Ein neuer Fußboden kann Atemprobleme bei Kleinkindern verursachen

Wohnungsrenovierungen in der Schwangerschaft vermeiden. © Halfpoint / shutterstock.com

Ein neuer Fußboden im Wohnumfeld von Schwangeren erhöht deutlich das Risiko, dass Kleinkindern im ersten Lebensjahr Atemprobleme bekommen.

Unlängst untersuchte eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Städtischen Klinikums »St. Georg« die Auswirkungen von flüchtigen organischen Verbindungen in den Monaten vor und nach der Geburt auf Atemprobleme in der frühesten Kindheit. Dabei zeigte sich tatsächlich, dass ein neuer Fußboden mit seinen Dämpfen im Wohnumfeld von Schwangeren das Risiko für Atemprobleme von Kleinkindern deutlich erhöht.

 

Renovieren in der Schwangerschaft vermeiden und in Folge auch Atemprobleme bei Kleinkindern

Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse empfehlen Forscher, dass Eltern zumindest während der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr ihr Zuhause nicht renovieren sollten. Assoziierte Atemprobleme mit pfeifender Atmung (dem Giemen) bei Kleinkindern, die eine ärztliche Behandlung erfordert, könnten so vermieden werden.

Ursache für die Atemprobleme könnten erhöhte Konzentrationen von flüchtigen organischen Verbindungen wie Styrol oder Ethylbenzol in den Wohnräumen sein. Diese dunsten aus den neuen Fußböden aus und landen über die Atemluft im menschlichen Organismus.

Die Forscher raten daher davon ab, in Wohnungen von Schwangeren Laminat, Teppichboden oder Fußbodenbelag neu zu verlegen. Zwar sind die Konzentrationen dieser flüchtigen Chemikalien geringer, wenn kein Kleber beim Verlegen verwendet wird, aber selbst dann reichen die Konzentrationen immer noch aus, um das Risiko der Kleinkinder, in den ersten Monaten Atemprobleme zu bekommen, deutlich zu erhöhen.

Besonders gefährdet sind Kinder, deren Mutter oder Vater bereits unter Asthma, Heuschnupfen oder anderen allergischen Erkrankungen gelitten haben. Bei diesen Kindern verfünffacht sich das Risiko.

 

Wohnungsrenovierungen und allergische Reaktionen

Frühere Studien aus Leipzig hatten bereits gezeigt, dass die Schadstoffe aus den Wohnungsrenovierungen zu Veränderungen im Immunsystem der Schwangeren führen. So konnten Wissenschaftler zum Beispiel eine verstärkte Typ 2-Immunantwort feststellen, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung allergischer Reaktionen spielt.

Schließlich deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Belastungen mit flüchtigen Chemikalien in der Schwangerschaft bedeutsamer sind als im ersten Lebensjahr. Grundsätzlich scheinen aber Renovierungen nach der Geburt des Kindes viel geringere Auswirkungen auf mögliche Atemprobleme zu haben als während der Schwangerschaft. Schließlich bleibt die Empfehlung, mit neuen Fußböden bis weit nach der Geburt zu warten.


Literatur:

Ulrich Franck, Annegret Weller, Stefan W. Röder, Gunda Herberth, Kristin M. Junge, Tibor Kohajda, Martin von Bergen, Ulrike Rolle-Kampczyk, Ulrike Diez, Michael Borte, Irina Lehmann (2014): Prenatal VOC exposure and redecoration are related to wheezing in early infancy. Environment International, Volume 73, December 2014, Pages 393–401. http://dx.doi.org/10.1016/j.envint.2014.08.013


Quelle: http://www.ufz.de/

 

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