Bleibende Lungenschäden durch das Corona-Virus bei COVID-19-Patienten

Das Coronavirus und die Corona-Erkrankung Covid-19 haben die Welt nach wie vor schwer im Griff. © creativeneko / shutterstock.com

Das Coronavirus und die Corona-Erkrankung Covid-19 haben die Welt nach wie vor schwer im Griff. © creativeneko / shutterstock.com

Trotz Berichte über schwere bleibende Lungenschäden von COVID-19-Patienten nach einer Corona-Virus-Infektion warnen Lungenärzte vor voreiligen Schlüssen zu solchen Frühfolgen.

In der aktuellen Corona-Medienberichterstattung in den US weisen amerikanische Wissenschaftler darauf hin, dass die Corona-Virus-Erkrankung COVID-19 zu dauerhaften Lungenschäden führen könnte. So präsentierten beispielsweise Ärzte des George Washington University Hospitals radiologische Befunde mit schweren entzündlichen Veränderungen auf der Lunge. Solche Gewebeschäden könnten bleibende Atembeschwerden auslösen, so die US-Ärzte. Deutsche Lungenfachärzte mahnen aber, dass man keine vor voreiligen Schlüsse ziehen sollte. Allerdings glauben auch in unseren Breiten viele Experten, dass man mit Folge-Erkrankungen an der Lunge bei manchen Covid-19-Patienten rechnen muss. Und zwar gilt für alle Altersgruppen, dass schwerere Verlaufsformen mit höheren Komplikationsraten vergesellschaftet sind, deswegen sind bei solchen Patienten vermehrt Spätfolgen zu erwarten sind.

Unter dem Strich wird sich die Datenlage zu möglichen Spätfolgen beziehungsweise Langzeitschäden nach einer Covid-Erkrankung in den nächsten Monaten und Jahren deutlich verbessern. Aktuell gibt es zu Komplikationen und Frühfolgen nur Daten mit geringen Fallzahlen und Fallbeispielen. Weiter gibt es einige Rückschlüsse von Experten aus Erfahrungen mit den sehr ähnlichen SARS und MERS-Infektionen.

 

Klinisches Bild bei Covid-19-Patienten

In einer im Lancet aktuell veröffentlichten Studie hatten die 81 Patienten ein Durchschnittsalter von 49,5 Jahren. Die häufigsten Symptome zu Beginn waren Fieber (73% der Patienten) und trockener Husten (59%). Andere unspezifische Symptome waren Schwindel (2% Patienten), Durchfall (4%), Erbrechen (5%), Kopfschmerzen (6%) und allgemeine Schwäche (9%).

Für Covid-19-Patienten ist es typisch, dass die Covid-19-Erkrankung eine asthmatische Reaktion verursacht. Denn die Bronchien präsentieren sich dann eng und bei körperlicher Belastung kommt nicht genug Luft zu den Lungenbläschen.

 

Corona-Berichte über dauerhafte Lungenschäden nach der Covid-19-Erkrankung verunsichern Coronavirus-Patienten

Die Covid-19-Pneumonie manifestiert sich selbst bei asymptomatischen Patienten mit Anomalien der CT-Bildgebung im Brustkorb. Das heisst, dass selbst bei jenen Covid-Erkrankten ohne Beschwerden Veränderungen in der Lunge entstehen. Die Corona-Berichte über Lungenschäden nach der Infektion verunsichern allerdings die Covid-19-Patienten sowie Angehörige.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) warnt aber davor, zum jetzigen Zeitpunkt allgemein gültige Aussagen zum Krankheitsverlauf von COVID-19 zu treffen. Über mögliche Langzeitfolgen einer überstandenen Covid-19-Lungenentzündung lassen sich momentan noch keine belegbaren Aussagen treffen, so die Fachgesellschaft.

Aufgrund der Entstehung und dem Krankheitsverlauf von Covid 19 sowie vielfältigen möglichen Beeinträchtigungen aller Organsysteme kann man aktuell noch schwer vorhersagen, welche möglichen Spätfolgen beziehungsweise Langzeitschäden wie häufig vorkommen werden.

 

Die Lunge braucht jedenfalls Erholung

Bei SARS-CoV-2 handelt es sich um ein neuartiges Coronavirus, zu dem noch keine belastbaren Studien durchgeführt wurden, ob Lungenschäden nur zeitweise entstehen oder ob es nach der Covid-19-Erkrankung zu irreversiblen Einschränkungen ihrer Funktionen kommen kann.

Das gilt beispielsweise auch für den Zusammenhang zwischen einer COVID-19-Pneumonie und dem Auslösen einer akute venöse Thromboembolie (als Auslöser einer Lungenembolie) mit möglichen dramatischen Langzeitfolgen.

Lungenexperten warnen jedenfalls davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Denn die Angst vor bleibenden Lungenschäden könnte zur weiteren Verunsicherung der Bevölkerung währen der Corona-Pandemie beitragen.

Jedenfalls ist es insgesamt fraglich, wie viele Covid-19-Patienten überhaupt von länger bestehenden Lungenschäden betroffen sein werden. Sehr wichtig sind allerdings Nachuntersuchungen, und zwar auch bei einem milden Krankheitsverlauf. Da die Lunge etwa sechs bis acht Woche benötigt, um sich von der Entzündung zu erholen, ist so ein Screening bei Corona-Patienten nach diesem Zeitraum sinnvoll.

