Bewegungsfördernde Arbeitsstationen für die Gesundheit

Bewegungsfördernde Arbeitsstationen im Büro können körperlich und psychisch förderlich sein. © Dominik Buschardt / DGUV

Bewegungsfördernde Arbeitsstationen im Büro können körperlich und psychisch förderlich sein. © Dominik Buschardt / DGUV

Bewegungsfördernde Arbeitsstationen verbessern Stimmung und Arbeitsbereitschaft, ab dreimal pro Woche verbessern Beschäftigte langfristig ihr Wohlbefinden.

Die Arbeitswelt wird digitaler und bewegungsärmer. Immer mehr Menschen arbeiten im Sitzen, wodurch auch die Gefahr von Gesundheitsschäden durch mangelnde Bewegung größer wird. Negative gesundheitlichen Folgen sind unter anderem chronische Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, ein erhöhtes Diabetes-Risiko, Übergewicht, Muskel-Skelett-Beschwerden und psychische Effekte wie depressive Verstimmungen oder Antriebsarmut. Hingegen sind positive und gesundheitserhaltende Effekte regelmäßiger körperlicher Aktivität unbestritten. Ein vielversprechender Ansatz, um Inaktivität an Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen zu vermeiden, ist die Nutzung dynamischer Arbeitsstationen. Das Institut für Arbeitsschutz der und die Deutsche Sporthochschule Köln konnte nun nachweisen, dass bewegungsfördernde Arbeitsstationen im Büro von den Beschäftigten gut angenommen werden und bei permanenter Nutzung das körperliche und psychische Wohlbefinden langfristig fördert.

„Marktübliche Konzepte zur Bewegungsförderung verknüpfen die Schreibtisch- und Computerarbeit mit leichten Radfahrbewegungen. Unsere Studienergebnisse zeigen, dass diese bewegungsfördernden Arbeitsstationen tatsächlich positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben“, sagt Professor Dr. Rolf Ellegast, stellvertretender IFA-Leiter. „Wenn Beschäftigte die Arbeitsstationen nutzen verbessern sich Stimmung und Arbeitsbereitschaft merklich“, so Prof. Jens Kleinert, Leiter des Psychologischen Instituts der Deutschen Sporthochschule. Die Kölner konnten außerdem zeigen, dass die Effekte der Geräte von der Trainingshäufigkeit abhängen. „Dreimal pro Woche muss schon sein, damit das Wohlbefinden langfristig profitiert“, so Kleinert. Es scheint so zu sein, dass in diesen Fällen die regelmäßige Bewegung am Schreibtisch das Aufschaukeln von Stress- und Beanspruchungszuständen verhindern kann.

Auch körperliche Veränderungen waren in der untersuchten Gruppe von 30 Beschäftigten der Deutschen Telekom AG über einen Zeitraum von sechs Wochen an realen Arbeitsplätzen nachweisbar. So waren Energieumsatz und Herzfrequenz der Testpersonen an dynamischen Arbeitsplätzen statistisch signifikant höher als bei normaler Arbeit im Sitzen. Ellegast: „Die Weltgesundheitsorganisation fordert zur Gesunderhaltung von Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate bis intensive Aktivität pro Woche. Diese Forderung erfüllen die Probanden, wenn sie die untersuchten Arbeitsstationen täglich gut eine Stunde nutzen. Aus unserer Sicht haben damit solche Arbeitsplatzkonzepte das Potenzial, Übergewicht vorzubeugen.“

In der Studie, die auf Voruntersuchungen des IFA im Labor aufbaute, konnten die Forscher der Deutschen Sporthochschule zudem zeigen, dass Beschäftigte in der Praxis dynamische Arbeitsstationen gut annehmen und positiv bewerten. Ellegast: „Bei unserem Studienpartner, der Deutschen Telekom AG, haben die Ergebnisse die Entscheidung begründet, zukünftig größere Stückzahlen solcher Arbeitsstationen einzusetzen. Wir hoffen, dass weitere Unternehmen diesem Beispiel folgen.“

Für die Untersuchung kamen zwei neuartige Gerätetypen – das Schreibtischergometer Deskbike und das Untertischgerät activeLifeTrainer – zum Einsatz. Die Ergebnisse zeigten, dass die dynamischen Arbeitsstationen an 40 % der Tage innerhalb des Interventionszeitraumes für durchschnittlich 54 Minuten pro Tag genutzt wurden. Der Energieumsatz und die Herzfrequenz stiegen während der Nutzung der Stationen im Vergleich zum Arbeiten im Sitzen signifikant an. Das Deskbike wurde insgesamt häufiger genutzt und führte zu einem größeren subjektiven Anstieg der Herzfrequenz im Vergleich zum activeLife Trainer. Beide Arbeitsstationen wurden von den Teilnehmenden als gut einsetzbar im Büro empfunden. Sie fühlten sich durch die Nutzung nicht in ihrer Arbeit gestört und waren autonom motiviert, die Stationen zu nutzen.

Literatur:

Ellegast, R.; Heinrich, A.; Schäfer, A.; Schellewald, V.; Wasserkampf, A.; Kleinert, J.: Active Workplace: Physiologische und psychologische Bedingungen sowie Effekte dynamischer Arbeitsstationen (IFA Report 3/2018). Hrsg.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV), Berlin 2018

Die mobile Version verlassen