Bauchoperation: Bakterien stören Heilungverlauf und Wundheilung nach OP

Eine Anastomosen-Insuffizienz nach der Bauchoperation ist häufig, wobei die Wundheilung durch Bakterien nach der OP beeinträchtigt werden kann. © kerale / shutterstock.com

Eine Anastomosen-Insuffizienz nach der Bauchoperation ist häufig, wobei die Wundheilung durch Bakterien nach der OP beeinträchtigt werden kann. © kerale / shutterstock.com

Bakterien können nach der Bauchoperation die Wundheilung stören, so dass zusammengefügte Darmenden auch trotz sorgfältigster OP wieder aufplatzen.

Die sogenannten Anastomosen-Komplikationen gehören zu den verheerendsten Folgen einer Magen-Darm-Operation. Trotz der hohen Morbidität sind die Faktoren, die für die Regeneration der Anastomose, der natürlichen Verbindung zwischen Blut- oder Lymphgefäßen, nach der Operation verantwortlich sind, noch wenig bekannt. Doch unlängst konnte eine Team um den US-Chirurgen Professor John Alverdy dieses medizinische Rätsel anscheinend lösen. Die Wissenschaftler konnten am Tiermodell zeigen, dass eine Bauchoperation die Zusammensetzung der Bakterien im Darm, dem Mikrobiom, so verändert, dass diese giftige Substanzen freisetzen und Heilungsverlauf sowie Wundheilung nach der OP stören. Deswegen platzen zusammengefügte Darmenden nach einer Bauchoperation trotz sorgfältigster Nahttechnik wieder auf.

 

Auch die perfekte Naht ist nach einer Bauchoperation keine Garantie für einen guten Heilungsverlauf mit problemloser Wundheilung

Nach der Entfernung eines erkrankten Darmabschnitts muss der Chirurg die Verbindung – die Anastomose – zwischen den Darmenden wieder herstellen. Technisch ist dies kein Problem, Chirurgen wissen, worauf sie achten müssen. Doch auch die perfekte Naht ist keine Garantie, dass zusammenwächst, was zusammengefügt wurde. 

Im ungünstigsten Fall entsteht in der Nahtreihe der Darmwand ein Loch, eine Insuffizienz. Dann entweicht Stuhl in den Bauchraum und löst eine massive Infektion aus, die sich zur Lebensbedrohung entwickeln kann. In jedem Fall werden aufwendige, teure Nachbehandlungen notwendig.

Bislang wurden die Ursachen für diese Anastomosen-Insuffizienz auf Seiten der Chirurgen gesucht. Eine hohe Spannung auf der Naht, Durchblutungsstörungen, fehlerhafte Nahttechniken, ungeeignetes Nahtmaterial und andere mechanische Faktoren galten als Auslöser.

 

Bakterien verursachen Komplikationen nach Bauchoperation

Neuere Forschungsergebnisse rückten nun Bakterien, die natürlicherweise im Darm vorkommen, in den Fokus im Zusammenhang mit einem suffizienten Heilungsverlauf und einer guten Wundheilung nach der Bauchoperation. So konnten die Experten nachweisen, warum und auf welche Weise Bakterien nach der OP Komplikationen verursachen und die Wundheilung beeinträchtigen. Denn die Operation verändert die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm, im sogenannten Mikrobiom.

Häufig verschwinden die guten Bakterien, die die Wundheilung nicht stören, und die schlechten, die den Heilungslauf nach der Bauchoperation stören, nehmen dramatisch zu.

Im Grunde genommen setzen die schlechten Bakterien dann Substanzen frei, die die Elemente zerstören, die unser Körper hergestellt hat, um den Heilungsprozess nach der chirurgischen Wiedervereinigung der Darmenden in Gang zu bringen.

Zwar haben Studien gezeigt, dass man die Anastomosen-Insuffizienz durch das Auftragen von Antibiotika im Darmtrakt erfolgreich verhindern kann. Experten sehen darin jedoch nicht die endgültige Lösung. Unter dem Strich sollte es das Ziel sein, die guten Bakterien im Darm zu fördern und die schlechten zu verdrängen.

 

Mikrobiom so zu beeinflussen

Experten forschen nun an einem Gegenmittel, das anders als Antibiotika keine Resistenzen fördert. Sie konzentrieren sich dabei auf die Aufklärung der Dynamik der Heilung auf molekularer Ebene.

Im Grunde genommen sollte es zukünftig jedenfalls möglich sein, das Mikrobiom positiv zu beeinflussen. Und zwar so, dass eine Behandlung die schlechten, pathogenen Bakterien, die Anastomosen-Insuffizienzen verursachen, unterdrücken kann. Damit könnte man den Einsatz von Antibiotika reduzieren und das Problem der multiresistenten Krankenhauskeime besser in den Griff bekommen.


Literatur:

Shakhsheer BA, Lec B, Zaborin A, et al. Lack of evidence for tissue hypoxia as a contributing factor in anastomotic leak following colon anastomosis and segmental devascularization in rats. Int J Colorectal Dis. 2017;32(4):539-547. doi:10.1007/s00384-016-2737-9

Lam A, Fleischer B, Alverdy J. The Biology of Anastomotic Healing-the Unknown Overwhelms the Known [published online ahead of print, 2020 Jun 10]. J Gastrointest Surg. 2020;10.1007/s11605-020-04680-w. doi:10.1007/s11605-020-04680-w


Quelle: http://www.chirurgie.de

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