Arthrose und Übergewicht: Ernährung gegen die Belastung der Gelenke

Problematisch im Zusammenhang mit Arthrose: Übergewicht und Adipositas belastet ganz besonders die Knie. © SciePro / shutterstock.com

Problematisch im Zusammenhang mit Arthrose: Übergewicht und Adipositas belastet ganz besonders die Knie. © SciePro / shutterstock.com

Um bei Arthrose die Gelenke fit und schmerzfrei zu halten, sollte man mit Bewegung und gesunder Ernährung die Belastung durch Übergewicht möglichst vermeiden.

Wer unter Arthrose leidet, sollte ganz besonders darauf achten, zu viele Kilos auf der Waage zu vermeiden. Denn Übergewicht ist für die Gelenke eine große Belastung, ganz besonders für die Knie. Wenn Menschen aber an Arthrose und Übergewicht leiden, dann spielen ganz besonders ausreichend viel Bewegung sowie eine gesunde, Gelenke freundliche Ernährung eine wichtig Rolle.

Jüngste Studienergebnisse konnten übrigens zeigen, dass neben Übergewicht und Fettleibigkeit auch andere Störungen des metabolischen Syndroms eine Arthrose begünstigen. Und zwar fördern auch Bluthochdruck, erhöhte Blutwerte wie Cholesterin und Triglyzeride (Hyperlipidämie), Diabetes mellitus das Fortschreiten der Gelenkerkrankung.

 

Teufelskreis: Übergewicht, Fehlstellungen der Gelenke und Arthrose

Übergewicht und angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Gelenke wirken sich bei Arthrose besonders ungünstig aus, die daraus resultierende zu starke Belastung fördert auch den Knorpelabbau. Darüber hinaus belegen Studien, dass ein übergewichtiger Organismus mehr entzündungsvermittelnde Botenstoffe, Zytokine, ausschüttet. Je mehr Fettgewebe, desto mehr Zytokine werden freigesetzt.

Zugleich produzieren Fettzellen weitere Botenstoffe wie beispielsweise Leptin. Dieses Leptin reguliert nicht nur das Essverhalten und den Energiehaushalt. Sondern es fördert auch die Entstehung von Entzündungen und den Abbau von Gelenkknorpel.

Den „Gegenspieler“ Adiponectin, der im Gegensatz dazu entzündungshemmend wirkt und knorpelabbauende Enzyme blockiert, produziert der Körper bei Übergewicht nur unzureichend.

Diese negativen Effekte des Zusammenhangs Leptin und Adiponectin lassen sich durch Abnehmen aber verringern oder sogar umkehren.

 

Umstellung der Ernährung bei Arthrose und Übergewicht

Unter dem Strich hat alles, was wir essen, großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidanzien, wie sie in Obst und Gemüse vorkommen, verringern beispielsweise den oxidativen Stress im Körper. Omega-3-Fettsäuren, beispielsweise in Seefisch, bilden die Grundlage für die Produktion körpereigener Entzündungshemmer.

Um eine optimale Versorgung der Gelenke mit knorpel- und knochenaktiven Nährstoffen zu gewährleisten sowie um die Gelenke funktionsfähig und schmerzfrei zu halten, ist daher das Zusammenspiel aus einem gesunden BMI (Body Mass Index), ausreichend moderater Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung wichtig.

 

Fettarme, vielseitige Ernährung – reich an Mikronährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen empfohlen

Die Ernährung umzustellen bedeutet aber nicht, dass auf alles verzichtet werden muss, was schmeckt. Wichtig ist es, das richtige Maß für sich zu finden und einen Blick auf die besonderen Eigenschaften der enthaltenen Nährstoffe zu werfen. Ratsam ist allerdings eine möglichst fettarme, vielseitige Ernährung, die reich an Mikronährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen sowie Aminosäuren und Fettsäuren ist.

Da freie Radikale offenbar an den Entzündungsprozessen des Gelenkverschleißes beteiligt sind, ist es sinnvoll, bei den Mahlzeiten besonders auf die Aufnahme von Vitamin E und C sowie Zink, Kupfer, Selen und Mangan zu achten. Diese Mikronährstoffe fangen freie Radikale effektiv ab. Während Vitamin E und C überwiegend in Karotten, Paprika, Blattgemüse, Zitrusfrüchten und Beeren vorkommen, finden sich Kupfer und Selen eher in Vollkornprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten und Pilzen.

