Atorvastatin – der bewährte Cholesterinsenker erneut im Blickpunkt

Atorvastatin führt durch seine lipidsenkenden Eigenschaften zur Senkung des LDL-Cholesterins, der Triglyzeride und des Apolipoprotein B; weiters erhöht Atorvastatin das gute HDL-Cholesterin. © afcom.at / wikimedia

Atorvastatin führt durch seine lipidsenkenden Eigenschaften zur Senkung des LDL-Cholesterins, der Triglyzeride und des Apolipoprotein B; weiters erhöht Atorvastatin das gute HDL-Cholesterin. © afcom.at / wikimedia

Der Cholesterinsenker Atorvastatin soll vor allem den Cholesterinspiegel senken,der Lipidsenker zählt zu den stärksten wirksamen Statinen am Markt.

Der Cholesterinsenker Atorvastatin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Statine, der die Bildung von Cholesterin hemmt und LDL senkt. Man setzt den Cholesterinsenker zur Behandlung von Störungen des Fettstoffwechsels und zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein. Da Atorvastatin über CYP3A4 metabolisiert wird, kann der der Cholesterinsenker zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimittel ermöglichen. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Verdauungsstörungen, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Im Grunde genommen ist Atorvastatin ein Statin, das man unabhängig von den Mahlzeiten einsetzen kann, wobei man den Cholesterinsenker jeden Tag zur gleichen Zeit einnehmen sollte.

Unter dem Strich hängt der Erfolg von Statinen jedenfalls von der Compliance des Patienten bei der Einnahme der Medikamente ab, das gilt natürlich auch für den Cholesterinsenker Atorvastatin. Und zwar ist das das vor allem für die Senkung der Lipide oder der Verhinderung von kardiovaskulären Ereignissen der Fall.

 

Atorvastatin ist ein HMG-CoA Reduktasehemmer

Atorvastatin ist ein so genannter ein HMG-CoA-Reduktasehemmer, das Statin verfügt als Cholesterinsenker über stark lipidsenkende Eigenschaften. Diese führen zur allgemeinen Senkung erhöhter Gesamtcholesterin-, LDL-Cholesterin-, Apolipoprotein-B- und Triglyceridspiegel. Weiter dient der Wirkstoff zur Vorbeugung diverser kardiovaskulärer Ereignisse bei Hochrisikopatienten im Zuge einer Primär- und Sekundärprävention.

Atorvastatin ist wirksamer als ältere HMG-CoA-Reduktasehemmer und ist in der Lage, das LDL-Cholesterol um 41 bis 61% und das Gesamt-Cholesterol um 30 bis 46% zu reduzieren. Weiter erreicht man durch die Statin-Therapie mit Atorvastatin eine stärkere Senkung der Plasma-Triglyceride (um 14-33%) sowie des Apolipoproteins B (um 34-50%).

 

Dosierung

Im Grunde genommen ist eine individuelle Einstellung bei der Dosierung der Statin-Therapie mit dem Cholesterinsenker Atorvastatin wichtig. Damit der Arzt das meistern kann, muss er verschiedene Faktoren bedenken. So hängt beispielsweise die verabreichte Dosis von dem im Patienten gemessenen Ausgangs-LDL-Cholesterinwertes ab. Weiter ist in punkto Wahl der Dosis das Ziel der Therapie sowie das individuelle Ansprechvermögen des Patienten wichtig.

Üblicherweise jedoch erfolgt die Atorvastatin-Verabreichung über eine Anfangsdosis von 10 mg ein mal täglich. Diese kann zu jeder beliebigen Tageszeit und weitgehend unabhängig von Mahlzeiten erfolgen. In vier- oder mehr-wöchigen Intervallen wird anschließend die Dosierung entsprechend und individuell angepasst. Man sollte aber keinesfalls mehr als die Maximaldosis von 4 Filmtabletten, entsprechend 80 mg, einmal täglich einnehmen.

 

Verträglichkeit und unerwünschte Wirkungen und Compliance

Zahlreiche Studien untermauern die besonders hohe Wirksamkeit von Atorvastatin mit sehr guten Sicherheitsdaten. Darin liegt auch der Schlüssel der hohen Compliance bei den Patienten. Im Grunde genommen vertragen die meisten Patienten das Atorvastatin sehr gut.

Beispielsweise waren die Dosierungen 20 und 40 mg Atorvastatin wirksam und sicher bei der Behandlung von Dyslipidämie bei postmenopausalen Frauen mit mittlerem bis hohem kardiovaskulärem Risiko.

Nur selten treten therapiebedingte Beschwerden auf. Dazu gehören Probleme des Magen-Darm Traktes, Beeinträchtigungen des Kreislaufes, Kopfschmerzen, Gelenk- oder Muskelschmerzen sowie Rückenschmerzen. Weiter konnte man auch allergische Reaktionen, Hautausschlag, Juckreiz sowie Sensibilitätsstörungen beobachten.

