Blutzuckermessung – wichtiges Instrument bei Diabetes

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Dr. Darko Stamenov
Dr. Darko Stamenov
MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Angesichts der dramatischen Zunahme bei Typ 2-Diabetes wird die Blutzuckermessung zu einem unverzichtbaren Bestandteil bei Prävention und Therapie.

Die Definition des Diabetes mellitus als Stoffwechselerkrankung mit chronischer Hyperglykämie macht die Blutzuckermessung zum unverzichtbaren Bestandteil der Diagnose. Anderen Laborbefunde – wie HbA1c und Harnglukose sowie diabetesspezifischen klinischen Befunden, wie diabetischer Retinopathie – wird damit die Rolle von Surrogatparametern in der Diagnostik zugewiesen.

 

Aufgaben der Blutzuckermessung

Angesichts der dramatischen Zunahme der Prävalenz des Typ 2-Diabetes mit all seinen gefürchteten Komplikationen wird die Blutzuckermessung zu einem unverzichtbaren Bestandteil jeder Präventionsstrategie. Solche Diabeteskomplikationen sind Herzinfarkt, Schlaganfall, Fußamputation, Nierenversagen sowie Erblindung.

Die Blutzuckermessung ist heutzutage aber auch die Therapieüberwachung des Diabetes entscheidend. Denn zahlreiche Langzeitstudien belegten den Zusammenhang zwischen Hyperglykämie und ­diabetischen Spätkomplikationen.

Und schließlich ist die Hypoglykämie als gefürchtete Komplikation der Therapie mit Sulfonylharnstoffen und Insulin ausschließlich über eine aktuelle Blutzuckermessung erfassbar.

 

Blutzuckermessung im Stadium des Prädiabetes

Der klinisch manifesten Phase des Diabetes geht ein Prädiabetes-Stadium voraus, das durch eine gestörte Glukosetoleranz und erhöhte Nüchternglukose mit 50%iger kardiovaskuläre Risikoerhöhung charakterisiert ist.

Der gestörte Glukosestoffwechsel wird zwischen normaler Nüchternblutglukose (<95mg/dl) und diabetischem Bereich (> 110mg/dl) angesetzt. Diesen Nüchternglukosewerten entspricht im oralen Glukosetoleranztest mit 75 g Glukose ein 2-Stundenwert zwischen 140 und 200mg% (Tabelle: Glukosekonzentrationsangaben müssen immer den Blutentnahmeort – kapillär > venös – und das Probenmaterial – Plasma > Vollblut – berücksichtigen!).

Blutzuckermessung und Diagnoskriterien
Blutzuckermessung und Diagnoskriterien

Da in der Prädiabetes-Phase die Mikroangiopathie als diabetesspezifische Komplikation fehlt und das HbA1c im Normbereich von ≥ 5,8% gelegen ist, erfolgt die Definition »Prädiabetes« ausschließlich über die Bestimmung der Blutglukose.

Da im Verbund mit anderen Risikofaktoren des metabolischen Syndroms – das sind viszerale Adipositas, Dyslipidämie und Hypertonie – bereits frühzeitig die Basis für kardiovaskuläre Komplikationen gelegt wird, könnte bei einer entsprechend frühzeitigen und einfachen Diagnostik eine sehr wirksame Intervention erfolgen. Nachweislich ließen sich damit nicht nur kardiovaskuläre Erkrankungen, sondern auch der Übergang zum manifesten Diabetes mellitus drastisch reduzieren.

Die prognostische Relevanz der wichtigsten Risikofaktoren für Typ 2-Diabetes ist belegt (Nurses Health Study), der Nutzen entsprechender Gegenmaßnahmen durch Lebensstilmodifikation (Diabetes Prävention Study) und medikamentöse Intervention (Diabetes Prävention Programm, TRIPOD) ebenso überzeugend. Ungeachtet dieser hervorragenden Möglichkeiten der Reduktion von Morbidität und Mortalität, sind Maßnahmen der Lebensmodifikation in der Praxis kaum umsetzbar, da Risikogruppen nicht erreicht werden können und notwendige zu absolvierende Programme mit einem enormen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden sind.

 

Blutzuckermessung als Basis der Diabetesdiagnostik

Kriterien für die Diagnostik Diabetes mellitus sind

  • 1. Blutglukosewerte >200mg/dl (Blutzuckermessung zu irgendeinem Zeitpunkt untertags und unabhängig von der Zeit seit der letzten Mahlzeit) oder
  • 2. eine Nüchternblutglukose > 110mg/dl (Blutzuckermessung nüchtern definiert als mind. 8 stündige Nahrungskarenz) oder
  • 3. eine Blutglukose 2 Stunden nach 75g Glukose per os (OGTT) > 200mg/dl.

Ein Grund der heutigen Bevorzugung der Nüchternblutglukose ist ihre gute Reproduzierbarkeit, während die im Rahmen des OGTT erhobenen Glukosewerte eine hohe intraindividuelle Variabilität aufweisen. Der orale Glukosetoleranztest wird daher zu diagnostischen Zwecken heute nur in Zweifelsfällen herangezogen.

Die Bestimmung von HbA1c hat nicht Eingang in die Diabetesdiagnostik, sehr wohl aber in die Therapiekontrolle genommen. Patienten, die die diagnostischen Kriterien für Diabetes erfüllen, zeigen aufgrund epidemiologischer Daten zusätzlich zum deutlich erhöhten Risiko der Komplikationen der »unspezifischen« Makroangiopathie auch diabetesspezifische Veränderungen im Sinne der Mikroangiopathie.

