstverletzungsrate liegt bei 69 bis 80 Prozent.

Fast alle Erkrankten sind extrem suizidgefährdet, knapp zehn Prozent bringen sich tatsächlich um. Borderliner sind meist sehr empfindsame Menschen, Wobei man sie in frühester Kindheit oft misshandelt, miss­braucht oder schwer vernachlässigt hat.

Deswegen überkommen ihnen auch schon bei kleinsten Anzeichen von Kritik oder zwischenmenschlichen Konflikten sehr unangenehme Gefühlen, die beträchtliche Spannungen hervorrufen. Doch die Patienten können meist nicht sagen, ob sie ängstlich, wütend oder verzweifelt sind. Sie können diese Gefühle gar nicht unterscheiden.



 

Aggressionen gegen die Umwelt

Borderline bei Männern richtet sich jedenfalls – im Gegensatz zu Frauen – mit Aggressionen weniger gegen den Erkrankten selbst, sondern gegen die Umwelt. Die typischen Spannungszustände bauen betroffene Männer eher durch die Einnahme von illegalen Drogen und Alkohol ab. Viele der Patienten kommen häufiger mit dem Gesetz in Konflikt, bevor sie psychiatrisch behandelt werden.

Für Borderline bei Männern – lange Zeit als schwer therapierbar angesehen – gilt heutzutage als eine Krankheit mit guter Prognose. In der Therapie geht es vor allem darum, die emotionale Belastbarkeit zu erhöhen und den Patienten im Vorfeld von Spannungszuständen andere Lösungen anzubieten. Als beispielsweise Aggressionen auszuleben.

Wichtige Optionen zur Behandlung sind Gruppen- und Einzeltherapien, Körper- sowie Suchttherapien. Außerdem gehören Ausflüge zu vielen anderen Maßnahmen, die den Patienten zu einer besseren Selbstwahrnehmung führen. Eine wichtige Rolle spielt dabei affektive und kognitive Empathie.

Am Ende einer Behandlung von Borderline bei Männern sollten Betroffene in der Lage sein, Suizidgedanken und Aggressivität gegen andere Menschen durch weniger schädliche Verhaltensweisen zu ersetzen.

Literatur:

Armenti NA, Babcock JC. Psychophysiological Reactivity Profiles of Partner-Violent Men With Borderline or Psychopathic Personality Features. The Role of Empathy. Int J Offender Ther Comp Criminol. 2018 Aug;62(11):3337-3354. doi: 10.1177/0306624X17740029. Epub 2017 Nov 8.

Bayes A, Parker G. Borderline personality disorder in men: A literature review and illustrative case vignettes. Psychiatry Res. 2017 Nov;257:197-202. doi: 10.1016/j.psychres.2017.07.047. Epub 2017 Jul 26.

Randy A. Sansone, Lori A. Sansone. Gender Patterns in Borderline Personality Disorder. Innov Clin Neurosci. 2011 May; 8(5): 16–20. Published online 2011 May.

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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