Wenn der Patient die tägliche Maximaldosis von 80 mg der Substanz bekommt, so kann, wenn auch selten, ein Unwohlsein auftreten. Manchmal treten auch Erbrechen und Appetitlosigkeit, sowie Gewichtszunahme auf. Weitere seltene unerwünschte Wirkungen sind Muskelkrämpfe, Gedächtnisstörung, Haarausfall, Impotenz sowie Ohrensausen. Manchmal klagen Patienten auch über zu hohe oder zu tiefe Blutzuckerspiegel.

Einige der Hindernisse für eine erfolgreiche Statintherapie sind auch Nebenwirkungen sowie mangelndes Verständnis für die Bedeutung der Statintherapie. Diese Faktoren können sich dann negativ auf die Compliance der Patienten auswirken und sie die Medikamente nicht vorgeschrieben einnehmen.

 

Pharmakokinetik

Bei der oralen Einnahme wird Atorvastatin sehr rasch resorbiert. Schon nach ein bis zwei Stunden lassen sich maximale Plasmaspiegel feststellen. Wenn man man die Dosis erhöht, so steigt das Ausmaß der Resorption proportional an. Eine Atorvastatin-Filmtablette ist zu 95 bis 99% biologisch verfügbar. Wobei die absolute Bioverfügbarkeit 12% beträgt.

Unter dem Strich ist die systemische Verfügbarkeit mit etwa 30% sehr gering. Und zwar aufgrund der präsystematischen Clearance in der gastrointestinalen Mukosa und/oder einem First-Pass Metabolismus in der Leber.

Die Verstoffwechslung des Arzneistoffes erfolgt in erster Linie durch Cytochrom P450 Isoenzym 3A4. Die daraus resultierenden Beta-Oxidationsprodukte werden durch Glucuronidierung weiter verarbeitet. Für die Elimination – Eliminationshalbwertszeit beträgt 14 Stunden – von Atorvastatin ist hautsächlich die Galle verantwortlich. Die Wirkung tritt zwischen drei Tagen und zwei Wochen nach Therapiebeginn ein. Zudem zeigt sich die stärkste Wirkung zwischen zwei bis vier Wochen nach Therapiebeginn.

 

Das Statin Atorvastatin ist ein Therapeutikum erster Wahl in Hinblick auf die Therapie der Cholesterinämie

Bei Patienten, die an einem erhöhten kardiovaskulären Risiko leiden, versuchen Ärzte mit der Statin-Therapie mit dem Cholesterinsenker Atorvastatin besomnders niedrigere LDL-Cholesterinwerte zu erreichen. Während hohe HDL-Werte den Körper unterstützen können. Die optimale Verschiebung beider Werte durch einen Lipidsenker geschieht allerdings selten.

Jedenfalls kommt man mit in Bezug auf die LDL-Senkung mit Atorvastatin dem Idealzustand bedeutend nahe. Dementsprechend verdient der Lipidsenker einen Platz unter den Therapeutika erster Wahl in Hinblick auf die Therapie der Cholesterinämie.

Zudem dient die Statin-Therapie mit dem Cholesterinsenker Atorvastatin somit sowohl jenen mit leicht erhöhten, als auch Betroffenen mit äußerst gefährlichen Cholesterinwerten.

Im Grunde genommen ist die koronare Herzkrankheit (KHK) eine der Haupttodesursachen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn Herzinfarkte führen zu Arteriosklerose, die wiederum eine Verengung der Arterien verursacht. Zu den pleiotropen Wirkungen von Atorvastatin gehört seine entzündungshemmende Wirkung. Wobei zahlreiche Studien zeigen konnten, dass das Zytokin High-Mobility-Group-Protein B1 (HMGB1) eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von entzündlichen Reaktionen wie auch der Arteriosklerose spielt.

Eine rezente prospektive Beobachtungsstudie zielte darauf ab, die Wirkung von Atorvastatin auf die Serum-HMGB-1-Spiegel bei KHK zu analysieren. Es zeigte sich, dass die HMGB-1-Spiegel nach Gabe von Atorvastatin bei KHK mit Typ-2-Diabetes mellitus signifikant anstiegen. Während sie bei KHK ohne Typ-2-Diabetes mellitus nicht signifikant abnahmen. Der HMGB-1-Spiegel war zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich. Längere Zeit und mehr Punkt für die gesammelte Probe, die für weitere Forschungen benötigt wird.


