Bauchaortenaneurysma-Riss vorbeugen: Sonographie kann Leben retten

Die Sonographie unterstützt die rechtzeitige Aneurysma-Diagnose, um früh genug einen tödlichen Bauchaortenaneurysma-Riss mittels Chirurgie zu vermeiden.

Das Bauchaortenaneurysma (BAA) ist eine Erweiterung der Bauchschlagader (Aorta) auf einen Durchmesser von mindestens 30 mm. Durch die Ausdünnung der Wand erhöht sich die Rupturgefahr in Abhängigkeit des Aneurysma-Durchmessers. Wichtigste Faktoren für die Entstehung eines Aneurysmas sind das männliche Geschlecht ab dem 65. Lebensjahr und Nikotinkonsum. Mit Ultraschall kann die Größe der Bauchschlagader in fast 100 Prozent aller Untersuchten sehr genau bestimmt werden. Vier große randomisierte Studien konnten zeigen, dass ein Ultraschallscreening sinnvoll sein kann. Die Raten von Gesamtsterblichkeit, Mortalität durch einen Bauchaortenaneurysma-Riss, Zahl der Rupturen und Notfalloperationen gingen im Langzeitverlauf durch das Sonographie-Screening signifikant zurück. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht daher den Nutzen für Männer ab dem 65. Lebensjahr. Seit Januar 2018 ist die Vorsorgeuntersuchung durch Hausärzte, Urologen, Internisten, Radiologen und Chirurgen nach Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung für diese Patientengruppe abrechenbar.

Der fehlende Nachweis für den Nutzen eines Screenings auch für Frauen liegt möglicherweise auch daran, dass in nur einer der oben erwähnten Studien unter den Teilnehmenden Frauen waren (6,8 Prozent in Bezug auf alle vier Studien) und diese im Gegensatz zu den anderen drei Studien eine deutlich kürzere Nachbeobachtungszeit von vier bis fünf Jahren hatte. Es ist daher wahrscheinlich, dass das Risiko, an einem Aneurysma zu erkranken, für Frauen größer ist.

 

Leitlinie für die Sonographie zur Bauchaortenaneurysma-Riss-Früherkennung

Entsprechend werden in der 2018 veröffentlichten Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) folgende Empfehlungen für eine sonografische Untersuchung zur Früherkennung eines Bauchaortenaneurysma-Riss ausgesprochen:

Mehr noch haben Frauen, die rauchen, ein höheres Risiko als Männer, an einem Aneurysma zu erkranken und ein höheres Rupturrisiko, wenn ein Aneurysma nachgewiesen ist. Zum Screening ist kritisch anzumerken, dass es auch Risiken birgt. Auf der einen Seite muss das Risiko einer schwerwiegenden Komplikation bei einer offenen oder endovaskulären Therapie niedriger sein als die Ruptur des Aneurysmas beim Spontanverlauf.

Auf der anderen Seite gilt es, Überdiagnostik und Übertherapie zu verhindern, wobei im Einzelfall nicht geklärt werden kann, ob das Aneurysma im weiteren Verlauf des Lebens rupturiert oder der Mensch vor Eintreten der Ruptur an einer anderen Krankheitsursache verstorben wäre. Auch ist durch Studien nicht hinreichend geklärt, welchen Einfluss die Kenntnis eines Aneurysmas auf die Lebensqualität des betroffenen Menschen hat.

 

Wenn die Diagnose Aneurysma gesichert ist, dann entscheidet vor allem die Größe über das weitere Vorgehen.

Ab 55 mm bei Männern, ab 50 mm bei Frauen wird die Empfehlung einer Ausschaltung des Aneurysmas ausgesprochen. Kleinere Aneurysmata werden mit Ultraschall beobachtet, die Intervalle hängen dabei von der Größe, den Risikofaktoren, vor allem Nikotinkonsum, und der Wachstumsgeschwindigkeit ab. Da Frauen, und noch mehr rauchende Frauen, zur Ruptur neigen, werden hier kürzere Intervalle empfohlen.

Bei der Ultraschallmessung soll die Leading-Edge-Methode angewendet und stets die Beziehung des Aneurysmas zu den Nierenarterien und die Größe der Beckenarterien mitbeurteilt werden. Das Screening wurde in Deutschland flächendeckend eingeführt und wird von der Bevölkerung nach ersten Eindrücken gut angenommen. Genaue Analysen, insbesondere Langzeitergebnisse, stehen noch aus. Durch COVID-19 wurden in den letzten Monaten Screeningprogramme heruntergefahren. Dies ist insbesondere bei bösartigen Tumoren aufgedeckt worden. Für Großbritannien wurde dies auch für Gefäßpatienten im Allgemeinen beobachtet. Es ist jedoch noch nicht im Detail bekannt, ob dies Auswirkungen zum Beispiel auf die Rupturrate von Aneurysmata hat.


Quelle:

Statement: Bauchaortenaneurysma-Riss vorbeugen: Sonografie kann Leben retten – Vorsorge-Check-up durch Ultraschall Dr. med. Siegfried Krishnabhakdi, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie im Klinikum Osnabrück GmbH, DEGUM-Kursleiter. Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) „Ultraschall in der Altersmedizin: Schwere Verläufe bei COVID-19 frühzeitig aufspüren; einem Schlaganfall und dem lebensbedrohlichen Bauchaortenaneurysma vorbeugen“. Dezember 2020

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