Ausreichend Vitamin D, Bewegung und REHA kann die COPD stoppen

COPD © kenary820 / shutterstock.com

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Ausreichend Vitamin D, Bewegung und Rehabilitation können das Fortschreiten der COPD aufhalten sowie Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Betroffenen deutlich erhöhen.

Vitamin D, Bewegung sowie eine effektive Rehabilitation helfen gegen COPD. Anlässlich des bevorstehenden Welt-COPD-Tages am 20. November weisen Österreichs Lungenfachärzte von der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) auf neue Erkenntnisse rund um das Sonnenschein-Vitamin D hin. Dazu gibt es auch aktuelle österreichische Untersuchungen. Im Grunde genommen können jedenfalls eine ausreichende Vitamin D-Zufuhr, reichlich Bewegung sowie eine wirksame Rehabilitation das Fortschreiten der COPD-Erkrankung aufhalten. Zudem können Patienten so ihre Lebensqualität und ihre Leistungsfähigkeit deutlich erhöhen.



 

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD

Eine Raucherlunge, eine schadstoffbelastete Lunge,die  chronische Bronchitis sowie ein Lungenemphysem sind Synonyme der gefürchteten chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, kurz COPD. Nach Herzinfarkt und Schlaganfall ist die COPD mittlerweile die dritthäufigste Todesursache weltweit. Sie führt zu einer sukzessiven Zerstörung der Lungenbläschen und Lungengefäße und damit zu einem schleichenden Verlust der Lungenfunktion. Leitsymptome: Auswurf, chronischer Husten, quälende Atemnot. COPD ist zwar nicht heilbar, aber behandelbar. Das heißt, die Zerstörung der Bronchien kann zwar nicht wieder rückgängig gemacht, aber aufgehalten werden.

Wobei COPD nicht gleich COPD ist. Unter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung versteht man verschiedene Krankheitsausprägungen, die mit einer Verengung (Obstruktion) der Atemwege und/oder einer nicht rückbildungsfähigen Überblähung der Lunge (Lungenemphysem) einhergehen. Ausgangspunkt ist stets eine chronische Entzündung der Bronchien. Bei COPD reagiert die Lunge mit überschießenden Entzündungsreaktionen, die zu einer irreversiblen Schädigung der Lungenstruktur und im Endeffekt zur Zerstörung der Lunge führen. Unbehandelt führt COPD zum Erstickungstod.

Prinzipiell gibt es zwei Hauptformen. COPD mit chronischer Bronchitis, also einer entzündlichen Verengung der Bronchien, und COPD mit einem Lungenemphysem. Also mit einer Überblähung der Lunge, bei der man Atemluft nicht mehr vollständig abatmen und weniger Frischluft einatmen kann. In beiden Fällen sind Husten und Atemnot die Leitsymptome. Oft treten beide Formen gemeinsam auf.

 

Die Behandlung von Vitamin D-Mangel verhindert COPD-Attacken

Vitamin D, das Sonnenschein-Vitamin, bildet man im Körper durch die Einwirkung von Sonnenlicht. Manche nennen es auch „Alleskönner-Vitamin“. Denn es soll gegen Knochenschwund, fürs Gehirn, für Haut und Haare nützen. Auch für das Immunsystem ist es wichtig. „Neue Untersuchungen belegen die Wichtigkeit von Vitamin D auch bei COPD“, so Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP).

Eine im Fachjournal „Thorax“ 2019 veröffentlichte Metaanalyse[1] zeigte, dass die Gabe von Vitamin D bei bestehendem Mangel die Anzahl der gefürchteten schubweisen Verschlechterungen der COPD (Exazerbationen) deutlich senken kann. Das ist vor allem deswegen so wichtig, da die überwiegende Anzahl der Todesfälle bei COPD bei solchen akuten Exazerbationen auftreten. Die Metaanalyse zeigt, dass jene Patienten, deren Vitamin D-Spiegel unter 25 Nanomol/Liter lag, am meisten von einer Vitamin D-Gabe profitierten: Durch die Zufuhr von Vitamin D sank die Exazerbationsrate um 45%.

Wissenschaftler[2] vermuten dafür folgende Gründe: Einerseits schwächt ein Vitamin D-Mangel das Immunsystem. Dadurch kann es zum vermehrten Auftreten von Atemwegsinfektionen kommen. Dies führt wiederum zu einer weiteren Belastung der durch die COPD ohnehin schwer in Mitleidenschaft gezogenen Atemwege und begünstigt so das Entstehen einer Exazerbation. Andererseits hemmt Vitamin D die Produktion mehrerer entzündungsfördernder Botenstoffe und unterdrückt bestimmte Immunzellen, die vermutlich bei der Entstehung von COPD eine Rolle spielen.

 

Kennen Sie Ihren Vitamin D-Status?

„Allerdings soll jetzt nicht jeder COPD-Patient einfach Vitamin D zuführen“, betonte Lamprecht, Stv. Dekan für Lehre und Studierende, Medizinische Fakultät, Johannes Kepler Universität, und Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum. Bei COPD-Patienten, die einen normalen Vitamin D-Spiegel hatten, brachte die Zufuhr von Vitamin D keinen weiteren Nutzen. Nur wenn ein Mangel vorliegt und dann Vitamin D zugeführt wird, ließ sich die Häufigkeit der potenziell tödlichen Exazerbationen beinahe halbieren.



