Biologische Uhr der Frau: Fruchtbarkeit und Hormone

Die biologische Uhr der Frau tickt heute bis über das 50. Lebensjahr hinaus, Kinder werden deswegen oft erst später bekommen. © Alliance / shutterstock.com

Die biologische Uhr der Frau tickt heute bis über das 50. Lebensjahr hinaus, Kinder werden deswegen oft erst später bekommen. © Alliance / shutterstock.com

Die biologische Uhr zur Fruchtbarkeit der Frau tickt etwa einen Zeitraum von knapp unter 40 Jahren: von der Pubertät mit 13 bis zur Menopause im 50 +.

In vielen Partnerschaften wird der Kinderwunsch heutzutage nach hinten verschoben. Lifestyle und berufliche Karriere bekommen den Vorzug. Auch aufgrund des medizinischen Fortschritts im Zusammenhang mit Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Geburtshilfe tickt heutzutage die biologische Uhr der Frau bis über das 50. Lebensjahr hinaus.

So umfassen die fertilen Jahre der Frau umfassen einen Zeitraum von ca. 38 Jahren: beginnend mit der der Pubertät im durchschnittlichen Alter von 13 Jahren bis zu Beginn der Menopause ab durchschnittlich dem 51. Lebensjahr. Dazwischen ist das biologische Leben der Frau im Rhythmus der zyklischen Monatsblutungen organisiert.

 

Menstruation und Fruchtbarkeit

Viele Absurditäten, Mythen und Irrlehren begleiten die Menstruation der Frau in der Geschichte. Frauen wurden während der Menstruation häufig vom religiösen Leben und vom Alltagsleben ausgeschlossen, tabuisiert und isoliert. Im Jahre 735 hat Papst Gregor der Große –  in einem für die damaligen Zeit beispiellos mutigem Edikt –die Anwesenheit von menstruierenden Frauen beim katholischen Gottesdienst erlaubt.

Erst in der Gegenwart wurde der weibliche Zyklus richtig verstanden, wobei der Wirtschaftsfaktor »Monatshygiene« eine bedeutende Rolle einnimmt. Milliarden Euro werden pro Jahr für Binden, Tampons und Einlagen ausgegeben: die teilweise hoch innovativen Produkte werden stets verbessert. Hinzu kommen diverse Kosmetika und Pflegemittel.

Im Sinne der erfolgreichen Fortpflanzung arbeitet die Natur gerne mit einer Strategie der großen Überschüsse. So kommt ein neugeborenes Mädchen mit etwa einer Million Eizellen zur Welt, neugeborene Buben werden mit 40 bis 60 Millionen Samenfäden ausgestattet.

Die Schwangerschaftsrate beim Menschen von maximal 25% pro Zyklus ist allerdings sehr gering. Deswegen durchlaufen Menschenfrauen 12 und mehr Zyklen im Jahr: das ist für Säugetiere ein außergewöhnliches Phänomen.

 

Die biologische Uhr bei Frauen und die Hormone

Hormone sind Botenstoffe, die unser Leben regulieren – regelmäßige Zyklen signalisieren übrigens hormonelle Gesundheit, die Bezeichnung Hormone wird erst seit dem Jahre 1905 im wissenschaftlichen Sprachgebrauch verwendet. Heutzutage hofft man sogar durch neue Erkenntnisse zu Hormone die biologische Uhr beeinflussen zu können.

Hormone regeln seit 1,2 Milliarden Jahren die biologischen Aktivitäten mehrzelliger Lebewesen und ermöglichen ihnen zu funktionieren, sich fortzupflanzen und an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Bei Säugetieren läuft der Regelprozess über ein Hierarchiesystem in drei Ebenen ab, kontrolliert durch Rückkopplungsmechanismen. Im Wesentlichen sind die Ebenen Hypothalamus – Hypophyse – große Hormondrüsen die Zielorgane.

 

Fruchtbarkeit ist altersabhängig

Eizellen können sich nicht regenerieren oder neu entstehen, die altern mit der Frau. Die biologische Uhr ist zwar in Takt, aber die Fruchtbarkeit lässt nach und es ist schwieriger schwanger zu werden.

So wird eine gesunde 25-jährige Frau mit einem fruchtbaren Partner im Schnitt innerhalb von fünf Zyklen schwanger, während eine 35-Jährige dafür bereits 11 Zyklen benötigt. Für die relativ hohe Anzahl ungewollt kinderloser Paare ist somit der häufig späte Kinderwunsch im Zuge der Lebensplanung verantwortlich.

Doch auch beim Mann tickt wie bei der Frau die biologische Uhr im Sinne der Qualität seiner Samen. 50% der Ursachen liegen bei der Frau, 40% beim Mann, in 10% sind beide Partner betroffen. Deswegen muss der Mann auch von Anfang an in die Abklärung der Ursachen einer ungewollten Kinderlosigkeit einbezogen werden.


Literatur:

Yu Q. Biological clock: the oscillator of gene expression. Sci China Life Sci. 2018;61(1):128–130. doi:10.1007/s11427-017-9239-6

Akiyama S, Ohta H, Watanabe S, Moriya T, Hariu A, Nakahata N, Chisaka H, Matsuda T, Kimura Y, Tsuchiya S, Tei H, Okamura K, Yaegashi N. The uterus sustains stable biological clock during pregnancy. Tohoku J Exp Med. 2010 Aug;221(4):287-98.

McLean M, Bisits A, Davies J, Woods R, Lowry P, Smith R. A placental clock controlling the length of human pregnancy. Nat Med. 1995 May;1(5):460-3.

Bian J, Wang Z, Dong Y, Cao J, Chen Y. Effect of monochromatic light on the circadian clock of cultured chick retinal tissue [published online ahead of print, 2020 Mar 18]. Exp Eye Res. 2020;194:108008. doi:10.1016/j.exer.2020.108008


Quelle:

Biologische Uhr – Endokrinologie der gebärfähigen Frau. MEDMIX 4/2004.

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