 

Blutzuckermessung als Basis der Therapiekontrolle

Optimale Diabeteseinstellung bei Typ 2-Diabetes bedeutet heute ein multifaktorielles therapeutisches Vorgehen. Die Wirksamkeit zur Reduktion diabetesassoziierter Spätfolgen ist sowohl für die intensivierte Blutglukosekontrolle (UKPDS) wie auch für die Beherrschung mehrerer Risikofaktoren (STENO-2) in großen Studien dokumentiert. Aufgrund des Studiendesigns ist das HbA1c als Zielparameter in den Vordergrund gerückt, auch wenn er Hypoglykämie und die für die Entwick­lung von Spätschäden wahrscheinlich relevante postprandiale Hyperglykämie nicht widerspiegelt.

Zielglukosewerte werden jedenfalls von den führenden Dia­betesgesellschaften (ADA, DDG) präprandial mit 90-120 mg%, postprandial (1-2 Stunden nach den Mahlzeiten) mit 130-160mg/dl angegeben. Die Umsetzung dieser Standards ist sicherlich für Typ 2-Diabetiker mittleren Alters zu fordern. Allerdings spielen aber bei alten Patienten die medizinischen und sozialen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle, die eine Anpassung der Werte notwendig machen.

 

Blutzuckermessung verbessert die Diabeteskontrolle

Die Sinnhaftigkeit wiederholter Blutzuckermessung steht aufgrund der Kosten, nicht zuletzt aber auch aus Sicht des Patientenkomforts zur Diskussion. Zweifelsohne verbessert die Blutzuckerselbstkontrolle die Einstellungsqualität. Wobei für Insulin spritzende Patienten gilt, dass 6 bis 8 Messungen pro Tag den HbA1c-Wert verbesser. Allerdings erzielen dann noch häufigere Messung keine weitere Optimierung.

Für Typ 2-Diabetiker ohne Insulin ist eine maximale Stoffwechselverbesserung bereits durch 2 Messungen pro Tag gegeben. Somit ist Blutzuckerselbstkontrolle auch für Typ 2-Diabetiker mit und ohne Insulin sinnvoll. Die ROSSO-Studie mit Typ 2-Diabetikern ohne Insulin bestätigte schließlich diese Daten zu den klinischen Endpunkten. Bei dieser Studie, an der über 3.000 Patienten über 4 Jahre teilnahmen, konnte die Rate an nicht tödlichen Ereignissen durch Blutzuckerselbstkontrolle um 32%, die Mortalität sogar um über 50% gesenkt werden.

 

Blutzuckerselbstkontrolle und ihre Validierung

Die Blutzuckerselbstkontrolle ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil im klinischen Alltag der Diabetiker geworden. Dementsprechend sind die im Handel befindlichen Geräte heute technisch ausgereift. Dies gilt sicherlich für Geräte zur Blutzuckermessung aus kapillär gewonnenem Blut.

Ein wesentliches Moment in der Beurteilung der Verlässlichkeit der verfügbaren Glukosemessgeräte besteht nicht allein in einer akzeptablen Korrelation zwischen im Labor gemessenen »wahren« und den mittels Glukosemeter bestimmten Werten. Bedeutend ist auch der weitestgehende Ausschluss von Falschmessungen, die zu potentiell lebensgefährlichen Fehlreaktionen des Patienten führen können . Beispielsweise kann bei tatsächlicher Hypoglykämie ein falscher hyperglykämischer Wert zu einer »korrigierende«, in dieser Situation aber vital gefährdende Insulininjektion führen.

Aus diesem Grund werden multiple Glukosemessungen einer »error grid analysis« unterzogen, um abweichende Messresultate entsprechend ihrer klinischen Relevanz zu beurteilen. Derartige klinische Bewertungen sind von allen Geräten zu fordern.

Die »error grid« Analyse der Geräte zeigt, dass 94-100% der Messungen aus klinischer Sicht akkurat sind. Schließlich führen sie zu keinen klinischen Fehlurteilen in der Therapie. Vermutlich verbessert die Blutzuckerselbstkontrolle nicht nur direkt, sondern auch über eine bessere Motivation und damit höheren Therapie-Compliance der Patienten die Stoffwechseleinstellung. Sie ist bei beiden Diabetestypen effektiv einsetzbar.

Der erhöhte Einsatz der Blutzuckerselbstkontrolle ist Teil der Strategie, um über eine Optimierung der mittleren Glukosekonzentration, Erfassung und damit auch Korrektur von Hypoglykämie sowie postprandialer Hyperglykämie Diabetesfolgen zu minimieren. Die Blutzuckerselbstkontrolle ist nicht nur geeignet, Patienten die Effekte von Ernährung und körperlichen Aktivitäten auf das Stoffwechselverhalten überzeugend zu demonstrieren. Sie hilft auch Therapien konsequent zu modifizieren – selbst oder mit Hilfe des Arztes.

Quellen:

http://care.diabetesjournals.org/content/30/1/183.full

http://care.diabetesjournals.org/content/26/4/1306.full

http://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa0706245

Blutglukosemessung – wichtiges Instrument bei Diabetes. Prim. Univ.-Prof. Dr. Paul Bratusch-Marrain. MEDMIX 1-2/2006; 37-40.

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