Aussichten auf neue Migräne-Präventivtherapie

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Antikörper als potenzieller Therapieansatz bei Migräne – Studien der American Headache Society eröffnen vielversprechende Aussichten auf neue Migräne-Präventivtherapie

 

Migräneattacken sind unangenehm und treten in der Regel sehr abrupt bzw. unerwartet auf. Wer darunter leidet kennt die klassischen Symptome der tückischen Attacken – stechende Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Der Deutschen Kopf- und Migränegesellschaft zufolge, sind etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen. Nun präsentieren Wissenschafter einen neuen Therapieansatz mit Präventiv-Wirkung, die es ermöglichen soll, Schmerzattacken zu verhindern. Ziel des neuen Therapieansatzes ist die spezifische Blockade bzw. Außerkraftsetzung eines für die Migräne zentralen Botenstoffes, dem sogenannten „Calcitonin-Gene related Peptide“, kurz CGRP. Dieser kommt überall im Körper vor, hauptsächlich aber im Gehirn und im Darm. Er verfügt über eine zentrale Rolle bei Entzündungsvorgängen, erweitert die Blutgefäße und wird während der Migräneattacke vom Trigeminusnerv ausgeschüttet.

Da die Lahmlegung des Botenstoffes mittels molekularer Blockade aufgrund von leberspezifischen Nebenwirkungen keine realisierbare Lösung darstellt, soll nun ein Antikörper dabei helfen, die Aktivität von CGRP zu hemmen. Zwar erzielen beide Methoden dasselbe Ergebnis, der Weg dorthin unterscheidet sich jedoch grundlegend. Verabreicht man ein speziell dafür hergestelltes Molekül, kommt es zu einer gezielten Inaktivierung bzw. Blockade von CGRP, welches jedoch gleichzeitig zu Störungen der Leberfunktion führt. Der Antikörper hingegen markiert den zu eliminierenden Botenstoff, wodurch dieser für das Immunsystem zum Fremdkörper wird und inaktiviert bzw. eliminiert wird.

„Dies ist eine bahnbrechende Entwicklung in der Migräne-Behandlung, die zu einem grundlegend anderen Behandlungsstil führen könnte,“ erklärt Dr. Peter J. Goadsby von der American Headache Society, einer der weltweit bekanntesten Experten auf dem Gebiet der Kopfschmerz- und Migräne-Forschung.

„Wir brauchen etwas neues, etwas Besseres,“ so der Experte. „Wir benötigen eine Migräne-spezifische Behandlungsstrategie. Denn seit der Einführung der Triptane im Jahr 1991 gab es bis dato keine neuen anti-Migräne Medikamente. Zudem fallen Triptane nicht in die Kategorie Migräne-Präventivtherapie, sondern dienen lediglich der Behandlung einer bereits bestehenden Migräne-Attacke.“

Bislang standen Patienten nur wenige Möglichkeiten einer Migräne-Präventivtherapie zur Verfügung. Nun aber zeigen Humanstudien, die sich mit der gezielten Inaktivierung von CGRP beschäftigen und derzeit von vier pharmazeutischen Unternehmen durchgeführt werden, vielversprechende Ergebnisse.

Verschiedene Versionen des anti-CGRP Ansatzes werden aktuell von Adler Pharmaceuticals, Amgen, Eli Lilly and Company, und Teva Pharmaceuticals getestet.

Laut Teva, führte ihr Medikament in Phase IIb Studien (durchgeführt an Patienten mit Migräne) zu einer signifikanten Reduktion der Kopfschmerzdauer. Lilly präsentierte Daten zum Thema episodische Migräne, die die Effektivität des von ihnen entwickelten Medikamentes bei einmal monatlicher Verabreichung bestätigt. Amgen wiederrum präsentierte Phase II Daten für ihr anti-CGRP Medikament und zeigte das dieses die Anzahl der Migräne-Tage nach 12 Wochen um 50 Prozent reduzierte. Auch Adler Pharmaceuticals arbeitet an der Entwicklung eines anti-CGRP Medikamentes mit sehr positiven bzw. vielversprechenden Phase II Ergebnissen.

„Das Potenzial dieser Medikamente ist enorm und lässt auf die Entwicklung einer effektiven Therapieoption hoffen,“ so Dr. Goadsby. „Die Entwicklung von CGRP-Antikörpern ist eine einfache, dennoch sehr elegante und lang ersehnte Option zur Migräne-Präventivtherapie.“

Quelle: http://www.americanheadachesociety.org/57th_annual_scientific_meeting/

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About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

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