Viel frisches Obst und Gemüse hilft außerdem, den durch die Gelenkabnützung erhöhten Bedarf an wichtigen Mikronährstoffen abzudecken. Übrigens: Saisonales und regionales Obst und Gemüse enthalten die meisten Mikronährstoffe.

Ernährungsexperten empfehlen fünf Portionen Gemüse und Obst (je eine Hand voll) am Tag. Auch Dinkel oder Magermilchprodukte sollten häufig auf dem Speiseplan stehen.

 

Gesunde Gelenke mit der richtigen Ernährung bei Arthrose und Übergewicht

Lebensmittel, die entzündungsfördernde Eigenschaften aufweisen, sollten betroffene Personen möglichst vermeiden. Bei Arthrose ist es ratsam, tierische Fette aus Wurst- und Fleischwaren vom Speiseplan zu streichen. Diese führen dem Körper Arachidonsäure zu. Diese vierfach ungesättigte Fettsäure ist daran beteiligt, dass der Körper Entzündungsbotenstoffe gebildet. Arachidonsäure kommt allerdings unter anderem auch in fetter Milch, Käse, Eiern sowie Butter vor.

Wichtig für die Gelenkgesundheit sind hingegen Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren, beispielsweise EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Sie sind in fettreichen Kaltwasser- oder Meeresfischen wie beispielsweise Hering, Makrele und Lachs enthalten. Gerne darf daher zwei bis drei Mal pro Woche Fisch auf den Tisch.

Ergänzt durch Gemüse oder Kartoffeln stellt dies eine gesunde Grundlage beispielsweise für ein schmackhaftes Mittagessen dar. Als leichtes, gelenkfreundliches Abendessen bietet sich ein gemischter Salat mit Vollkornbrot an. Für die Zubereitung von Salaten und anderen Speisen sind kaltgepresste Öle aus Oliven, Sesam, Disteln, Walnüssen oder Raps ideal.

 

Mikronährstoffe für Gelenke

Bei der Zusammenstellung der richtigen Ernährung bei Arthrose ist es wichtig, mit frischen Produkten und abwechslungsreich zu kochen. Schließlich soll die Umstellung nicht nur die Gelenke „erfreuen“. Wem es besonders schwer fällt, auf bestimmte Lebensmittel wie fetthaltige Produkte zu verzichten, sollte sich nichts verbieten, die Mengen aber zumindest deutlich senken.

So kann man beispielsweise den Fleischkonsum auf einen Tag in der Woche reduzieren und dann eher mageres Geflügel- als fettes Schweinefleisch verwenden. Zu viel Alkohol und Koffein sind der Gelenkgesundheit ebenfalls nicht zuträglich. Besser ist es, auf Wasser oder Tee zurück zu greifen.

Trotz aller Mühe kann es manchmal schwierig sein, den bei Arthrose erhöhten Bedarf an Mikronährstoffen ausschließlich über die Nahrung abzudecken. Dann ist es sinnvoll, seine Gelenke zusätzlich mit speziellen Nahrungsergänzungen zu unterstützen. Diese sollten auch wichtige Nährstoffe für Knorpel und Knochen wie Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat enthalten.

 

Gezielte Bewegung

Arthrose-Patienten neigen aufgrund der Schmerzen nicht selten dazu, sich in eine Schonhaltung zurückzuziehen und sportliche Aktivitäten zu meiden. Dabei ist bei Arthrose Bewegung ausgesprochen wichtig. Denn: Ohne Bewegung können essenzielle Nährstoffe oft nicht bis in den Knorpel hineingelangen. So kann mithilfe bewegungsorientierter Therapieansätze nicht nur eine Verbesserung der Knorpelqualität erreicht werden, sondern auch der Gelenkfunktionalität und der Schmerzlinderung.

Bei der Wahl der richtigen Sportart ist jedoch Achtsamkeit gefragt. Empfehlenswert sind Sportarten, die keinen Gegnerkontakt haben und Trainingseinheiten, bei denen die Bewegungen kontrolliert durchgeführt werden können. Dazu gehören etwa Nordic Walking, Krafttraining, Aqua-Jogging oder auch Radfahren.

