Resistenz auf Antibiotika – ein langfristiges medizinisches Problem

Bakterien und Viren haben nichts an Aggressivität eingebüßt, Antibiotika-Resistenzen sind ein großes Langzeitproblem. © jovan vitanovski / shutterstock.com

Bakterien und Viren haben nichts an Aggressivität eingebüßt, Antibiotika-Resistenzen sind ein großes Langzeitproblem. © jovan vitanovski / shutterstock.com

Die Antibiotika-Resistenz wird noch lange Zeit ein medizinisches Problem darstellen, resistente Bakterien breiten sich besorgniserregend aus.

Im Zusammenhang mit der Antibiotika-Resistenz kann man nach wie vor Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Bakterien (MRSA) auf Handschuhen und Kleidung von Personen im Gesundheitsbereich nachweisen. Insbesondere bei Physiotherapeuten, Krankenpflegepersonal, Ärzten und Hausarbeitern. Zudem ist ein Problem, dass Bakterien mit Antibiotika-Resistenz etwa 95% der Mobil­telefone von Menschen in ­Gesundheitsberufen besiedeln. Deswegen sollte man diese regelmäßig dekontaminieren. Auch Kampagnen zum Händewaschen haben nach wie vor ihre Gültigkeit. Eine derartige Initiative konnte beispielsweise in Genf die Prävalenz nosokomialer Infektionen um 20% senken.

 

Zoonotische MRSA-Infektionen

Doch auch andere Infektionswege sind zu beachten. Beispielsweise konnte man nach der konventionellen Zubereitung von Hühner-, Schweine- und Rindfleisch bakterielle, für die Antibiotika-Resistenz kodierende DNA isolieren. Zudem zeigen nasale und pharyngeale Abstriche, dass Tierärzte und Bauern sowie nahe Verwandten Hochrisikogruppen für zoonotische MRSA-Infektionen sind.

Etwa 25% der stationären MRSA-Fälle dürften mit ­einer Zoonose in Verbindung stehen. Trotzdem sollte die Gabe von Antibiotika nicht vermieden werden. Ein 10-Jahres-Follow-Up zeigte, dass trotz der Reduktion von antibiotischer Medikation (vorwiegend Makrolid-Reduktion) die Inzidenz an Penicillin-resistenten S. pneumoniae zunahm. Auch eine 85%ige ­Reduktion von Trimethorpim-Verschreibungen führte nicht zu einer Abnahme der resistenten E. coli-Stämme.

Das Problem Antibiotika-Resistenz verursachen vielmehr ungeeignete Substanzen, Selbstmedikation sowie falsche Therapiedauer. In Spitälern werden unspezifische antibiotische Verschreibungen besonders am Wochenende ausgestellt. Dafür scheint das reduzierte Personal und die geringe Verfügbarkeit von mikrobiologischen Untersuchungen mitverantwortlich sein. Auch sind nicht immer alle Informationen zum bisherigen Management des Patienten einzusehen.

 

Antibiotika-Resistenz einschränken

Um die Antibiotika-Resistenz einschränken zu können, sollten daher auch medizinische Mikrobiologen stärker in die Therapieplanung einbezogen werden. Auch fehlt vielen Menschen das grundsätzliche Wissen über die Resistenzentwicklung von Bakterien, wodurch Medikamente nicht genau so eingenommen werden, wie vom Arzt verordnet werden. Das fördert wiederum die Bildung von Antibiotika-Resistenz-Bakterien. Gleiches gilt, wenn Antibiotikareste über den Hausmüll oder die Toilette entsorgt werden. Und nicht an den vorgesehenen Sammelstellen oder in der Apotheke. Deswegen können auch Abwasser- und Kläranlagen als Reservoire für Antibiotikaresistenzen fungieren.

Um das Problem Antibiotika-Resistenz in den Griff zu bekommen, sind deswegen bessere Informationen notwendig. Allerdings muss man die Entwicklung einer Antibiotika-Resistenz auch als „normale“ Reaktion sehen. Sie zeigt eine eindeutige Manifestation der Darwinschen Evolutionsprinzipien.


Literatur:

Karkman A, Do TT, Walsh F, Virta MPJ. Antibiotic-Resistance Genes in Waste Water. Trends Microbiol. 2018 Mar;26(3):220-228. doi: 10.1016/j.tim.2017.09.005. Epub 2017 Oct 13.

Jose M. Munita, Cesar A. Arias. Mechanisms of Antibiotic Resistance. Microbiol Spectr. available in PMC 2016 Oct 1. doi: 10.1128/microbiolspec.VMBF-0016-2015

Die mobile Version verlassen