Allgemein gibt es jedenfalls Berichte, dass Covid-PatientInnen auch noch Monate nach der Erkrankung an Frühfolgen wie Atemproblemen, Müdigkeit und neurologischen Beschwerden – vor allem auch im Zusammenhang mit der Konzentration und dem Gedächtnis – leiden. Berichtet wurde beispielsweise von der Medizinischen Universität Innsbruck, dass vier von sechs an Covid 19 erkrankten Tauchern Auffälligkeiten der Lungenfunktion aufwiesen.

 

Risiko Beatmung auf der Intensivstation

Unter dem Strich muss man vor allem bedenken, dass auch Lungenschäden entstehen, wenn Corona-Patienten lange Zeit auf der Intensivstation beatmet werden müssen. Dann hat die Covid-19-Erkrankung nur indirekt etwas damit zu tun. Denn das Corona-Virus ist dann nur der Auslöser für die künstliche Beatmung gewesen, die dann eben mit bleibenden Lungenschäden zusammenhängen kann.

Allerdings gibt es viele Möglichkeiten, dass sich die Lunge wieder regeneriert und sich weiter erholt. Wenn der Arzt feststellt, dass die Lunge auch nach etwa acht Wochen nach der Covid-19 Erkrankung beeinträchtigt ist, dann können Medikamenten gegen die Lungenschäden zum Einsatz kommen.

Übrigens raten manche Lungenspezialisten davon ab, COVID-19-Lungenverletzungen mit den gleichen Therapien zu behandeln, die man man bei Patienten mit einem Lungenödem, dass sie durch eine sehr große Höhe beim Bergsteigen oder Ähnlichem erworben haben, einsetzt. COVID-19-Lungenverletzung und so genannte High altitude pulmonary edema (HAPE) unterscheiden sich grundlegend in Pathogenese, Pathophysiologie, Prognose und eben auch in der Therapie.

 

Endotheliale Dysfunktion bei COVID-19

Große Bedeutung haben die Auswirkungen von Covid-19 auf die Gefäße beziehungsweise auf das Endothel, der Zellschicht an der Innenwand der Blut- und Lymphgefäße. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie betont in einem rezenten Positionspapier die Notwendigkeit, endotheliale Biomarker und Funktionstests zu eruieren. Das soll helfen, die Auswirkungen von SARS-CoV-2 auf die Endothelbiologie sowohl in der Mikro- als auch in der Makrovaskulatur besser zu verstehen.
Endothel-Funktionstests sollten bei der Nachuntersuchung von rekonvaleszenten COVID-19-Patienten jedenfalls zur Früherkennung von Langzeiterkrankungen in Betracht gezogen werden. Und zwar um Herz- und Gefäß-Komplikationen vermeiden oder rechtzeitig behandeln zu können.

 

Corona-Pandemie bringt langfristigen Herausforderungen an die medikamentöse Therapie nach Covid-19

Nahezu alle Corona-Studien haben eindeutig gezeigt, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 bei Personen mit bereits bestehenden Begleiterkrankungen, Komorbiditäten, ein viel höheres Risiko haben, an COVID-19 zu sterben.

Dies ist für die weitere Betreuung von COVID-19-Patienten nicht nur im Zusammenhang mit möglichen bleibenden Lungenschäden, sondern auch bei der weiteren Behandlung der anderen Erkrankungen der Betroffenen von großer Bedeutung – auch dahingehend ist die Corona-Pandemie eine große Herausforderung für die globalen Gesundheitssysteme und die biomedizinische Forschung.

Experten empfehlen beispielsweise, dass bei persistierenden Atemproblemen nach einer Covid-19-Erkrankung eine Abklärung mittels HR-CT (Fibrosierungen) oder CT-Pulmonalisangiografie erfolgen sollte. Das kann dann zudem abgelaufene Pulmonalembolien aufdecken.

Nicht alle Begleiterkrankungen bergen das gleiche Risiko. Allerdings beeinträchtigen viele die Funktion des Immunsystems, was sich wiederum direkt auf die Reaktion auf COVID-19 auswirkt.

Darüber hinaus könnten viele der für Begleiterkrankungen verschriebenen Medikamente auch das Fortschreiten von COVID-19 einschließlich bleibender Lungenschäden beeinflussen und zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten für die Coronavirus-Erkrankung einschränken.

Deswegen sollen weitere Studien zeigen, wie man mit den langfristigen Herausforderungen, die mit der Verwendung neuartiger und zweckentfremdeter Therapien zur Behandlung von COVID-19 bei Patienten mit bereits bestehenden Komorbiditäten verbunden sind, umgehen muss.


Literatur:

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Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP)

Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften. Covid-19 – was bleibt? Überblick über mögliche Spätfolgen. Autorin Maria Wendler.

The Lancet

World Health Organization (April 12, 2020) Coronavirus disease 2019 (COVID-19). Situation report-83. Geneva, Switzerland: World Health Organization; 2020

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