Bewegung bei Depression ist wichtiger Therapiebestandteil

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Bewegung bei Depression ist hilfreich in der Therapie, wie zahlreiche Studien bereits belegen konnten. Besteht hier auch ein Zusammenhang von Gang und emotionalem Gedächtnis?

Bewegung bei Depression ist sehr häufig Bestandteil eines Behandlungskonzeptes. Deswegen gehören Ausdauersportarten wie Laufen, Gymnastik sowie Yoga in Verbindung mit Entspannungsverfahren dementsprechend zum klinischen Alltag. Im Zusammenhang der Effektivität von Bewegung bei Depression gibt es einige sehr gute Untersuchungen. Dabei brachte das Trainingsprogramm verschiedene positive Effekte bei Stimmungsaufhellung sowie Stimmungsstabilisierung.

 

Zusammenhang von Gang und Bewegung bei Depression

Viele Studien belegen also, dass Bewegung bei Depression die Behandlung positive beeinflusst. Dabei stand speziell der Einfluss von Gehen, Laufen, Wandern, Ausdauer- sowie Krafttraining im Blickpunkt. Unter anderem stellten die Forscher aber auch die Frage, ob die Art des Ganges Einfluss auf depressionsrelevante Prozesse hat. In einer deutsch-kanadischen Studie versuchten beispielsweise Wissenschaftler dementsprechend einen Zusammenhang von Gang und Depressionen herauszufinden. Dabei untersuchten sie die Hypothese, dass Menschen, die mit hängenden Schultern fortbewegen, sich eher mit negativen Dingen beschäftigen. Umgekehrt nahmen die Forscher an, dass jemand, der fröhlich geht, sich eher positive Dinge merken kann.

Es gibt offensichtlich einen Zusammenhang zwischen Körper, hier der Gangart, und der Psyche, hier der Art, welche Informationen wir uns merken.

Um diese Fragen zu beantworten, veränderten die Forscher in der Untersuchung das Gangmuster von 39 Studierenden. Dadurch bewegten sich die Probanden entweder fröhlicher oder depressiver als im normalen Alltag. Anschließend wurden sie mit positiven (z.B. mutig, attraktiv) und negativen Wörter (z.B. langweilig, dumm) konfrontiert. Dabei sollten die Probanden entscheiden, welche dieser Wörter sie am besten beschreiben. Nach acht Minuten wurde dann ein nicht angekündigter Gedächtnistest durchgeführt. Probanden, die depressiv gelaufen waren, blieben mehr negative Wörter im Gedächtnis (ein Muster, das auch immer wieder bei Depressiven gefunden wird), während Probanden, die fröhlich gelaufen sind, sich mehr positive Wörter gemerkt hatten.

 

Behandlungsmöglichkeiten durch spezifische Veränderungen der Bewegung bei Depression

Die Ergebnisse zeigen, dass die Art sich zu bewegen, offensichtlich Auswirkung darauf hat, ob Personen eher positive oder negative Informationen verarbeiten. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Körper, hier der Gangart, und der Psyche, hier der Art, welche Informationen wir uns merken. Solche Ergebnisse könnten in Zukunft dazu verwendet werden, Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen zu entwickeln, die über eine Veränderungen von körperlichen Prozessen wirken.

Wenngleich Bewegung bei Depression – in Form von regelmäßigen Ausdauertraining im aeroben Bereich wie Laufen, Gymnastik oder Yoga in Verbindung mit Entspannungsverfahren – heutzutage fester Bestandteil des klinischen Alltags ist, so wird der Nutzen – abgesehen von allgemeinen Vorteilen im Zusammenhang mit Gewicht und körperlicher Fitness – für die Behandlung der Depression zurückhaltend bewertet.

 

Verbesserungsmöglichkeiten

Jedenfalls wäre ist sehr vorteilhaft, wenn Ärzte und Sport- beziehungsweise Trainingsexperten bei kombinierten Depressions- und Trainingsbehandlungen zusammenarbeiten würden. Den viele medizinischen Fachkräfte haben wenig oder keine Expertise bezüglich Übungsprogramme. Andererseits haben Trainer und Sportexperten wiederum wenig Kenntnis von depressiven Patienten. Einem multidisziplinären Team könnten Psychiater, klinischer Psychologe, Sportmediziner und Bewegungstrainer angehören.

Obwohl jüngste Ergebnisse gezeigt haben, dass Bewegung depressive Symptome verringern kann, gibt es immer noch viele Fragen und Einschränkungen für eine breitere Anwendung von Bewegung bei Depressionen. Die Wahl des richtigen Trainings für die jeweilige Person kann neben einer langfristigen Nachuntersuchung dazu beitragen, die durch die Interventionen beabsichtigten Effekte zu erzielen.

Literatur:

Elaheh Ranjbar, Amir Hossein Memari, Sina Hafizi, Monir Shayestehfar, Fatemeh Sadat Mirfazeli, Mohammad Ali Eshghi. Depression and Exercise: A Clinical Review and Management Guideline. Asian J Sports Med. 2015 Jun; 6(2): e24055. Published online 2015 Jun 20. doi: 10.5812/asjsm.6(2)2015.24055.

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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