Durch ein gezieltes Krafttraining lässt sich die Quantität des Knorpels zwar nicht verbessern (da ein bereits geschädigter Knorpel nicht wieder aufgebaut werden kann), allerdings kann die Struktur des Knorpels durch spezielle Übungen günstig beeinflusst werden und damit die Qualität deutlich ansteigen. Ebenso bestätigen Mediziner, dass auch Gelenkschmerzen mit Hilfe von gezielt angeleitetem Kraftsport reduziert werden können.

 

Studien belegen Zusammenhang Arthrose und Übergewicht

Der Zusammenhang zwischen Gelenkverschleiß und Lebensstil (Essgewohnheiten, Bewegung) wird zunehmend auch wissenschaftlich untersucht. So wird Arthrose inzwischen als eine Erkrankung betrachtet, die in Verbindung mit Übergewicht, Adipositas und Körperfettmasse steht.

Neueste Forschungen konzentrieren sich darauf, die Bedeutung der Vielzahl von speziellen Mediatoren aus dem Fettgewebe aufzuklären. Darunter Fettsäuren, Sphingolipide und Eicosanoide. Diese Substanzen beeinflussen offenbar den Knorpelabbau bei Arthose zusätzlich zu den mechanischen Effekten, die das Körpergewicht selbst auf die gewichttragenden Gelenke ausübt.

 

Arteriosklerose und Arthrose

Darüber hinaus spielen wie eingangs erwähnt bei Arthrose neben Übergewicht auch andere metabolische Faktoren eine wesentliche Rolle. Das sind Bauch-Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Störung des Fettstoffwechsels und zu niedriges HDL-Cholesterin, hohes LDL-Cholesterin und Triglyzeride. Zudem gehören dazu eine erhöhte Glukosekonzentration im Blut sowie Insulinresistenz, beides Hauptursachen für Typ-2 Diabetes.

Metabolische Störungen sind häufige Erkrankungen, die auch zu Arteriosklerose führen. Deswegen glauben Forscher, dass Arthrose und Arteriosklerose ähnliche molekulare Mechanismen zugrunde liegen. Denn die Häufigkeit beider Krankheiten nimmt mit dem Alter zu. Dabei nimmt man vor allem an, dass die Oxidation von LDL-Cholesterin eine maßgebliche Rolle bei der Pathogenese der Arteriosklerose spielt, was auch auf Arthrose zutreffen könnte.

Die Wissenschaftler spekulieren in einer aktuellen Untersuchung dazu, dass die Oxidation von LDL-Cholesterin auch am Krankheitsgeschehen bei Arthrose beteiligt ist. Deswegen könnten auch ernährungsspezifische Maßnahmen gegen zu hohes LDL-Cholesterin zur Prävention und Unterdrückung von Arthrose führen. Jedenfalls sollten Patienten einen gesunden Lebensstil mit Vermeidung von Übergewicht und anderen metabolischen Störungen sowie vielen antioxidativen Komponenten in der Ernährung wählen.


Literatur:

Hashimoto K, Akagi M. The role of oxidation of low-density lipids in pathogenesis of osteoarthritis: A narrative review. J Int Med Res. 2020;48(6):300060520931609. doi:10.1177/0300060520931609. PMCID: PMC7303502

Wang T, He C. Pro-inflammatory cytokines: The link between obesity and osteoarthritis. Cytokine Growth Factor Rev. 2018;44:38–50. doi:10.1016/j.cytogfr.2018.10.002

Berenbaum F. Osteoarthritis as an inflammatory disease (osteaarthritis is not osteoarthrosis). Osteoarthritis Cartilage 2013;21(1):16-21

Masuko K, Murata M, Suematsu N, et al. A metabolic aspect of osteoarthritis: lipid as a possible contributor to the pathogenesis of cartilage degradation. Clin Exp Rheumatol 2009;27(2):347-53.

Zhuo Q,Yang W, Chen J, et al. Metabolic syndrome meets osteoarthritis. Nat Rev Rheumatol 2012;8(12):729-37.

Die mobile Version verlassen