Lamprecht: „Aber gerade in den Wintermonaten, wenn die Intensität der Sonnenstrahlung in unseren Breiten kaum ausreichend ist, um den täglichen Vitamin D-Bedarf zu decken, ist eine Unterversorgung mit diesem Vitamin nicht selten, besonders bei älteren und chronisch kranken Menschen. Daher sollten COPD-Patienten ihren Vitamin D-Status überprüfen lassen und gegebenenfalls ein Vitamin D-Präparat in Erwägung ziehen.“

 

Atemnot, Husten und Auswurf (AHA-Symptome) immer ernst nehmen

Apropos kalte Jahreszeit: „Die ersten Symptome einer COPD werden oft durch gerade in der kalten Jahreszeit häufig auftretende grippale Infekte ‚verschleiert‘ bzw. nicht richtig wahrgenommen. Die sogenannten AHA-Symptome – Atemnot, Husten und Auswurf – sollten immer ernst genommen und weiter, zum Beispiel durch eine Spirometrie, also einen Lungenfunktionstest, abgeklärt werden“, appelliert Lamprecht.

 

Bewegung bei COPD

Bei COPD finden nicht nur in der Lunge entzündliche Prozesse statt, sondern auch in den Muskeln. In der Folge kommt es zu Muskelabbau und einem Umbau der Muskelfasern. Die Muskelkraft der Patienten schwindet. Umso wichtiger ist es, dem zeitgerecht und zielgerichtet entgegen zu wirken. „Zahlreiche Studiendaten belegen die Wichtigkeit von Bewegung und Muskelaufbautraining bei COPD. Und gerade bei Patienten mit einem schlechten Allgemeinzustand, man spricht von ‚Frailty‘, also Gebrechlichkeit, ist moderates körperliches Training extrem wichtig. Einerseits, damit die Patienten wieder in der Lage sind, ihren Alltag allein meistern zu können. Und andererseits können dadurch drohende Exazerbationen und die daraus resultierenden Spitalsaufenthalte verhindert oder zumindest verringert werden.“

 

Experten empfehlen: Rehabilitation bei COPD unbedingt angeraten

Die für den jeweiligen COPD-Patienten maßgeschneiderte Form der Bewegung und des körperlichen Trainings sind am besten im Zuge einer Rehabilitation zu erlernen und einzuüben.

Lamprecht: „Im Zuge einer Rehabilitation werden die Therapien genau auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten. Einen wichtigen Stellenwert hat hier auch die sogenannte Patientenschulung: Atemtherapie mit Atemtechniken, atemerleichternde Körperhaltungen und Atemmuskeltraining, Entspannungsübungen, Lungensport, gezielte Gymnastik, Ernährungsberatung, gegebenenfalls Tabakentwöhnung und psychologische Therapien sowie eine fachärztliche Überprüfung der Medikamente, Schulungen z.B. bezüglich der richtigen Handhabung des Inhalators und diverser Hilfsmittel werden im Zuge des meist mehrwöchigen Rehabilitationsaufenthaltes angeboten. Deshalb ist eine Rehabilitation manchmal auch schon direkt nach der Diagnosestellung sinnvoll“, erläutert Lamprecht.

Die Vorteile einer Lungen-Rehabilitation belegen auch die jüngsten Daten einer an der Reha-Klinik Enns in Zusammenarbeit mit der Klinik für Lungenheilkunde des Kepler Universitätsklinikums in Linz durchgeführten Studie, die auf der Jahrestagung der ÖGP im Oktober diesen Jahres präsentiert wurden. Es zeigte sich dabei eindeutig, dass die Patienten unabhängig von ihrem Geschlecht und Alter sowie unabhängig von der Ausprägungsform und dem Schwergrad ihrer Lungenerkrankung von einer pulmologischen Rehabilitation profitieren konnten.

Lungenspezialist Lamprecht: „Auch die sogenannten GOLD-Empfehlungen[3] für 2020 betonen die Wichtigkeit von Rehabilitation, Bewegung und Vitamin D-Supplementation bei Vitamin D-Mangel bei COPD-Patienten.“

 

Vorbeugen ist die beste Therapie

Abschließend betonte Lamprecht aber die Wichtigkeit der Prävention: „An erster Stelle steht natürlich der Rauchstopp, denn die Mehrzahl aller COPD-Patienten sind aktive oder ehemalige Raucher. An zweiter Stelle aber stehen Schutzimpfungen: Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, sich gegen Influenza und Pneumokokken impfen zu lassen.“




Literatur:

[1] Jolliffe DA et al. Vitamin D to prevent exacerbations of COPD. Systematic review and meta-analysis of individual participant data from randomised controlled trials. Thorax. 2019 Apr;74(4):337-345. doi: 10.1136/thoraxjnl-2018-212092. Epub 2019 Jan 10.

[2] Kokturk N, Baha A, Oh YM, Young Ju J, Jones PW. Vitamin D deficiency: What does it mean for chronic obstructive pulmonary disease (COPD)? A comprehensive review for pulmonologists. Clin Respir J. 2018 Feb;12(2):382-397. doi: 10.1111/crj.12588. Epub 2017 Jan 5.

[3] GOLD-Empfehlungen: Von der Global initiative for Chronic obstructive Lung Disease jährlich herausgegebene Empfehlungen zur Behandlung von COPD


Quelle: Österreichische Gesellschaft für Pneumologie

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