Bärentraube und Cranberry bei Harnwegsinfekten

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Bärentraube und Cranberry haben sich seit Jahrhunderte zum Einsatz bei Harnwegsinfekten bewährt – mit unterschiedlichen Ansätzen in der Wirkung.

Nahezu 70 Prozent der Wirkstoffe, die zur Gruppe der Antiinfektiva zählen, sind Substanzen biologischen Ursprungs – sie werden also direkt von Pflanzen, Pilzen, Bakterien oder anderen natürlichen Quellen gewonnen, oder sind synthetische Kopien bzw. Derivate dieser Naturstoffe oder sind zumindest darauf ausgelegt, deren Struktur nachzuahmen: einer der bekanntesten Naturstoffe, die zur Gruppe der Antiinfektiva gehören, ist das Penicillin, das aus einem Schimmelpilz (Penicillium chrysogenum früher notatum); Chinin, ein Alkaloid aus der Chinarinde, stellt das erste Antimalariamittel dar, nach dessen Vorbild eine Vielzahl von synthetischen Derivaten wie z.B. Chloroquin hergestellt wurde. Die Heilpflanzen Bärentraube und Cranberry haben sich bei Harnwegsinfekten in zahlreichen Studien bewährt.

 

 

Blätter der Bärentraube statt

Bärentraubenblätter bei Harnwegsinfekten. Die Blätter der Bärentraube werden – im Gegensatz zu den Cranberries, deren Einsatz eher vorbeugend gemacht wird – bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege eingesetzt. Experimentell werden Zubereitungen aus den Blättern der Bärentraube gegen eine Vielzahl von Keimen – wie beispielsweis E. coli, Enterobacter oder Staphylococcus-Species – angewendet.

Für die Wirksamkeit verantwortlich sollen die in den Blättern enthaltenen Arbutinderivate sein, die als Schwefelsäurekonjugate, primär aber als Glucuronsäurederivate über die Nieren ausgeschieden werden. Bakterien im Harn nehmen diese Hydrochinon-Derivate auf, reichern sie an und überführen sie durch eigene Enzyme in das freie Hydrochinon. Dieser eigentliche Wirkstoff führt in Folge zu einer Zellschädigung durch Destabilisierung der Membrane.

Die Anwendung der Bärentraube kann zumindest theoretisch zu einer Hydrochinon-Vergiftung führen. Gemäß Kommission E sollen Bärentraubenblätter daher nicht länger als jeweils 1 Woche und höchstens 5 mal pro Jahr eingenommen werden. Zudem wird die Herstellung von Kaltmazeraten empfohlen, da bei einer Heißwasserextraktion der hohe Gerbstoffgehalt der Droge zu Unverträglichkeiten führen kann. Die früher empfohlene Alkalisierung des Harns durch Natriumhydrogencarbonat scheint laut neueren Daten nicht sinnvoll zu sein.

 

Cranberry vorbeugend anwenden

Cranberries bei Harnwegsinfektionen sind vor allem präventiv erfolgreich. @ sarsmis / shutterstock.comQuelle: sarsmis / shutterstock.com

Cranberries bei Harnwegsinfektionen sind vor allem präventiv erfolgreich. @ sarsmis / shutterstock.com

Cranberry zur Prophylaxe von Harnwegsinfekten. Seit Jahren bereits wird die Anwendung von Cranberries gegen Harnwegsinfektionen untersucht. Verantwortlich für die Wirkung werden Proanthocyane (PAC) vom Typ A gemacht, die die Expression von p-Fimbrien an E. coli-Bakterien verhindern und somit die Anhaftung (Adhäsion) dieser Bakterien an die Epithelzellen der Schleimhaut unterbinden (2). PAC vom Typ A sind Oligomere des Catechins und Epicatechins, die über zwei Bindungsstellen, eine C-C- und eine C-O-Bindung, miteinander verknüpft sind und sich dadurch von anderen PAC, die z.B. im Grüntee, in Schokolade, in Apfelsaft oder Traubensaft enthalten sind, unterscheiden.

Cranberry-PAC können, wenn sie dem Wachstumsmedium von E. coli zugesetzt werden, die Struktur von p-Fimbrien verändern und deren Expression signifikant inhibieren. Die Wirksamkeit von Cranberries wurde in einer Vielzahl von klinischen Studien, so z.B. der Kontiokari-Studie, überprüft. Laut aktuellen Studiendaten soll der tägliche Konsum von Cranberry-Saft wiederkehrende Harnwegsinfektionen bei Frauen verhindern können. Ein Nutzen für ältere Männer und Frauen sowie Patienten mit Blasenkathetern konnte nicht eindeutig gezeigt werden.

Grundsätzlich scheint die Wirksamkeit von Cranberry-Produkten bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen bei Frauen gegeben zu sein, auch die Sicherheit von Cranberry-Produkten scheint allgemein gewährleistet zu sein. Wobei sich die Frage stellt, ob PAC die alleinigen Wirkungsträger sind.

Quelle: Phytopharmaka bei Infektionskrankheiten. Medmix 2 2009.

 

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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