Behandlungsoptionen bei Sportverletzungen

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Durch die Fortschritte der operativen Medizin ist die konservative Behandlung von Sportverletzungen etwas in den Hintergrund getreten.

Die Behandlung von Sportverletzungen stützt sich klassischerweise auf vier Säulen:

  • die konservative Behandlung umfasst Reposition und Retention (Ruhigstellung) durch Gipsverbände und diverse Orthesen sowie die lokale Kälteapplikation (Kryotherapie) bei der frischen Verletzung;
  • die operative Behandlung von Frakturen, Luxationen, Sehnen- und Bandrupturen sowie Gelenksverletzungen;
  • eine weitere Säule stellt die Heilgymnastik im Rahmen einer gezielten Physiotherapie oder Ergotherapie dar.
  • Die medikamentöse Therapie als Monotherapie oder unterstützend zu den anderen Behandlungsmöglichkeiten stellt schließlich eine weitere wichtige therapeutische Option dar.

Eine viele Wochen bis Monate dauernde ruhigstellende Behandlung ist im professionellen Sportlerbereich oftmals nicht mehr durchführbar – der Sportler muss nach einer Verletzung rasch wieder einsatzbereit sein. Als Beispiele seien hier die Versorgung einer Kreuzbandruptur innerhalb der ersten Tage nach Verletzung sowie die Bandplastik bei Ruptur der tibiotalaren Bänder am Außen- und Innenknöchel genannt.

Aber immer öfters wünscht sich auch der Amateursportler eine rasche operative Versorgung. Ein weiterer Trend ist die Frühmobilisierung sowohl nach Operationen als auch nach Ruhigstellung. Weiters kommen verschiedene mobilisierende Verfahren zur frühen aktiven Trainingstherapie in Verbindung mit Ruhigstellung in Verwendung. Als Beispiel hierzu sind Unterarmschienen nach Sehnenverletzungen mit elastischen Bandzugsystemen im Handbereich im Einsatz.

Bei chronischen Reizzuständen wie z.B. beim »Tennisellbogen« sind moderne Schmerz-Pflaster mit dem Cayenne-Pfeffer-Inhaltsstoff Capsaicin im Einsatz, das lokal eine gezielte Anagletika- und Antiphlogistika-Applikation ermöglicht. Neben einem auf den Sportler abgestimmten Trainingsplan als Prävention einer Sportverletzung ist der gezielte Muskelaufbau nach Verletzungen im Rahmen einer Physiotherapie eine der wichtigsten Maßnahmen zur ­Sicherung eines guten operativen Ergebnisses. Als Beispiele sind hier die Kreuzbandplastik und die dazugehörige Stärkung der Oberschenkelmuskulatur sowie die Stärkung der autochtonen Rückenmuskulatur nach Wirbelsäulenverletzungen zu nennen. In der Behandlung der Schulterverletzungen ist z.B. durch die Einführung der arthroskopischen Limbusrefixation bei rezidivierenden Schulterluxationen eine weitere sinnvolle Neuerung zu verzeichnen.

Eine der wichtigen Interventionen ist die autologe Chondrocytentransplantation. Es wird dabei bei einer Kniegelenksarthroskopie aus einer nicht belasteten Zone eine Knorpelprobe entnommen und nach Züchtung der Knorpelzellen in einem Speziallabor nach rund 6 Wochen die Autotransplantation durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Schicht von Knorpelzellen auf einer Trägermatrix, die speziell für die Transplantateinheilung modifiziert wurde. Angewandt wird diese Methode vorwiegend bei Patienten unter 50 Jahren nach Sportverletzungen um eine Arthrose zu verhindern. Vorwiegend am Kniegelenk aber auch am Sprunggelenk kommt diese Methode zum Einsatz.

Es entwickelt sich immer mehr Bewusstsein bezüglich der Knorpelverletzungen sowohl als Begleitläsionen von typischen Verletzungen wie Kreuzbandriss oder Mensikusläsion als auch als eigenständige Verletzung ohne andere Verletzungen. Hierbei ist natürlich zu bemerken, dass neue verbesserte Diagnoseverfahren erforderlich sind. Als Beispiel ist hier die hochauflösende knorpelspezifische Magnetresonanztomographie zu nennen bei welcher der Knorpeldefekt direkt visualisiert werden kann.

Ein sogenanntes »bone bruise«, also ein Kochenmarksödem ist Ausdruck für ein stattgefundenes Trauma. Dabei kann auch der Knorpel und der darunterliegende Knochen druckgeschädigt (traumatisiert) sein und welche längerfristigen Folgen so eine Verletzung hat, ist bisher noch ungenügend erforscht. Im professionellen Sport hat sich schon seit längerem durchgesetzt, dass immer ein Sportarzt und ein Sanitäterteam am Spielfeldrand anwesend sind, um bei Unfällen sofort die richtige Ruhigstellung, Verbandanordnung und wichtige abschwellende Maßnahmen zu ergreifen, damit der oft schwellungsbedingte Schaden so gering wie möglich gehalten wird und ein rascher Transport an die nächste Spezialabteilung sicher gestellt ist.

 

Gegen Sportverletzungen vorbeugen

Der Sportler selbst ist primär natürlich der wichtigste Faktor in der Unfallvermeidung. Nur gut aufgewärmte, trainierte und konzentrierte Sportler können Sportverletzungen weitgehend vermeiden, die beim Fehlen dieser grundlegenden Punkte drohen kann. Als Beispiel ist hier der übergewichtige, untrainierte, unausgeschlafene Skifahrer zu nennen, der einmal im Jahr als einzige sportliche Betätigung direkt nach der Autofahrt auf die Ski steigt und sich bei der ersten Abfahrt schon schwer verletzt. Eine entsprechende Trainingsvorbereitung mit Muskelaufbau, Koordinationsübungen und regelmäßigem Stretching sowie dem Aufwärmen vor der Sportausübung sind besonders bei Breitensportarten, wie dem Fußball, Ski- und Snowboardfahren, Tennis und Inlineskating, unbedingt zu fordern.

Dabei ist auch noch eine entsprechend moderne und sichere Ausrüstung in vielen Fällen protektiv. Zu nennen ist der Helm beim Ski- und Fahrradfahren sowie Inlineskating, speziell auch bei Kindern. Weiters verschiedene Protektoren wie Knie-, Ellbogen- und Schienbeinschützer sowie sogenannte »wristguards«, also speziell im Handgelenks- und Handwurzelbereich verstärkte Handschuhe, die effektiv vor Kahnbeinfrakturen und Radiusfrakturen schützen können. Diese Sportverletzungen treten beim Snowboardfahren, Inlineskating und Eislaufen gehäuft auf. Weiters wäre zu überlegen, ob verschiedene Schulter-, Oberkörper- und Wirbelsäulenprotektoren – wie sie heutzutage beim American Football und bei Motocross- und Motorradrennen zum Einsatz kommen – nicht auch beim Ski- und Snowboardfahren vermehrt eingesetzt werden sollten. So könnten möglicherweise einige komplizierte Sportverletzungen verhindert werden.

Quelle: Therapieoptionen in der Sporttrauma­to­logie und Unfallchirurgie.  Dr. Harald Christoph Wolf. MEDMIX 4/2006

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