Blutplättchen-Volumen und ihre Rolle für Herz und Gefäße

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Menschen mit vergrößerten Blutplättchen – den Thrombozyten – tragen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombosen in sich.

Unter dem Strich verursachen sowohl genetische als auch nicht genetische Faktoren ein erhöhtes Thrombozytenvolumen. Dabei könnte das Blutplättchen-Volumen möglicherweise als Marker für die Risikobewertung hinsichtlich gefäßverschließender Erkrankungen dienen.

Dazu haben unlängst Wissenschaftler die bekannten genetischen und nicht-genetischen Faktoren analysiert, die das mittlere Thrombozytenvolumen (mean platelet volume, MPV – Blutplättchen-Volumen) bestimmen. Gleichzeitig hat sie geschlechterspezifische Unterschiede in den Einflussfaktoren des Blutplättchen-Volumens entdeckt.

 

Höheres durchschnittliches Blutplättchen-Volumen

Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass das Alter, kardiovaskuläre Risikofaktoren wie zum Beispiel Rauchen und Bluthochdruck sowie ein erhöhter Blutzucker-Wert bei männlichen Personen mit einem höheren durchschnittlichen Thrombozytenvolumen verbunden sind.

Für Frauen ließen sich die Einnahme oraler Verhütungsmittel sowie die Menstruation als Einflussfaktoren auf das Blutplättchen-Volumen ermitteln. Zusätzlich konnten die Forscher die bereits bestehende Vermutung, dass eine erhöhte Größe der Bluttplättchen mit erhöhter Sterblichkeit einhergeht, für Studienteilnehmer männlichen Geschlechts bestätigen. Für weibliche Probanden ließ sich ein solcher Zusammenhang allerdings nicht feststellen.

Die Ergebnisse der Studien belegten das Potential eines im klinischen Alltag bisher eher unbedeutenden Markers und erweitern das Wissen zu seiner klinischen Rolle. Die Ergebnisse lassen hoffen, dass sich das Thrombozytenvolumen als Marker für die Risikobewertung hinsichtlich thrombotischer Erkrankungen nutzen lässt.

 

Mittleres Thrombozytenvolumen

Das Mittlere Thrombozytenvolumen (MTV) bezeichnet den Messwert für das durchschnittliche (mittlere) Volumen der Thrombozyten. In Kombination mit der Anzahl der Thrombozyten kann das Mittlere Thrombozytenvolumen über bestimmte Funktionszustände der Thrombozyten Auskunft geben. Damit kann man beispielsweise ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erkennen.

Jedenfalls haben Blutplättchen mit einem größeren Thrombozytenvolumen eine höhere Stoffwechselaktivität sowie ein erhöhtes thrombotisches Potential. Dies hängt mit Adipositas, Diabetes mellitus sowie ischämischen kardiovaskulären Ereignissen wie Schlagnfällen zusammen. Das erhöhte Thrombozytenvolumen auch ist ein unabhängiger Risikofaktor für einen weiteren Infarkt nach einem Myokardinfarkt.

Schließlich sind die Ursachen für ein verringertes Mittleres ThrombozytenvolumenŸ chronische Nierenschäden, Ÿ HIV-Erkrankung undŸ vererbbare Thrombozytopenien, das sogenannte Wiskott- Aldrich-Syndrom.

Literatur:

Panova-Noeva et al. Sex-Specific Differences in Genetic and Nongenetic Determinants of Mean Platelet Volume: Results from the Gutenberg Health Study. Blood 127, 251-259, (2016)
DOI: 10.1182/blood-2015-07-660308.

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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