Babys hassen Dissonanzen

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Auch die Kleinsten mögen keine Dissonanzen, offenbar sind die Grundmuster der Harmonielehre im Gehirn musikalischer Laien fest programmiert.

Die Fähigkeit, musikalische Strukturen zu erkennen, scheint allen Menschen schon mit der Geburt gegeben zu sein. In mehrere Studien wurden sechs bis neun Monate alte Kleinkindern diverse Melodien und musikalische Tonfolgen sowie Dissonanzen vorgespielt, mit eindeutigen Reaktionen auf die verschiedenen musikalischen Eindrücken.

 

Babys reagierten in Studien auf Dissonanzen

Wenn sich das Tempo oder die Tonhöhe änderte, hörten die Kleinen den Ergebnissen der Untersuchungen zufolge mit gesteigerter Aufmerksamkeit hin. Außerdem signalisierten sie durch ihr Verhalten, dass ihnen empfundene geringfügige Abweichungen der melodischen Struktur auffielen.

Am überraschendsten war, wie die Kleinen auf wohl klingende (konsonante) Passagen Dissonanzen reagierten. Konsonante Tonfolgen wie der Dur-Dreiklang, der aus Grundton (C), großer Terz (E) und reiner Quint (G) besteht, habe den Kindern ein fröhliches Lächeln entlockt. Auf Dissonanzen reagierten die Babys mit Widerwillen.

 

Absolutes Gehör

Babys scheinen mit einem absoluten Gehör auf die Welt zu kommen. Im Laufe ihrer Kindheit verlieren sie dieses aber wieder, weil ein derart verfeinerter Sinn im Alltag nicht benötigt wird – das haben US-Wissenschafter herausgefunden. Das absolute Gehör, also die Begabung, ­musikalische Töne genau zu erkennen, ist dafür verantwortlich, dass Babys sprechen lernen können. H

aben sie einmal die Sprachfähigkeit erworben, so verlieren sie ihr absolutes Gehör wieder, es sei denn es wird speziell weiter gefördert: zum Beispiel durch Erlernen eines Musikinstrumentes oder einer Sprache, deren feine ­Untertöne durch verschiedene Betonungen ausgedrückt werden. So können acht Monate alte Säuglinge im Gegensatz zu Erwachsenen selbst kleinste Änderungen einer Tonfolge unterscheiden. Die Fähigkeit, einen Ton genau zu erkennen, hilft Babys beim Sprechen lernen.

Warum allerdings die meisten Menschen später diese Fähigkeit verlieren, ist bnicht gänzlich geklärt. Vermutlich liegt das daran, dass diese Fähigkeit nicht so extrem nützlich ist. Wenn man Musiker ist, ist es wichtig, dass man die genaue Tonhöhe erkennt. Oder wenn man eine tonale Sprache wie Vietnamesisch oder Chinesisch lernt, wo die Tonhöhe die Bedeutung der Wörter mitbestimmt. Ansonsten ist es eher verwirrend, wenn man sich stets an die genaue Tonhöhe erinnern muss.

Es gibt einige Studien, die darauf hinweisen, dass Menschen, die in jungen Jahren ein Musikinstrument spielen lernen, sich eher das absolute Gehör erhalten können. Es gibt auch Studien, die ein höheres Vorkommen des absoluten Gehörs bei Blinden nachweist.

Literatur:

Paula Virtala, Minna Huotilainen, Eino Partanen, Vineta Fellman, Mari Tervaniemi. Newborn infants‘ auditory system is sensitive to Western music chord categories. Front Psychol. 2013; 4: 492. Published online 2013 Aug 7. Prepublished online 2013 Apr 2. doi: 10.3389/fpsyg.2013.00492

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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