Auslöser für chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung entdeckt

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Als Auslöser für chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung – für chronische Pankreatitis – konnten Forscher die Fusion zweier Gene identifiziert werden.

Als chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung bezeichnet man eine dauerhafte Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Dabei treten anhaltende und wiederkehrende Entzündungsschübe der Bauchspeicheldrüse auf. Dadurch kommt es zur langsamen Zerstörung der funktionstüchtigen Zellen in der Bauchspeicheldrüsen. Infolge ersetzt narbenartiges Gewebe diese Zellen.

 

Wenn die Bauchspeicheldrüse ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann

Allerdings kann die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) nun ohne die funktionstüchtigen Zellen ihre zugeordneten Aufgaben im Körper nicht mehr ausreichend erfüllen.

Denn einerseits wird die wichtige Produktion von Verdauungsenzymen langsam eingestellt. Und diese sind dafür verantwortlich, dass die Nahrung in kleinere Einheiten zerlegt und so aus dem Darm in den Körper aufgenommen wird. Das kann zu teilweise übelriechenden Durchfällen, Gewichtsverlust sowie Vitaminmangel führen.

Andererseits werden auch die Langerhans-Inseln oder Inselzellen, die die Höhe des Blutzuckers registrieren und weiters Insulin produzieren, zerstört. So wird weniger beziehungsweise gar kein Insulin mehr produziert. Durch die Störung des Glukosestoffwechsel kann sich wiederum Diabetes mellitus entwickeln.

 

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung und ihr klinisches Erscheinungsbild

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung zeigt sich klinisch durch Übelkeit, Erbrechen und starken Oberbauchschmerzen. Die Schmerzen sind in etwa der Hälfte der Fälle im Epigastrium lokalisiert, wobei die oben besprochene Ausstrahlung in den Rücken eher die Regel als die Ausnahme ist. Bei der klinischen Untersuchung lassen sich die Schmerzen in 20% auch im linken phrenico-costalen Winkel – Mallet-Guy’sches Zeichen – oder am Rücken im linken costovertebralen Winkel – Mayo-Robson’sches Zeichen lokalisieren.
Beim Abtasten ist der Bauch, das Abdomen, meist nicht hart sondern zeigt sich gummiartig. Anzeichen einer Peritonitis – einer Entzündung des Bauchfells – sind selten, da sich die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung zu Erkrankungsbeginn vollständig hinter dem Bauchfeld – im Retroperitoneum – abspielt.

Hingegen kommt es oft schon in der Frühphase zu einer sogenannten reflektorischen Paralyse einzelner Darmabschnitte oder sogar zum Vollbild eines sogenannten paralytischen Ileus. Dabei wird der Darm wird nicht durch eine Struktur eingeengt, sondern die Muskeltätigkeit – die Peristaltik – in der Darmwand ist praktisch gelähmt und kann den Darminhalt nicht mehr transportieren.

Ein weiteres klinisch frühes Zeichen – noch bevor sich die Darmgeräusche ändern – ist das geblähte Abdomen der Patienten, der Blähbauch. Neben der sorgfältigen klinischen Untersuchung des Abdomen, die im Rahmen der akuten Pankreatitis diagnoseweisende Befunde liefern kann, muss auf die Bedeutung einer kompletten körperlichen Untersuchung für die Beurteilung von Komplikationen und möglichen Differentialdiagnosen hingewiesen werden. Schwierige Differentialdiagnosen wie Herzinfarkt – mittels EKG – und Mesenterialinfarkt – mittels rektaler Untersuchung – müssen gemacht werden. Um die pulmonale Infiltrate oder den bei Pankreatitis häufig linksseitigen Pleuraergusses auszuschließen, muss der Thorax sorgfältig untersucht werden.

 

Gen-Fusion als Auslöser für die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung

Unlängst haben Forscher aus Norwegen und Greifswald eine Art „Gen-Fusion“ als Auslöser für die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung entdeckt. Hintergrund ist, dass die Erbsubstanz, die DNA, sehr variabel ist und es so möglich ist, DNA-Schäden rasch zu reparieren. Die Erbsubstanz kann sich aber auch an veränderte Umweltbedingungen anpassen, was wiederum bei einer fehlerhaften Reparatur oder Vererbung zu erblichen Krankheiten führen kann.

Sehr viel seltener können Erbanlagen oder Gene aber auch miteinander verschmelzen, wobei man diese Art der Fusion bereits bei Krebszellen beobachten konnte. Genauso wie DNA-Mutationen können auch Gen-Fusionen das Programm von Zellen stören. Mit zum Teil schwerwiegenden Folgen für davon betroffene Menschen. Es entsteht dann ein Fusionsgen aus dem Verdauungsenzym Carboxyl Ester Lipase (CEL) mit einem benachbarten Pseudogen (CELP). Was zur Produktion einer neuen Chimäre von Lipase mit veränderter Struktur und gestörter Funktion führt.

 

Alkoholismus als Auslöser

Oft auch ist langjähriger Alkoholmissbrauch der Auslöser für die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung. Deshalb werden Patienten mit Pankreatitis häufig mit dem Generalverdacht des Alkoholismus konfrontiert. Bei mindestens 30 Prozent der Patienten mit chronischer Pankreatitis finden Ärzte jedoch keine Erklärung für die Erkrankung und in diesen Fällen spielen eben oft erbliche Risikofaktoren die entscheidende Rolle. Hierzu gehört jetzt auch das neu identifizierte CEL-Fusionsgen. Erstmals wurde dabei eine erbliche Veränderung entdeckt, die nicht ein eiweißverdauendes, sondern ein Fettstoffwechselenzym betrifft.

Allerdings ist der diagnostische Nachweis des CEL-Fusionsgens schwierig, weil automatisierte Verfahren, die auf den Nachweis von Gen-Mutationen abgestimmt sind, eine Genfusionsvariante oft nicht vom gesunden Gen unterscheiden können. Deswegen haben die Forscher eine dafür speziell entwickelte molekulargenetische Methode untersucht.

Im Grunde genommen müssen die Menschen mit dem Fusionsgen nicht automatisch erkranken. Sie tragen aber ein etwa sechsfach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung in sich. Die Identifizierung des Gens befreit nicht nur Betroffene vom Stigma des übermäßigen Alkoholkonsums, sondert erlaubt auch ein viel besseres Verständnis der zellulären Grundlagen der Erkrankung und kann vielleicht zur Entwicklung neuer, maßgeschneiderter Therapien beitragen.

Literatur:

Fjeld et al. A recombined allele of the lipase gene CEL and its pseudogene CELP confers susceptibility to chronic pancreatitis. Nature Genetics 47, 518–522 (2015), doi:10.1038/ng.3249.


Quelle: Universitätsmedizin Greifswald

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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