Cholesterinsenker Atorvastatin – ein Statin für die Behandlung der folgenden Dyslipidämien:


Wie die Statin-Therapie mit dem Cholesterinsenker Atorvastatin wirkt

Atorvastatin gehört zu Gruppe der 3-Hydroxy-3-methyl-glutaryl-Coenzym A (HMG-CoA)-Reduktase Inhibitoren, die zu einer Hemmung der in der Zelle stattfindenden Produktion von Cholesterol führen. Im Allgemeinen basiert die Bestimmung der Geschwindigkeit der Cholesterolbiosynthese auf der gemessenen Aktivität der HMG-CoA-Reduktase.

Das Schlüsselenzym sorgt für die Reduktion von 3-Hydroxy-3-methyl-glutaryl-CoA zu Mevalonsäure, welche in weiterer Folge über Isopentenyldiphosphat, Farnesyldiphosphat und Squalen zu Cholesterol metabolisiert wird.

In diesem Zusammenhang verfügen die HMG-CoA-Reduktasehemmer wie Atorvastatin, über bedeutende Ähnlichkeit mit dem physiologischen Substrat der HMG-CoA-Reduktase, dem HMG-CoA und haben eine höhere Affinität zur HMG-CoA-Reduktase als HMG-CoA selbst. Dadurch kommt es zur kompetitiven Hemmung der HMG-CoA-Reduktase und zu einer Senkung der intrazellulären Cholesterinausschüttung, welche in weiterer Folge eine Erhöhung der LDL-Rezeptoren an der Zelloberfläche der Leberzellen bewirkt. Schließlich wird – bedingt durch die Rezeptoren – vermehrt LDL in die Zelle aufgenommen und damit auch Cholesterol aus dem Plasma in die Leberzelle geschleust.

Resultat dieser Abläufe ist eine LDL-Senkung um etwa 20 bis 45%, ohne dass die intrazelluläre Cholesterolkonzentration abnimmt.

Durch die Hemmung der HMG-CoA-Reduktase kommt es zu keinerlei Akkumulation von HMG-CoA in der Zelle – es wird wieder zu Acetyl-CoA verstoffwechselt und in den Intermediärmetabolismus eingeschleust. Auf diese Weise wird die Akkumulation potentiell toxischer Steroid-Vorstufen vorgebeugt.

Schließlich konnte Atorvastatin in einer rezenten Untersuchung die Expression von TLR4 und NF-κB im Gehirngewebe von Schlaganfall-Ratten wirksam reduzieren. Es zeigte sich auch eine gewisse Schutzwirkung auf die Funktion des Hirnnervs, was möglicherweise für die Schlaganfallbehandlung relevant sein könnte.

 

Cholesterol-Synthese nicht vollständig blockiert

Um weiterhin intakte Zellmembranen sowie eine funktionierende Steroidsynthese zu gewährleisten, wird die Cholesterolsynthese durch die Verabreichung von Atorvastatin nicht zur Gänze eingestellt . Zwar bewirkt die Therapie mittels HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren sowohl eine Gesamt- als auch LDL-Cholsterol und Apolipoprotein B Reduktion im Serum, der HDL-Cholesterol-Spiegel jedoch steigt, ebenso wie auch die Konzentration an Apolipoprotein A.

In diesem Zusammenhang deuten diverse Studienergebnisse darauf hin, dass die beobachtete Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse nicht nur mit der cholesterolsenkenden Wirkung, sondern mit weiteren Effekten auf Blutgefäßwand, Blutfluss und Blutzusammensetzung einhergeht.

Mit der Hemmung des PDGF (platelet-derived growth factor) durch Unregelmäßigkeiten der entsprechenden DNA-Synthese durch HMG-CoA-Reduktase-Hemmstoffe wird die Makrophagen- und Plättchenmigration sowie die Proliferation glatter Muskelzellen und Fibroblasten eingedämmt. Dementsprechend tritt eine Reduktion der Plaquebildung in den Gefäßen auf.

 

Studienprotokoll für eine randomisierte kontrollierte Studie mit Atorvastatin und Aspirin als adjuvante Therapie bei Covid-19-Patienten

In einer aktuellen Studie untersuchen Forscher übrigens den Nutzen und die Sicherheit von Atorvastatin und / oder Aspirin als adjuvante Therapie bei stationären Covid-19-Patienten. Und zwar im Vergleich mit Patienten in der Kontrollgruppe, die die übliche Behandlung bei COVID-19 erhalten. Dazu wird Atorvastatin zehn Tage lang oder bis zur Entlassung, je nachdem, welcher Zeitpunkt früher liegt, einmal täglich als 40 mg Tabletten zum Einnehmen verschrieben. Die Aspirin-Dosis beträgt 75 mg einmal täglich für zehn Tage oder bis zur Entlassung, je nachdem, welcher Zeitpunkt früher liegt. Alle anderen Therapien werden gemäß dem COVID-19-Behandlungsprotokoll des Instituts und dem klinischen Urteil des behandelnden Arztes verabreicht.


Literatur:

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Quellen:

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